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Biobranche

Bio wächst kräftig im Corona-Jahr 2020

Bio-erzeugerladen-Erfurt
am Mittwoch, 17.02.2021 - 10:49 (1 Kommentar)

Rekordverdächtig: Der Umsatz mit Ökoprodukten hat 2020 um 22 Prozent zugelegt. Das berichtet der BÖLW anlässlich der BioFach 2021.

BÖLW-Öko-Kennzahlen BioFach 2021

Der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) spricht von einer geradezu rasanten Bio-Entwicklung in Deutschland: Der Bio-Absatz im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) hat 2020 um rekordverdächtige 22 Prozent zugelegt. Damit erreichen Öko-Lebensmittel einen Anteil von 6,4 Prozent am Lebensmittel-Gesamtumsatz.

BÖLW-Vorsitzender Prinz Felix zu Löwenstein wertet diese Zahlen als wichtiges Signal für die Politik: Wirtschaft und Gesellschaft setzten damit wichtige Impulse, auf die die Politik jetzt reagieren müsse. Das betonte Löwenstein heute (17.2.) auf der gemeinsamen Pressekonferenz von BÖLW und der internationalen Bio-Vereinigung IFOAM zur BioFach 2021.

Corona und Greta

Gewinner sind besonders die Direkt- und die Onlinevermarktung, Wochenmärkte und Bäckereien sowie Metzgereien mit einem Plus von 35 Prozent. Für die guten Ergebnisse seien, so AMI-Marktexpertin Diana Schaack auf der Online-Pressekonferenz, vor allem zwei Faktoren ausschlaggebend:

  1. Corona -  das durch den Lockdown veränderte Einkaufs- und Ernährungsverhalten der Deutschen, und
  2. Greta - das durch die Klimaaktivistin Greta Thunberg veränderte Nachhaltigkeitsdenken. 

Die Bio-Zahlen 2020 im Überblick

BÖLW-PK Biofach
  • 35.413 Höfe in Deutschland wirtschafteten im Jahr 2020 ökologisch - das ist jeder 8. Betrieb.
     
  • 1.698.764 ha Fläche wurden 2020 ökologisch bewirtschaftet, das sind 10,2 Prozent der Flächen. 
     
  • das Flächenplus von 5,3 Prozent sorgte für zusätzliche 84.930 Bio-Hektar 2020.
     
  • 67.598 ha stellten die Bio-Betriebe nach den besonders hohen Standards der Verbände um, 17.332 ha (ca.) wurden nach EU-Standard umgestellt.
     
  • Der Bio-Markt wuchs 2020 auf insgesamt 14,99 Mrd. Euro (2019: 12,26 Mrd. Euro) an. Damit investierten die Deutschen im Corona-Jahr 22 % mehr in Bio-Lebensmittel als 2019.

Jedes 7. Ei wird von einem Bio-Huhn gelegt

BÖLW-Öko-Kennzahlen 2020
  • Echte Verkaufshits über das gesamte Jahr waren Öko-Fleisch und -Mehl sowie -Obst und -Gemüse mit Zuwächsen zwischen 70 % (Geflügel) und 25 % (Obst). 
     
  • Bio-Eier erreichten einen Verkaufsanteil von 15,4 Prozent.
     
  • Bio-Milch erreichte 11 Prozent Verkaufsanteil.
     
  • Bio-Mehl liegt bei 14,2 Prozent Verkaufsanteil.
     
  • Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt erhöhte sich 2020 auf vorläufige 6,4 %.

Stabilere Preise für Erzeuger

Erfreulich für die Landwirte sind die Preisentwicklungen bei Milch und Getreide. So entwickelten sich die Bio-Milchpreise auf höherem Niveau stabiler mit plus 5 Prozent bei 48,8 Cent/kg Bio-Milch. 

Roggen und Futtergetreide verloren aufgrund der hohen Erntemenge (+ 8 Prozent/1,14 Mio. t) zunächst im Preis, sind nun aber wieder im Aufwind.

Appell an Politik

„Der Blick auf 2020 und die vergangenen Jahre zeigt: Das 25 % Bio-Ziel, das sich die EU bis 2030 mit der Farm to Fork-Strategie gesetzt hat, ist erreichbar“, sagt Felix Löwenstein. Es sei aber wichtig, dass vom Bauernverband bis zur Bundesministerin alle Verantwortlichen diese Alternative nicht kleinredeten, sondern den Bauern Mut für neue Wege machten.

Er forderte einen Kurswechsel in der EU: Mindestens 70 Prozent der Gelder müssten in freiwillige Umweltleistungen der Bauern investiert werden. Dazu müsse dringend Geld umgeschichtet werden von der ersten in die zweite Säule. "Es darf nicht zu einer Konkurrenz kommen zwischen dem Ökolandbau und den Umweltprogrammen", so Löwenstein.

Mit Material von BÖLW Branchenreport 2021

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