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Dürrekatastrophe

Wo Biobauern konventionell füttern dürfen

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Josef Koch, agrarheute
am
10.08.2018

In drei Bundesländern dürfen Ökobauern bisher wegen der Dürre auch konventionelles Raufutter verwenden. Lesen Sie, wo das der Fall ist.

Inzwischen hat die Dürre auch Baden-Württemberg erreicht. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit zeichnet sich dort auch in Öko-Betrieben nach vorliegenden Rückmeldungen eine deutliche Verknappung der Futterversorgung für Raufutterfresser ab, teilt das Agrarministerium in Stuttgart mit. Die Versorgungslücke können die Landwirte über den Zukauf von Öko-Futtermitteln nicht vollständig ausfüllen.

Die für die Öko-Kontrolle zuständige Behörde beim Regierungspräsidium Karlsruhe hat daher das für solche Fälle vorgesehene Antragsverfahren für den Zukauf von Futtermitteln aus nicht ökologischer Erzeugung eröffnet. Damit können betroffene Öko-Betriebe ihre Futtergrundlage sichern. Die Öko-Kontrollstellen sind entsprechend informiert.

Tipp: Liegt in Ihrem Bundesland keine Allgemeinverfügung über den Zukauf von konventionellem Futter vor, können Sie als Ökotierhalter bei der zuständigen Ökokontrollstelle Ausnahmen beantragen.

Niedersachsen erlässt Allgemeinverfügung

Barbara Otte-Kinast

Kaum hatte Bundesagrarministerin Julia Klöckner Ende Juli erwähnt, dass die Bundesländer es den Ökobauern erlauben können, wegen der Dürre konventionelles Raufutter zu nutzen, hat Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast reagiert.

Niedersachsens Biobauern haben seit 1. August die Möglichkeit, Raufutter zuzukaufen, das aus konventioneller Erzeugung stammt. Eine entsprechende Allgemeinverfügung wurde vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) erlassen. Es ist die erste Nothilfe-Maßnahme für Ökofutter seit der Einrichtung des LAVES 2001.

Befristete Ausnahme

„Auch Ökofutter ist knapp. Aufgrund der außergewöhnlichen Witterung müssen wir den Tierhaltern unter die Arme greifen", betonte Barbara Otte-Kinast. Die Ausnahmegenehmigung regelt Zukäufe bis zum 30. Januar 2019.

Das Raufutter darf bis zum 30. Mai 2019 auf den Biohöfen eingesetzt werden. Allerdings müssen die Landwirte nachweisen, dass ökologisch erzeugtes Raufutter nicht oder nur in beschränktem Umfang verfügbar war.

Als Nachweis ist eine Nichtverfügbarkeitsbescheinigung in Form einer Bestätigung eines Bio-Anbauverbandes, das Ergebnis eigener Suchanfragen oder ein Auszug aus der Bio-Warenbörse vorzulegen, dass der Erwerb ökologisch erzeugter Raufuttermittel nicht vollumfänglich oder nicht zu vertretbaren Bedingungen möglich war, teilt das LAVES mit.

Antrag in NRW nötig

Auch in Nordrhein-Westfalen dürfen Öko-Tierhalter konventionelles Raufutter nutzen, wie das Düsseldorfer Ministerium mitgeteilt hat. Die entsprechende Verordnung hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) am 27. Juli 2018 erlassen. Die Ausnahmeregelung gilt bis 30. September 2018. Das Futter müssen Landwirte bis spätestens zum 30. Juni 2019 aufbrauchen.

Innerhalb von zwei Wochen nach dem Futtererwerb müssen Landwirte einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung stellen und über die Kontrollstelle beim LANUV einreichen. Die Bearbeitung des Antrages kostet 50 Euro. Die Einhaltung der Vorgaben und die fristgerechte Beantragung überwachen Behörden und Kontrollstellen strikt, teilt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen mit.

Halten Sie daher auf jeden Fall die Vorgaben ein, da ansonsten mit der Aberkennung von Waren und/oder der Einbehaltung von Prämien gerechnet werden muss.

Es ist zu empfehlen, vor einem Zukauf Kontakt mit der Ökoberatung der Landwirtschaftskammer und der Ökoverbände in NRW aufzunehmen, um zu klären, ob einzelbetrieblich die Bedingungen erfüllt sind. Außerdem sind je nach Anbauverband auch die verbandlichen Regelungen zu beachten und einzuhalten.

Die Ökoberatung bittet dringend alle Landwirte, die noch Grundfutter abgeben können oder Flächen zum  Zwischenfrucht- oder Kleegrasanbau für tierhaltende Betriebe anbieten können, diese in die Warenbörse www.biowarenboerse.de einzustellen!

NRW-Antrag auf Raufutternutzung

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