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Steuerrecht

Biogas: Neues Urteil verspricht Steuererleichterung bei Biomassehandel

Immo Cornelius
am
31.01.2018

Einem neuen Urteil zufolge gelten Biomassegeschäfte fortan als ein Umsatz. Betreiber von Biogasanlagen müssen demnach nur noch ein Mal Mehrwertsteuer zahlen.

Die bisherige Praxis sieht das Anliefern der Biomasse und die Rücklieferung der Gärsubstrate an die Landwirte als getrennte Umsätze. Die Möglichkeit einer sogenannten Gehaltslieferung hat die Finanzverwaltung stets abgelehnt.

Der Unternehmensberatung "Ecovis" zufolge, ist ein Umsatz dann als Gehaltslieferung zu werten, wenn die Beteiligten nur den benötigten Gehalt, also den Hauptbestandteil des gelieferten Gegenstands, verkaufen wollen und daher die Rückgabe der Nebenerzeugnisse oder Abfälle von vornherein vereinbart wird.

Gehaltslieferung künftig zulässig

Eine Gehaltslieferung setzt damit voraus, dass allein die wesentliche Substanz einer Rohware umgesetzt werden soll, so Ecovis. Bei Biomasse, bestehend aus verschiedenartigen Stoffen, müsse das Biogas herausgezogen werden. Gleiches gebe es zum Beispiel bei der Zuckerrübe mit der Gehaltslieferung des Zuckers.

Die Richter am Bundesfinanzhof haben der Ablehnung der Finanzverwaltung gegenüber der Möglichkeit einer Gehaltslieferung nun widersprochen (Az.: V R 3/16).

Keine Umsatzsteuer auf Substratrücklieferung

"Bei der Lieferung von Biomasse an den Anlagenbetreiber kann in Verbindung mit der vereinbarten Rücklieferung von düngemittelfähigem Substrat wie Gärreste oder Biogasgülle sehr wohl eine Gehaltslieferung vorliegen", sagt Ludwig Brummer, Steuerberater bei Ecovis in Freising.

Damit beschränkt sich die Umsatzbesteuerung auf die geleistete Zahlung für das Biogas, ohne die Rücklieferung der Substrate zu berücksichtigen.
 

Steuervorteile für pauschalierende Landwirte

Die Abrechnung gegenüber der Biogasanlage als Gehaltslieferung ist immer dann von Vorteil, wenn der anliefernde Landwirt Pauschalierer ist und seine Rohmasse nach Paragraph 24 Umsatzsteuergesetz verkauft, erklärt Ecovis. Sind die Betriebe als separate Unternehmen geführt, fallen für die gelieferte Biomasse 10,7 Prozent Umsatzsteuer an, die der Pauschalierer nicht ans Finanzamt abführen muss.

Die Biogasanlage bekommt die Mehrwertsteuer als Vorsteuer erstattet, und muss für die Rücklieferung der Gärreste an den Landwirt ihrerseits keine Umsatzsteuer berechnen - die könnte der pauschalierende Landwirt nicht als Vorsteuer abziehen.

Viele Biogasanlagen können von Neuregelung profitieren

Diesen Mehrwertsteuervorteil gibt es nicht, wenn sich der landwirtschaftliche Betrieb und die Biogasanlage in einer Hand befinden, so Ecovis. Dann seien Biomasse- und Gärrestelieferungen als Innenumsätze einzustufen, für die keinerlei Umsatzsteuer berechnet werden dürfe.

"In den meisten Fällen läuft die Biogasanlage aber ohnehin unternehmerisch vom Hof getrennt", erklärt Brummer. Und auch für den Fremdzukauf von Biomasse von anderen Landwirten könne die Abrechnung in Form einer Gehaltslieferung genutzt werden.

Mit Material von Ecovis
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