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Bodenmarkt und Investoren

Wo bleiben die Bodenpreise? Neue Statistik reißt peinliche Lücke

Luftbild einer Kulturlandschaft in Oberbayern
am Donnerstag, 12.01.2023 - 10:51 (3 Kommentare)

Eigentlich soll die neue Bodenmarkt-Statistik mehr Transparenz bringen. Stattdessen gibt es vorerst gar keine Preise.

Die amtliche Statistik über die Bodenpreise für Agrarflächen ist in Deutschland seit Monaten überfällig. Eine Modernisierung der Erfassung, die eigentlich mehr Transparenz in den landwirtschaftlichen Bodenmarkt bringen sollte, überfordert offenbar das Statistische Bundesamt (Destatis).

Wegen technischer Probleme mit der erweiterten und auf ein Online-Verfahren umgestellten Kaufwertestatistik gibt es auch Anfang 2023 noch immer keine neueren Zahlen zu den Bodenpreisen als für das Kalenderjahr 2020.

Steiler Anstieg der Bodenpreise beschäftigt Landwirte und Politik

Kaufwerte 2020

Das reißt eine peinliche Lücke. Denn die Preise für Agrarflächen schießen in Deutschland seit Jahren steil in die Höhe. Allein von 2011 bis 2020 haben sich die Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke in etwa verdoppelt.

Das Auftreten außerlandwirtschaftlicher Investoren hat den Bodenmarkt zu einem Politikum werden lassen. In mehreren Bundesländern arbeiten die Landesregierungen an Gesetzen für einen besseren Schutz der aktiven Landwirte auf dem Bodenmarkt. Eine wichtige Grundlage für sachliche Entscheidungen wären aussagekräftige, aktuelle Zahlen zur Preisentwicklung.

Gesetzesänderung soll Klarheit über Nichtlandwirte schaffen

Zu diesem Zweck wurde eigens das Preisstatistikgesetz geändert. Seit Inkrafttreten der Novelle Anfang 2020 erfassen die zuständigen Behörden laut § 7 Absatz 1 des Preisstatistikgesetzes beim Verkauf landwirtschaftlicher Flächen erstmals zusätzlich, ob der Käufer ein Landwirt ist oder nicht. Dies geschieht auch zur Erfüllung EU-rechtlicher Anforderungen.

Doch statt zusätzlicher Informationen über den Bodenmarkt und den Anteil von Verkäufen an Nichtlandwirte zu erhalten, ist die Kaufpreisstatistik nun seit einem Vierteljahr überfällig.

Verarbeitung der Daten durch das Bundesamt stockt

Üblicherweise veröffentlicht das Statistische Bundesamt nämlich im Oktober oder spätestens Anfang November eines Jahres jeweils die Kaufwerte für das Vorjahr, aufgeschlüsselt nach Bundesländern. Aber für 2021 liegen die Bodenpreise noch immer nicht vor.

Die letzten verfügbaren Daten beziehen sich somit weiterhin auf das Jahr 2020. Mit diesem Berichtsjahr stellte Destatis die Fachserie „Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke“ ein. Und schon damals machte die Verarbeitung der Bodenpreise, die von den Ländern an das Bundesamt gemeldet werden, offensichtlich Probleme.

2021 war die Bodenpreis-Statistik fehlerhaft

Die veröffentlichten Zahlen zu den Kaufwerten je Hektar mussten von den Wiesbadener Statistikern nämlich im Herbst 2021 sowohl für Baden-Württemberg als auch für Niedersachsen nachträglich korrigiert werden.

Während die für Niedersachsen veröffentlichten Preise zunächst deutlich zu hoch ausgewiesen worden waren, wurden die Kaufwerte für Baden-Württemberg zunächst deutlich zu niedrig gemeldet.

Dabei hätte schon bei einer einfachen logischen Überprüfung auffallen müssen, dass die Bodenpreise in Baden-Württemberg 2020 wohl kaum innerhalb eines Jahres um fast ein Drittel gefallen sein können, entgegen dem bundesweit steigenden Trend. Agrarheute hatte schon bei der ersten Veröffentlichung dieser Zahlen Zweifel an ihrer Richtigkeit geäußert – zu Recht, wie die Korrektur durch das Bundesamt kurz darauf zeigte.

Käufe durch Nichtlandwirte dürfen womöglich nicht veröffentlicht werden

Nun wartet die Landwirtschaft auf die Zahlen für 2021. Wie agrarheute aus dem Wiesbadener Bundesamt erfuhr, ist noch unklar, wann die Bodenpreise nach Bundesländern gegliedert wieder veröffentlicht werden. Bei den statistischen Landesämtern finden sich die Zahlen auch noch nicht, wie eine stichprobenhafte Abfrage bei sechs Flächenländern ergab.

Völlig offen ist zudem, ob das Bundesamt die Preise jemals gegliedert nach Käufen durch Landwirte beziehungsweise Nichtlandwirte und nach Bundesländern veröffentlichen wird. Das könnten die Vorschriften für den Datenschutz verhindern. Denn aus der anonymisierten Statistik darf nicht auf einzelne Verkaufsfälle geschlossen werden können. Das könnte aber möglich werden, wenn in einem Bundesland nur sehr wenige Verkäufe an Nichtlandwirte erfolgten.

Die vom Gesetzgeber verordnete Erweiterung der Kaufwertestatistik würde damit weitgehend sinnlos: Die Daten über Flächenkäufe durch außerlandwirtschaftliche Investoren würden zwar erhoben, dürften aber nicht veröffentlicht werden.

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