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Bodenpreis: Darum wird der Hektar immer teurer

am Montag, 10.12.2018 - 09:53 (Jetzt kommentieren)

Seit Jahren steigen die Pacht- und Kaufpreise für Ackerland. In unserem Titelthema der agrarheute-Ausgabe im Dezember haben Experten die Gründe benannt.

Landwirte zahlten im Regierungsbezirk Oberbayern im Jahr 2017 Rekordpreise für 1 ha Boden. Der Durchschnittswert lag bei 116.463 Euro. Das ist zwar ein absolutes Extrem, spiegelt aber die Entwicklung am Bodenmarkt wider.

Andreas Tietz vom Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig erklärt in der aktuellen agrarheute-Ausgabe was die Preisetreiber am Bodenmarkt sind. Der wichtigste Impuls auf die Bodenpreise gehe laut Tietz nach wie vor von der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) aus.

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Bedarf an Siedlungs- und Verkehrsflächen

Die Gründe für diese Entwicklung am Bodenmarkt sind vielfältig. „Boden ist ein knappes Gut, das nicht vermehrbar ist“, sagt Andreas Tietz. „In erster Linie steht der Bedarf für Siedlungs- und Verkehrsflächen heute in Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nutzung. Daher steigen besonders in der Nähe von Ballungszentren die Preise stärker an als im ländlichen Raum.“ 

Steuervermeidung

Wer als Landwirt künftiges Bauland zu Hochpreisen verkaufen konnte, muss die Gewinne voll versteuern, es sei denn, er investiert sie innerhalb von vier Jahren wieder in Boden. So treibt auch Steuervermeidung die Nachfrage nach Flächen selbst in entfernteren Regionen an.

 

EEG-Förderung

Die Förderung der Bioenergieerzeugung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hat zusätzlich zu einer starken Konkurrenz geführt. Der Staat fördert die Erneuerbaren zwar nicht mehr in der ursprünglichen Höhe, garantiert aber frühzeitig eingestiegenen Biogaserzeugern mit Vertragslaufzeiten von 20 Jahren vergleichsweise hohe Einnahmen. „Viele Tierhalter, die die Fläche ebenfalls dringend zur Erweiterung ihrer Betriebe benötigen, sind dadurch benachteiligt“, sagt Tietz. Zusätzlicher Nutzungsdruck auf die landwirtschaftlichen Flächen entsteht nach Meinung des Agrarwissenschaftlers durch den Bau von Windkraft- und Freiflächen-Photovoltaikanlagen sowie die dafür erforderlichen Ausgleichsflächen.

 

Niedrige Zinsen locken Investoren

Laut Tietz spielt die Kapitalmarktentwicklung der vergangenen Jahre eine zentrale Rolle: „In Zeiten niedriger Zinsen haben immer mehr Geldanleger, auch außerhalb der Landwirtschaft, den Boden als Kapitalanlage für sich erkannt. Boden stellt derzeit eine wertstabile  Anlage mit niedrigen, aber sicheren Renditen dar, die im Unterschied zu anderen Anlageformen, wie zum Beispiel Immobilien, wenig Arbeit macht und kaum Risiken birgt.“

 

Bodenpreise: Das kostete der Hektar 2017

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