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Terminmarkt und Getreidepreise

Börsenlatein – Von Bullen, Bären und hohen Getreidepreisen

Landwirt steht in einem Getreidefeld
am Donnerstag, 27.08.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Landwirte wollen ihr Getreide zu guten Preisen verkaufen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Bauer steht auf dem Feld und prüft das Getreide

Die Preise schwanken relativ stark und Preisprognosen sind äußerst schwierig – und gelten auch nur für eine bestimmte Zeit. Um sich dennoch abzusichern, brauchen die Bauern den Terminmarkt. Doch was passiert dort eigentlich? Und kann man die Instrumente und das Börsenlatein gut verstehen?

So wie in anderen Branchen auch wird an den landwirtschaftlichen Terminmärkten eine eigene Fachsprache verwendet. Viele der verwendeten Begriffe können bei Laien durchaus zu Unsicherheit und Verwirrung führen. Wenn man sich jedoch mit den Begriffen befasst, wird schnell klar, was gemeint ist.

Sehr anschaulich sind die Beschreibungen der jeweiligen Marktstimmung – des sogenannten Sentiments. Oft liest man zum Beispiel von Bullen und Bären:

  • Dabei steht „bullish“ im Börsenjargon für steigende Kurse.
  • Das Gegenteil ist der Begriff „bärish“ für fallende Kurse.
  • Einen längeren Preisanstieg bezeichnet die Broker als „Hausse“ und einen längeren Absturz als „Baisse“.
  • Mit einem „Crash“ bezeichnet man in der Regel extreme Kursstürze.

Diese Begriffe gelten für die Getreidemärkte ebenso wie für die anderen Agrar- und Rohstoffmärkte. Doch wie funktioniert nun der Terminmarkt und wie kann der Landwirt die vorhandenen Instrumente nutzen?

Das Preis-Risiko auf andere übertragen

Zwei Männer geben sich vor einem Maisfeld die Hand

Es gibt viele Faktoren, die für das Angebot und die Nachfrage an den Getreidemärkten wichtig sind. Dazu gehören: Wetter, Politik, Energiepreise, Zinssätze, Wechselkurse und vieles mehr. Doch es ist kaum möglich vorherzusagen, wie sich diese zahlreichen Bedingungen verändern und auf die Getreidepreise auswirken.

Das führt zu einer ständigen Volatilität der Preise. Gemeint sind die Kursschwankungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Der Grund hierfür: Jeder Akteur hat unterschiedliche Erwartungen an die unterschiedlichen Ursachen und Auswirkungen. Auf den Terminmärkten versuchen die Akteure nun, bestimmte Positionen zu den künftigen Getreidepreisen einzunehmen. Dabei finden die Kräfte von Angebot und Nachfrage zusammen, und das führt dazu, dass die Getreidepreise am Kassamarkt und Futures-Preise am Ende konvergieren.

In jeder Phase der Marktentwicklung, vom Säen, Wachsen und Ernten, sind die Landwirte der Volatilität und dem Risiko nachteiliger Preisbewegungen ausgesetzt, die durch die Veränderungen von Angebot und Nachfrage verursacht werden. Der Handel mit Futures und Optionen auf Getreide bietet eine Möglichkeit, dieses Risiko zu begrenzen.

Eine Futures-Position ist dabei die grundlegendste Strategie für das Preisrisikomanagement. Dabei ermöglicht eine sogenannte Short-Position dem Verkäufer, einen Verkaufspreis vor dem tatsächlichen Verkauf abzusichern, wodurch er gegen fallende Preise geschützt würde. Durch eine sognannte Long-Position kann ein Käufer einen Kaufpreis festlegen und sich vor steigenden Preisen schützen.

Absicherung der Getreidepreise mit Futures und Optionen

Die Volatilität ist hoch.

Die Hauptfunktionen der Agrar-Futures und der damit verbundenen Optionsmärkte ist die Absicherung, also das Management der Preisrisiken, die am physischen Markt mit dem Kauf oder Verkauf von Getreide verbunden sind. Bei der Absicherung wird das Preisrisiko von demjenigen, der es reduzieren möchte, auf andere übertragen, die bereit sind, es in der Hoffnung auf einen Gewinn zu übernehmen.

Zu den Getreide-Hedgern (Absicherern) zählen diejenigen, die sich gegen sinkende Preise schützen müssen, also Landwirte. Auf der anderen Seite sind jene zu finden, die Schutz vor steigenden Preisen suchen, wie Lebensmittelverarbeiter, Futtermittelhersteller oder Händler. Die Absicherung nimmt im Wesentlichen eine Position auf dem Futures- oder Optionsmarkt ein, die Ihrer aktuellen Position auf dem Kassamarkt entspricht.

Da sich die Kassa- und Terminpreise tendenziell zusammen auf und ab bewegen, werden Gewinne oder Verluste am Kassamarkt mit Gewinnen oder Verlusten am Terminmarkt ausgeglichen. Nimmt man einmal einen Getreidebauern, dessen Ernte noch auf dem Feld wächst: In der Marktsprache verfügt er über eine Long-Cash-Position. Um einen Verkaufspreis abzusichern, würde er eine Short-Position auf dem Futures-Markt einnehmen, indem er Futures-Kontrakte verkauft und sie später zurückkauft, wenn es an der Zeit ist, seine Ernten auf dem Kassamarkt zu verkaufen.

Spekulanten erleichtern diese Absicherung, indem sie die andere Seite der Handelsgeschäfte einnehmen. Sie werden vom Markt durch die Möglichkeit angezogen, einen Gewinn zu erzielen, wenn sie die Richtung und den Zeitpunkt von Preisänderungen richtig vorhersehen. Auf diese Weise stellen sie Marktliquidität bereit, das heißt die Möglichkeit, schnell und effizient in den Markt einzutreten und aus dem Markt auszusteigen.

Was ist die Basis und wie wichtig ist sie?

Zwei Männer unterhalten sich an einem Traktor vor einem Feld

Kassapreise und Terminpreise für Getreide bewegen sich tendenziell zusammen auf und ab, was eine effektive Absicherung überhaupt erst ermöglicht.

Diejenigen, deren Geschäft der Kauf oder Verkauf von physischem Getreide ist, sind sich jedoch bewusst, dass der Kassapreis in ihrer Region normalerweise von dem auf dem Terminmarkt notierten Preis abweicht. Dies liegt daran, dass auf den lokalen Märkten der Terminpreis für eine Ware an Variablen wie Fracht, Lagerung und Qualität sowie an andere Angebots- und Nachfragefaktoren angepasst wird.

Diese Preisdifferenz zwischen Terminmarktkurs und regionalem Kassapreis wird als Basis bezeichnet. Die Basis kann entweder positiv oder negativ sein. Bei einer negativen Basis liegt der Kassapreis unter dem Futures-Preis. Bei einer positiven Basis liegt der Kassapreis über dem Futures-Preis. Die Basis ist wichtig, da sie das Endergebnis einer Absicherung in Bezug auf den endgültigen Preis beeinflusst, der entweder gezahlt oder erhalten wird.

Zumeist ist der Preis für Futures höher als der Kassapreis. Dies liegt an den Kosten, die für Lagerung und Versicherung des Getreides aufgewandt werden müssen und im Preis berücksichtigt werden. Diese Kosten werden unter dem Begriff cost-of-carry zusammengefasst. Wenn sich jedoch der Liefermonat eines Terminkontrakts nähert, kommen der Kassapreis und der Terminkurs immer näher zusammen oder sie konvergieren und diese Konvergenz macht die Absicherung effektiv.

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