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Brandursachen und Versicherungen

Brandstifter und Stallbrände: Wer hilft Landwirten nach einem Feuer?

Hofbrand.
am Sonntag, 17.07.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Wer hilft Landwirten, wenn Hof und Stall abgebrannt sind? Wie kann ich mich vor Feuer schützen und meinen Betrieb versichern? Diese Fragen stellen sich Landwirte nicht erst, wenn es schon gebrannt hat.

Um Bränden vorzubeugen, ist es wichtig die Brandursachen zu kennen. Und da gibt es ein ziemlich eindeutiges Ranking. Leider gibt es Deutschland keine offizielle und regelmäßige Statistik über Ursachen und Häufigkeit von Hofbränden und den entstandenen Schäden.

Dafür gibt es um so ausführlichere Zahlen in Österreich. Und diese kann man gut auf die deutschen Verhältnisse übertragen: Danach erfolgen etwa 22 Prozent – also knapp ein Viertel – aller Brandeinsätze der Feuerwehr in der Landwirtschaft. Und die Feuerwehr sagt: Von sämtlichen Bränden auf Landwirtschaftsbetrieben waren in 43 % der Fälle auch Ställe mit Tieren betroffen. Auf Platz zwei in diesem Ranking finden sich Scheunenbrände mit 15 %. Und schon danach kommen mit 11 % Brände in Wohngebäuden.

Die häufigste Brandursache ist ebenfalls wenig überraschend: Es sind Elektrobrände mit 25 %. Auf Platz zwei folgt dann die Heu-Selbstentzündung und auf Position drei kommt die Brandstiftung mit 7 %.

Eine deutsche Untersuchung aus dem Jahr 2016, hat die Brandstiftung mit 15 % sogar auf Platz zwei genannt. Das ist im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen doch erschreckend und wirft viele Fragen auf. Zuallererst natürlich: Wie kann man sich schützen und richtig versichern?

Was kann die Feuer-Inhaltsversicherung? - Die Fallstricke

Brände in der Landwirtschaft.

Die drei wichtigsten landwirtschaftlichen Versicherungen sind die Feuer-Inhaltsversicherung, die Gebäudeversicherung und die Betriebs-Unterbrechungsversicherung.

Ziel der Feuer-Inhaltsversicherung ist es, das landwirtschaftliche Kapital wie Maschinen, den Tierbestand, oder eingelagertes Getreide und sonstige Wirtschaftsvorräte nach einem Brandschaden rasch wieder ersetzt bekommen. Wenn nach einem Brand der ganze Betrieb oder einzelne Betriebsteile stillstehen, ist schnelle finanzielle Hilfe nötig. Vor allem Betriebe, die größere Kreditzahlungen leisten müssen, geraten schnell in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Die Feuer-Inhaltsversicherung versichert das gesamte Inventar gegen Brandschäden, Explosion und Blitzschlag. Auch Einbruchdiebstahl, Schäden durch Leitungswasser, Sturm und Hagel sowie Elementarereignisse können über diese Versicherung abgedeckt werden. Allerdings besteht nicht selten das Problem der Unterversicherung. Dieser Fall tritt ein, wenn der tatsächliche Wert des landwirtschaftlichen Inventars höher ist als die vereinbarte Versicherungssumme. Im Schadenfall hat man dann nur Anspruch auf eine anteilige Entschädigung.

Voraussetzung für die volle Entschädigung ist in der Regel, dass das Inventar und die Tiere vorher vollständig erfasst und auch versichert wurden. Bei Gebäuden geht es nicht nur darum ob die richtigen Flächen erfasst sind, sondern die Versicherer fragen auch nach den sogenannten Bauartklassen. Dabei geht es darum, aus welchen Materialien die Gebäude errichtet wurden.

Neben den Sicherheitsvorschriften für die Landwirtschaft sind außerdem die Sicherheitsvorschriften für elektrische Anlagen in landwirtschaftlichen Betrieben und Tierhaltungsanlagen enorm wichtig. Auch hier gilt, ist ein Brandschaden darauf zurückzuführen, dass diese Vorschriften nicht beachtet wurden, dann kann dies den Versicherungsschutz erheblich beeinträchtigen. Auf eine Eigeninstallation der Elektroanlage sollte man deshalb grundsätzlich verzichten

Gebäudeversicherung und Betriebsunterbrechungs-Versicherung

Die Gebäudeversicherung kommt für die Brandschäden an den Gebäuden und Stallanalagen auf. Landwirte müssen jedoch auf der Hut sein: Gebäudebrandversicherer entschädigen oft nur den Zeitwert eines Gebäudes, wenn dieser weniger als 40 % des Neuwertes beträgt. Landwirte sollten deshalb mit ihrem Brandversicherer nach Möglichkeit einen "Verzicht auf den Zeitwertvorbehalt" heraushandeln und vertraglich fixieren.

Unmittelbar nach einem Brandschaden hat der Versicherte zunächst Anspruch auf die sogenannte Zeitwertentschädigung. Das ist die Summe, die der Gebäudeversicherer nach einem Brand zahlt. Wie hoch tatsächlich der Zeitwert ist, ermitteln Sachverständige. Wann bekommt man jetzt die Neuwertentschädigung bzw. die so genannte Neuwertspitze? Die Neuwertentschädigung oder Neuwertspitze wird vom Versicherer nachträglich ausgezahlt und ist die Differenz zum Neuwert zu bereits ausgezahlten Zeitwert.

Baut der Landwirt das Gebäude nach einem Brand allerdings nicht wieder auf, dann zahlt der Versicherer ebenfalls nur den Zeitwert des Gebäudes, auch wenn man eine gleitende Neuwertversicherung abgeschlossen hat.

Die Feuer-Betriebsunterbrechungs-Versicherung schützt den Landwirt vor finanziellen Ausfällen durch Arbeitsunterbrechungen und vor Mehrkosten, die für die Fortführung der Produktion nach einem Brand erforderlich sind. Sie ersetzt beispielsweise den Ausfall des Milchgeldes oder auch die Miete für ein Ausweichgebäude.

Zum Leistungsumfang der Feuer-Inhaltsversicherung gehören (optional) oft auch Aufräum- und Abbruchkosten, sowie mögliche Überspannungsschäden durch Blitz oder Fermentationsschäden, sowie andere Sachkosten.

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