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Agrarpoltik und Brexit-Folgen

Brexit: Einkommen britischer Bauern brechen dramatisch ein

Traktor beim Ackerbau auf einem Feld
am Donnerstag, 03.12.2020 - 09:23 (Jetzt kommentieren)

Der Brexit hat dramatische Folgen für britische Landwirte. Die Einkommen der Farmer brechen im Schnitt um 50 Prozent ein.

Der Grund für den Einkommensverlust der Farmer: Der Wegfall der Direktzahlungen und die Einführung eines neuen Land- und Umwelt-Management-Systems (ELMS) bis 2024.

Britische Landwirtschaftsverbände befürchten nun, dass die Überlebensfähigkeit vieler landwirtschaftlichen Betriebe durch die Maßnahmen ebenso gefährdet ist wie die Nahrungsmittelversorgung auf der Insel.

Das britische Landwirtschaftsministerium (DEFRA) plant neben der Einführung des ELMS-Programms auch pauschale Ausstiegszahlungen für Landwirte, die ihren Betrieb unter den veränderten Bedingungen nicht weiterführen wollen oder können.

Wie das ELMS-Programm exakt umgesetzt werden soll, ist bislang jedoch noch nicht bekannt.

Größte Veränderung der Landwirtschaft seit 70 Jahren – Strukturbruch?

Luftaufnahme von landwirtschaftlichen Feldern

Die britischen Farmer müssen nach dem Brexit drastische Kürzungen der Direktzahlungen verkraften. Das führt je nach Betriebsgröße zu Einkommens-Verlusten von bis zu zwei Dritteln. Große Betriebe sind von den Kürzungen deutlich stärker betroffen als kleinere Farmen.

Gleichzeitig führt die britische Regierung das „Environmental Land Management Scheme (ELMS)-Programm“ ein, das finanzielle Anreize für „nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken“ schaffen soll. Das britische Landwirtschaftsministerium (DEFRA) nennt die geplanten Reformen „die bedeutendste Veränderung in der Landwirtschaft und Landbewirtschaftung seit 70 Jahren“ hatte der Defra-Sekretär George Eustice am 30. November mitgeteilt.

Landwirte und ihre Interessengruppen fordern die Regierung weiterhin nachdrücklich dazu auf, landwirtschaftlichen Betrieben, die bisher stark von EU-Subventionen abhängig sind, mehr Hilfestellung und Untersützung zu gewähren, damit die Farmer sich an die Situation nach Wegfall der Direktzahlungen besser anpassen können.

Als das Vereinigte Königreich Mitglied der EU war, beliefen sich die Zahlungen aus den EU-Kassen auf rund 4 Mrd. Euro pro Jahr. Das neue System der britischen Regierung zum Ersatz von bisherigen Subventionen, dass ELMS-Programm, wird schrittweise bis 2024 eingeführt.

Brexit: Drastische Kürzungen und Ausstiegsprogramme

Getreideernte mit einem Traktor und Mähdrescher

Wird das Programm wie angekündigt umgesetzt, muss die durchschnittliche Familienfarm in England bis 2024 Subventionskürzungen von über 50 Prozent verkraften, bevor die neuen Post-Brexit-Programme vollständig verfügbar sind, heißt es aus dem Ministerium.

Die britischen Farmer reagierten indessen großer Sorge auf die angekündigte Kürzung der Direktzahlungen, die ab dem Jahr 2021 des Basiszahlungssystems (BPS) reduziert werden sollen. Dabei zeichnet sich ab, dass die Kürzungen für die größeren Betriebe anteilmäßig erheblich stärker ausfallen als für kleinere Farmer. Außerdem erfolgt die Kürzung schrittweise.

So zeigt eine Beispielrechnung, dass Farmer, die derzeit rund 30.000 GBP oder weniger pro Jahr erhalten, im nächsten Jahr (2021) etwa 5 Prozent weniger Subventionen erhalten. Für Landwirte, die derzeit BPS-Zahlungen zwischen 30.000 bis 50.000 GBP pro Jahr bekommen, werden die Reduzierungen bereits deutlich stärker ausfallen.

Am härtesten trifft es die großen Betriebe, die derzeit bis zu 150.000 GBP erhalten. Diese müssen Kürzungen von 65 Prozent verkraften. Direktzahlungen, die über der Schwelle von 150.000 GDP liegen, werden um 70 Prozent gekürzt.

Außerdem will die DEFRA offenbar Landwirten, die ihren Betrieb aufgeben wollen, pauschale Ausstiegszahlungen anbieten. Der britische Bauernverband NFU sagt, dass die Zahlungen für viele Landwirte eine „Lebensader“ waren, insbesondere wenn die Preise oder Wachstumsbedingungen schlecht oder volatil waren.

Britische Tierhalter verlieren bis zu 80 Prozent Einnahmen

Rinder essen an einem Futtertisch in einem Stall

Die Präsidentin des britischen Bauernverbandes, Minette Batters, sagte zu den geplanten Maßnahmen gegenüber dem agrarportal farminguk: „Nehmen wir einmal die Viehzüchter. Von denen erwarten wir, dass sie bis 2024 infolge der geplanten Kürzungen zwischen 60 Prozent und 80 Prozent ihres bisherigen Einkommens verloren haben."

Batters anschließende Frage an die DEFRA lautete: "Welche Änderungen wird DEFRA vornehmen, um sicherzustellen, dass die neuen Umweltlandbewirtschaftungssysteme finanzielle Unterstützung bieten, und den Unternehmen ein echtes Einkommen und das gleichzeitig die Lebensmittelproduktion aufrechterhalten werden kann?"

Die Erwartung, dass die Landwirte lebensfähige, landwirtschaftliche Betriebe betreiben, weiterhin Lebensmittel produzieren und ihre Umweltverträglichkeit erhöhen, während die bestehende Unterstützung fast drei Jahre lang ohne ein vollständiges Ersatzprogramm ausläuft, ist ein hohes Risiko und eine sehr große Herausforderung. „Dies sind die Fragen, die DEFRA dringend beantworten muss, für jeden Agrarsektor und jeden Teil des Landes“, sagte die NFU-Präsidentin.

Die DEFRA antwortete auf die Forderungen des NFU, dass jetzt eine Phase der Zusammenarbeit mit Landwirten und Landverwaltern folgen wird, um das Design und den Betrieb des zukünftigen Systems abzuschließen.

Noch sehr vieles unklar – Großbritannien als Vorbild für die Welt?

Rinderhaltung auf einem landwirtschaftlichen Betrieb

Mark Bridgeman, Präsident der „Country Land and Business Association (CLA)“, die etwa 30.000 ländliche Unternehmen vertritt, sagte zu den geplanten Maßnahmen gegenüber dem agrarportal farminguk: „Vielen Landwirten wird es schwer fallen, die drastischen Kürzungen des Grundzahlungssystems zu verkraften, die im nächsten Jahr beginnen."

Weiter sagt Bridgeman: "Die Regierung hat finanzielle Anreize für nachhaltige Landwirtschaft angekündigt, um diese Lücke zu schließen. Doch bis zum Beginn der Übergangsphase haben wir noch keinerlei Einzelheiten darüber, wie dies vor Ort funktionieren wird und wie hoch die Investitionen sein werden.“

DEFRA-Sekretär George Eustice sagte dazu: "Das neue System Großbritanniens sei eine Abkehr von den vorgeschriebenen Top-down-Regeln der EU-Ära". Er sagt weiter: „Wir möchten, dass die Landwirte Zugang zu öffentlichen Geldern haben, um ihre Unternehmen produktiver und nachhaltiger zu machen, und gleichzeitig Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt und des Tierschutzes ergreifen und auf dem von ihnen bewirtschafteten Land Ergebnisse zum Klimawandel erzielen".

"Wenn wir zusammenarbeiten, um dies richtig zu machen, wird der Rest der Welt in einem Jahrzehnt unserem Beispiel folgen wollen", sagte Eustice außerem. Ein Problem für die Bauern ist jedoch: Einzelheiten zu dem neuen Programm sollen lauf DEFRA erst Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden.

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