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Landwirtschaft und Agrarpolitik

Brexit: Die Hälfte der Farmen könnte verschwinden

Mann auf dem Acker
am
19.08.2019
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Eine Untersuchung warnt davor, dass die Hälfte der britischen Landwirte die Folgen eines harten Brexits nicht überstehen würde.

Die Anti-Brexit-Initiative "Landwirte für eine Volksabstimmung" hatte in der vorigen Woche vor den katastrophalen Folgen eines No-Deal-Brexits für die Farmer gewarnt.

Das britische Landwirtschaftsministerium (DEFRA) kritisierte die Untersuchung jetzt scharf. Der Bericht sei völlig spekulativ und die Daten seien nicht gesichert.

Verheerende Auswirkungen

Der Bericht der Anti-Brexit-Initiative, die sich für eine erneute Abstimmung über den EU-Austritt einsetzt, beschreibt die "verheerenden Auswirkungen", die ein Austritt ohne Abkommen für Landwirte und den gesamten Agrarsektor haben würde.

Sean Rickard, ehemaliger Chefökonom des britischen Bauernverbandes NFU (National Farmers Union of England and Wales), warnt davor, dass ein solches Szenario möglicherweise mehr als die Hälfte der britischen Farmen zum Aufgeben zwingen könnte.

"Viele Branchen werden unter dem Brexit leiden, aber die Branche, die den schwersten wirtschaftlichen Schock erleiden würde, wird die Landwirtschaft sein", sagte Rickard bei der Vorstellung der Untersuchung.

Schafhalter besonders betroffen

Schafe

Der Organisation der britischen Schafhalter (National Sheep Association) zufolge gehen 96 Prozent aller britischen Schaffleischexporte in die EU. "Die Landwirte müssten dann aufhören, Lammfleisch zu exportieren, und würden den lokalen Markt überfluten oder könnten es nicht verkaufen", heißt es seitens des Verbandes. 

Die EU hatte angekündigt, dass es bis zu sechs Monate dauern könnte, bis die Einfuhr von britischen Lebensmitteln genehmigt sei. Die NFU erklärte daraufhin, dies sei „ein De-facto-Handelsembargo“, so dass die Schafzüchter keine andere Wahl hätten, als überschüssige Tiere zu schlachten.

Minette Batters von der NFU warnte: „Wenn es keine Einigung mit der EU gibt, könnten hohe Exportzölle effektiv bedeuten, dass wir keinen Markt für viereinhalb Millionen Lämmer haben. Ein Brexit ohne Abkommen könnte diese Farmen in ganz Großbritannien dezimieren."

Die Hälfte der Betriebe gefährdet

Feld Trecker

Die Initiative „Landwirte für eine Volksabstimmung“ will die Aufmerksamkeit weiter auf den Brexit lenken. Rickards sagte: „Boris Johnson hat deutlich gemacht, dass es seine übergeordnete Priorität als Premierminister ist, das Vereinigte Königreich bis zum 31. Oktober aus der EU herauszuführen, wenn nötig durch einen No-Deal, unabhängig von den Kosten für die Wirtschaft."

Rickards unterstrich, es sei nicht möglich, die genaue Anzahl der Landwirte zu prognostizieren, die ihre Geschäftstätigkeit einstellen müssten. "Was wir wissen ist, dass über 40 Prozent von ihnen kein Nettoeinkommen mehr haben werden, wenn die Direktzahlungen aus Brüssel entfallen, so der ehemalige NFU-Chefökonom.

Wenn die Regierung gleichzeitig alle Zölle aufhebe bzw. senke und so die Preise drücke, könnten diese beiden Faktoren zusammen mehr als 50 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Großbritannien unrentabel machen.

Ministerium: Bericht ist spekulativ

England

Ein Sprecher des Landwirtschaftsministerium verwarf das Papier indessen mit der Begründung, die darin genannten Zahlen seien nicht anerkannt, und erklärte es zudem als „völlig spekulativ“. Der Sprecher sagte: „Der Bericht spekuliert über die möglichen Auswirkungen, die sich ergeben könnten, wenn die Regierung die Direktzahlungen im Falle eines No-Deals einstellen würde."

Dabei habe die Regierung deutlich gemacht, dass nach dem Austritt aus der EU am 31. Oktober die Zahlungen für die Unterstützung der Landwirtschaft bis 2022 geschützt sein würden. Dies werde auch dann der Fall sein, wenn Großbritannien ohne Abkommen die EU verlasse.

Das DEFRA betont: „Sobald wir die EU am 31. Oktober verlassen, werden wir die Gemeinsame Agrarpolitik durch ein gerechteres System der Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe ersetzen. Unsere neuen Handelsabkommen müssen für britische Landwirte, Unternehmen und Verbraucher funktionieren“.

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