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Landwirtschaft und Produktionskosten

CO2-Preis treibt die Kosten für die Bauern nach oben

Traktor.
am Mittwoch, 28.10.2020 - 05:00 (1 Kommentar)

Ab dem nächsten Jahr werden CO2-Emissionen Geld kosten. Damit werden auch Diesel, Heizöl, Energie und Mineraldünger teurer.

Betriebsmittel.

Auch die Herstellungskosten für Maschinen und Geräte dürften steigen. Das hört sich nicht gerade nach einem Konjunkturprogramm für die Corona-Krise an. Im Gegenteil: Während die Erlöse für viele Agrarprodukte wegen Corona und wegen ASP unter Druck stehen, werden die Kosten für wichtige Betriebsmittel und für die landwirtschaftliche Produktion insgesamt definitiv nach oben gehen.

Damit verschlechtert sich auch die Wettbewerbsposition deutscher Landwirte gegenüber der europäischen Konkurrenz, die diese Kosten definitiv nicht zahlen muss. Die höheren Preise für CO2 belasten zwar vor allem die energieintensive Produktion und die damit verbundenen Kosten – am Ende werden sie jedoch – wie die Mehrwertsteuer, auf alle erzeugten Produkte und Betriebsmittel umgeschlagen.  

Wirtschaftsverbände weisen zudem darauf hin, dass sich viele Unternehmen, wegen der Corona-Krise, ohnehin schon in  einer sehr schwierigen ökomischen Lage befinden. Zusätzliche Belastungen können sie deshalb überhaupt nicht gebrauchen – zumal die Corona-Krise offenbar viel länger dauern könnte als zunächst erwartet.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag forderte deshalb Kompensationen für die Wirtschaft. Sonst werde der Wettbewerb viele Firmen zwingen, ihre Produktion an ausländische Standorte mit niedrigeren CO2-Kosten zu verlagern.

Das können die Landwirte natürlich nicht tun. Sie müssen die höheren Preise zahlen und die zusätzlichen Kosten irgendwie schultern.

CO2-Preis: Von 25 Euro auf 55 Euro in fünf Jahren

Diesel.

Der Bundestag hatte Anfang Oktober den höheren CO2-Preis ab 2021 beschlossen. Für die Änderung des Emissionshandelsgesetzes stimmten die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD sowie die Grünen. Damit startet der Emissionshandel im Jahr 2021 mit einem höheren CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne –  also deutlich höher als ursprünglich geplant.

Als Folge der CO-Bepreisung wird der Liter Benzin im Jahr 2021 gut sieben Cent pro Liter teurer. In den folgenden vier Jahren steigen die Mehrkosten auf als mehr als das Doppelte. Ursprünglich wollte man mit zehn Euro anfangen. Auf Druck der Grünen haben sich der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag Ende 2019 dann aber auf die Erhöhung der CO2-Preise geeinigt. Dies wurde nun gesetzlich umgesetzt.

Bis zum Jahr 2025 werden die Festpreise für diese Zertifikate schrittweise auf 55 Euro erhöht. Ab 2026 wird Preis dann durch Versteigerungen ermittelt, wobei für 2026 ein Preiskorridor von 55 Euro bis 65 Euro pro Tonne CO2 angedacht ist.

Das nationale Emissionshandelssystem wird neben den EU-Emissionshandel für große Industrieanlagen und Kraftwerke existieren. Es erfasst dann sämtliche Brennstoffemissionen, die nicht im EU-Emissionshandel mit einem CO2-Preis belegt sind – unabhängig vom Sektor, in dem die Brennstoffe eingesetzt werden.

Kosten für Treibstoff, Gas, Heizöl und Dünger werden steigen

Heizöl.

Bisher mussten nur Unternehmen bestimmter Sektoren für den Ausstoß von CO2 zahlen. Dazu gehören beispielsweise Kraftwerke, Fluggesellschaften oder Industrieunternehmen. Künftig soll dann jeder, der Waren oder Dienstleistungen erzeugt und dabei CO2 ausstößt, die Steuer zahlen.

Ökonomen glauben jedoch, dass viele Unternehmen die Steuer auf ihre Kunden bzw. die Verbraucher umwälzen. Etliche Produkte und Dienstleistungen dürften dann deutlich teurer werden. Unternehmen, Verbraucher und auch Landwirte müssen aufgrund der CO2-Steuer mit höheren Preisen für Treibstoff, Energie, Heizöl und Mineraldünger rechnen.

Bei einem Start-Preis von 25 Euro pro Tonne CO2, steigt der Benzinpreis ungefähr um 7,5 Cent, der Liter Diesel wird um 7,9 Cent teurer, Heizöl kostet 7,9 Cent mehr und Erdgas wird um 0,6 Cent pro Kilowattstunde teurer. Bei einem Preis von 55 Euro wäre der Aufschlag dann mehr als doppelt so hoch.

„Besonders dringend“ sind nach Einschätzung des Bundesverbandes der Industrie (BDI), Kompensationen für solche Unternehmen, die ab 2021 „erheblich“ von der nationalen CO2-Bepreisung betroffen sind. „Die geplante Erhöhung der CO2-Preise in den Jahren 2021 bis 2025 führt dazu, dass ein Teil der Unternehmen am Standort Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig sein wird“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Nach Angaben des DIHK muss etwa ein typischer mittelständischer Textilveredler bei Nutzung von Erdgas und einem CO2-Preis von 25 Euro je Tonne jährliche Mehrkosten von 400.000 Euro verkraften. Deshalb bräuchten Unternehmen ausreichende finanzielle Spielräume, um in neue, klimaschonendere Technologien zu investieren.

„Notwendig ist, einerseits Energiewende und Klimaschutz in der Praxis nachhaltig umzusetzen und andererseits die Position der deutschen Wirtschaft auf den globalen Märkten zu behaupten“, sagt der Verband.

Das gilt wohl in gleicher Weise auch für die Landwirtschaft, die durch die deutlich steigenden Kosten ebenfalls erhebliche Kosten-Nachteile gegenüber den Wettbewerbern aus der EU und erst recht vom Weltmarkt hat.

Es gibt schon eine Umweltsteuer - die nicht funktioniert

Landwirt.

Kritiker der neuen Steuer bemängeln zudem, dass die Steuerlast in Deutschland auch ohne eine neue CO2-Steuer schon sehr hoch ist. Auch eine Umweltsteuer gibt es mit der EEG-Umlage schon seit langem.

Doch die Klimaprobleme wurden damit nicht gelöst. Im Gegenteil: Anders als vor der Bundesregierung versprochen, werden auch die EEG-Umlage und die Netzkosten im nächsten Jahr weiter steigen und die Strompreise auf neue Rekordmarken treiben, sagt der Marktbeobachter Verivox.

Dabei hat Deutschland schon die höchsten Strompreise der Welt. Der Bund rechnet mit Einnahmen von 7,4 Milliarden Euro aus der CO2-Abgabe im nächsten Jahr. Mit diesem Geld soll dann der Strompreis gesenkt werden. „Das Ziel sei nicht, mehr Geld einzunehmen“, sagt jedenfalls Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Ob von diesem Versprechen in der anhaltenden Corona-Krise und in der schweren wirtschaftlichen Rezession am Ende viel übrig bleibt, muss man erst einmal abwarten. Landwirte müssen sich auf jeden Fall auf deutlich steigende Produktionskosten und höhere Preise für Betriebsmittel einstellen – Und das ohne eine wie auch immer geartete Entlastung.  

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