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Corona-Infektion auf bayerischem Betrieb: Söder droht mit Lockdown

Unter Saisonarbeitern in Mamming, Bayern, brach das Coronavirus aus.
am Dienstag, 28.07.2020 - 14:32 (Jetzt kommentieren)

Nach dem Corona-Massenausbruch auf einem Gemüsebaubetrieb in Niederbayern muss sich die Regierung heftiger Kritik stellen. Ministerpräsident Markus Söder spricht von einem möglichem Lockdown.

Der Leiter der Staatskanzlei Florian Herrmann (CSU) erklärte auf einer Pressekonferenz am Mittag (28.07.), man werde verstärkt in der Region Betriebe kontrollieren mit einem gemischten Team aus Gesundheitsdienst sowie landwirtschaftlicher und Gewerbeaufsicht. Zudem werde Bayern grundsätzlich Tests auf COVID-19 bei ausländischen Saisonarbeitskräften einführen.

Am Wochenende war es auf einem Gemüsebaubetrieb im Landkreis Dingolfing-Landau zu einer Corona-Masseninfektion bei Erntehelfern gekommen. 174 der rumänischen Erntehelfer wurden positiv auf den Corona-Erreger Sars-CoV-2 getestet. Die Region ist aktuell der größte Corona-Hotspot in Deutschland.

In Mamming habe man, so Herrmann, "extrem schnell reagiert". Die nächsten Tage seien kritisch, da sich nun erst herausstellen werde, ob die Infektion über den Hof hinausgingen. Gesundheitsministerin Melanie Huml hatte zuvor in der Pressekonferenz betont, man sei zuversichtlich, dass Infektionsgeschehen auf den einzelnen Betrieb begrenzen zu können. Ein benachbarter Betrieb sei getestet worden; die bisherigen Ergebnisse seien negativ. Bürger aus Mamming könnten sich kostenlos und schnell testen lassen, wenn sie es wünschen.

Bei Saisonarbeitern mit Symptomen oder einem positiven Test sei es wichtig, so erklärte Staatsminister Herrmann, unverzüglich den gesamten Betrieb durchzutesten, da eine Ansteckung aufgrund der oft beengten Verhältnisse in den Sammelunterkünften zu befürchten sei. 

Erhöhter Bußgeldrahmen: Bußgelder von bis zu 25.000 Euro

Staatsminister Herrmann bekräftigte die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder, den Bußgeldrahmen zu erhöhen und auch voll auszuschöpfen. Der bayerische Ministerpräsident hatte gestern bereits erklärt, dass ein Lockdown der gesamten Region denkbar sei, sollte sich die Lage weiter verschärfen. Verstöße gegen Hygieneauflagen würden künftig 25.000 Euro statt bislang 5.000 Euro Bußgeld kosten, kündigte Söder an.

Landwirtschaftliche Betriebe sollen zudem in kürzeren Intervallen als bisher geprüft werden, und zwar unangemeldet bei "Tag und Nacht".

Werden Betriebe mit Saisonarbeitern zu wenig kontrolliert?

Oppositionspolitiker hatten Söder am Wochenende vorgeworfen, die Kontrolle der Unterkünfte von Saisonarbeitern zu vernachlässigen.

Der agrarpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Stephan Protschka, kommentierte dazu: "Die aktuelle Corona-Politik treibt die Landwirte weiter an den Abgrund, da durch die völlig überzogenen Einreisebestimmungen für Erntehelfer bereits jetzt viele Mitarbeiter auf den Betrieben fehlen." Dabei sei es insbesondere jetzt den Landwirten vor Ort zu verdanken, dass die Versorgungssicherheit Bayerns gesichert sei.

Es sei der verfehlten Politik der Regierung zu verdanken, dass "die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland überwiegend auf ausländische Fachkräfte angewiesen sind, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können."

Bauernpräsident Rukwied gegen flächendeckende Test in der Landwirtschaft

Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach sich im Interview mit der Bayern 2-radio Welt gegen grundsätzliche Tests in der Landwirtschaft aus. "Ich halte es für nicht zielführend, sich jetzt auf die Landwirtschaft zu fokussieren", erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbands.

Größere Gemüseanbaubetriebe ließen ihre Mitarbeiter ohnehin schon durchgängig testen. Containerwohnungen gebe es ebenso im Baugewerbe oder im Paketdienst. Es müsse eine Gleichbehandlung geben. "Entscheidend ist, dass die Hygiene-Maßnahmen konsequent umgesetzt werden."

Schleswig-Holstein stuft bayerischen Landkreis als Risikogebiet ein

Die Landesregierung von Schleswig-Holstein hat den bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau gestern als Risikogebiet eingestuft. Urlauber, die aus dem Gebiet kommen, müssen jetzt eine 14-tägige Quarantäne einhalten und sich beim jeweiligen Gesundheitsamt melden, wenn sie nach Schleswig-Holstein reisen wollen. Nur Personen, die einen negativen Corona-Test vorlegen können, sind von der Auflage befreit.

 

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