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Corona-Folgen für die US-Landwirtschaft

Corona-Krise: Düstere Aussichten für Agrarpreise und Einkommen

Unwetter Oklahoma
am Donnerstag, 23.04.2020 - 09:30 (Jetzt kommentieren)

Die Folgen der Corona-Krise für die Agrarpreise und landwirtschaftlichen Einkommen in den USA – und wohl auch weltweit – sind verheerend. Das glauben Analysten der Universität von Missouri.

In den USA hat die Universität von Missouri (FAPRI) eine erste Einschätzung zu den Folgen der Corona-Pandemie auf die Agrarpreise und die landwirtschaftlichen Einkommen abgegeben. Und die Aussichten sind düster – trotz der umfassenden staatlichen Hilfen für die US-Farmer. Die Agrarpreise könnten in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie kräftig fallen und das landwirtschaftliche Einkommen knapp ein Viertel drücken, schreiben die Analysten von FAPRI.

„Viele Produzenten sind bereits in großen Schwierigkeiten. Die Corona-Krise wird es noch schlimmer machen “, sagte FAPRI-Direktor Pat Westhoff. Die Verluste im Agrarsektor könnten durch die staatlichen Hilfen etwas ausgeglichen werden, sagte Westhoff.

Präsident Trump hat zugesagt, dass Hilfen in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar bereitstehen, aber die Regierung muss noch sagen, wie sie unter den Produzenten aufgeteilt werden soll. Dazu kommen noch 3 Milliarden Dollar zum Aufkauf von Nahrungsmitteln für Arme.

Stärkster Einbruch kommt im zweiten Quartal

Farmer

Die FAPRI-Analysten schreiben außerdem: Die möglichen Auswirkungen von COVID-19 auf die Landwirtschaft hängen entscheidend von der Länge und Intensität der Pandemie ab. Die wichtigsten makroökonomischen Annahmen in dieser Analyse stellen einen starken und signifikanten Rückgang der Volkswirtschaft im Jahr 2020 dar, wobei der stärkste Rückgang im zweiten Quartal zu verzeichnen ist.

Das Szenario geht von einer „V-förmigen“ Rezession aus, in der sich der Markt schnell erholt. Ein solches Ergebnis hängt wahrscheinlich von einem raschen Ende der Krise der öffentlichen Gesundheit und von den derzeitigen Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit ab. Obwohl es möglicherweise nicht fair ist, dies als "Best-Case-Szenario" zu bezeichnen, sind sicherlich schlechtere Ergebnisse möglich. Wenn COVID-19 die Wirtschaftstätigkeit bis 2020 und bis 2021 weiterhin stört, könnte die Rezession weitaus tiefer gehen und länger andauern.

Die Verbraucherausgaben werden durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit und die Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit sehr negativ beeinflusst. Ein Rückgang der Verbraucherausgaben war in den USA zuletzt 2009 – während der großen Rezession – zu verzeichnen.

Agrarpreise fallen im Viehbereich stärker

USA Rinderfarm

Die FAPRI-Wissenschaftler kommen bei dem „optimistischen COVID-Szenario“ (siehe oben) zu dem Ergebnis, das die Preise für pflanzliche Produkte um 5 bis 10 Prozent im Wirtschaftsjahr 2020/21 fallen. Die Preise im Viehsektor könnten um 8 bis 12 Prozent im Jahr 2020 zurückgehen. Die Auswirkungen auf die Getreidepreise im Wirtschaftsjahr 2019/20, werden durch die Tatsache begrenzt, dass der größte Teil der Produktion schon vor dem Ausbruch der Krise vermarktet worden ist. Dies gilt insbesondere für Weizen.

Da der Preisrückgang alle Kulturen betrifft, sind die Flächenverschiebungen für das neue Wirtschaftsjahr 2020/21 eher gering, glaubt FAPRI. Aufgrund des relativ großen Preisrückgangs beim Mais, dürfte die Maisfläche etwas stärker schrumpfen.

Die Preise für Vieh-, Geflügel- und Milcherzeuger fallen im Jahr 2020 aufgrund der schwächeren Verbrauchernachfrage und infolge der schrumpfenden Verbrauchereinkommen stark. Probleme der Lieferkette, die in dieser Analyse nicht berücksichtigt wurden, könnten die Preise auf Erzeugerebene für viele Rohstoffe noch weiter unter Druck setzen.

Trotz niedrigerer Kraftstoffpreise können sich zudem Logistikkosten zwischen Landwirtschaft und Einzelhandel für viele Lebensmittel erhöhen. Die Preiswirkungen auf die wichtigsten Kulturpflanzen sind für das Wirtschaftsjahr 2020/21 tendenziell größer als für 2019/20, obwohl davon ausgegangen wird, dass die wirtschaftliche Erholung noch in diesem Jahr beginnt.

Knapp 20 Prozent weniger Einkommen – trotz Staathilfen

Farmer Maisernte

Angesichts der des Rückgangs der Marktpreise sinken die Einnahmen aus dem Tierhaltung im Jahr 2020 stärker als die Einnahmen aus dem Ackerbau. Unter Berücksichtigung der Modellannahmen erholten sich die Einnahmen aus der Tierhaltung im Jahr 2021 aber wieder und nähern sich den Ausgangswerten an.

Der Rückgang der Einnahmen für Tierhalter wird zudem teilweise durch einen Rückgang der Produktionskosten für eingekauftes Vieh, Futtermittel, Kraftstoff, Zinsen und andere Kosten ausgeglichen. Außerdem wird der Rückgang der Einnahmen auch durch eine Erhöhung der staatlichen Zahlungen teilweise ausgeglichen.

Das landwirtschaftliche Nettoeinkommen im Jahr 2020 sinkt  – unter Berücksichtigung der staatlichen Zuwendungen und der niedrigen Produktionskosten – trotzdem um rund 20 Milliarden US-Dollar oder knapp 20 Prozent. Mit einer angenommenen wirtschaftlichen Erholung im Jahr 2021 erreicht das landwirtschaftliche Einkommen dann wieder den Ausgangswerten, glauben die Wissenschaftler. Fortgesetzte oder verlängerte COVID-19-Folgen könnten die negativen Auswirkungen auf das landwirtschaftliche Einkommen erhöhen oder ausweiten, heißt es jedoch.

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