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Agrarmärkte und Agrarhandel

Corona-Virus: Agrarmarkt gerät in Panik

Corona-Virus
am Montag, 03.02.2020 - 10:58 (Jetzt kommentieren)

Das Corona-Virus hat an den globalen Agrarmärkten empfindliche Preiskorrekturen ausgelöst. Die Sorgen sind verständlich – aber vielleicht übertrieben

Corona-Virus

Die Sorgen sind verständlich – aber vielleicht übertrieben. Oft neigen die Märkte zu Überreaktionen – bis sich die Dinge geklärt haben. Doch welchen Einfluss die Corona-Grippe auf Chinas Wirtschaft wirklich hat, ist noch nicht abzuschätzen. Und das ist der Nährboden für Spekulationen und Übertreibungen.

Kommt Chinas Wirtschaft jedoch stärker unter die Räder – dann kommt auch der Motor Weltwirtschaft und des Welthandels ins Stocken. Schließlich ist das Reich der Mitte mittlerweile für 17 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung verantwortlich – im Vergleich zu nur 4 Prozent im Sars-Jahr 2003.

Für beide Szenarien lassen sich durchaus Argumente und Hinweise finden. Die Rohstoff- und Agrarpreise rauschten in China am ersten Handelstag nach dem Neujahrsfest jedenfalls sehr kräftig nach unten. Auch die chinesischen Aktienmärkte brachen kräftig ein.

Andererseits hat die chinesische Regierung umfangreiche und zusätzliche Einkäufe von Fleisch, Obst und Gemüse vom Weltmarkt angekündigt, um die Versorgungslage im Land zu verbessern – trotz der weiterhin geltenden Handels- und Transportbeschränkungen.

China will die Auswirkungen minimieren

Whuan

Nach chinesischen Angaben wird die Wirtschaft durch den Virusausbruch zunehmend belastet. Chinas Wirtschaft sieht sich den negativen Auswirkungen des Virusausbruchs ausgesetzt, insbesondere auf den Konsum, sagte der stellvertretende Vorsitzender der staatlichen Plan-Kommission Lian Weiliang am Montag.

Lian Weiliang sagte während einer Pressekonferenz über die Auswirkungen des Corona-Ausbruchs: China sei in der Lage, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ausbruchs zu minimieren. Geplant ist unter anderem die Winter- und Frühlingsgemüse-Reserven in den nördlichen Großstädten freizugeben, um die Versorgungsengpässe im Zuge des neuen Ausbruchs des Corona-Virus zu lindern, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Der Schritt wurde in einem Rundschreiben der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission und des Handelsministeriums angekündigt. Die Kommunen wurden außerdem aufgefordert, ihre Gemüsereserven zu ergänzen, indem sie zusätzliche Ware von Produktionsstandorten außerhalb der Stadt beschaffen und lokale Verkäufe außerhalb der Hauptverkehrszeiten tätigten.

Wirtschaftswachstum geht zurück

China Wirtschaft

Zahlreiche chinesische und ausländische Unternehmen stellen jedoch erhebliche Auswirkungen auf Warentransport und Logistik fest und sind wegen des Corona-Virus möglicherweise nicht in der Lage, ihre Verträge zu erfüllen", heißt es in einer Erklärung des Pekinger Handelsministeriums.

Der Ausbruch des Corona-Virus in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat die globalen Rohstoffmärkte gehörig durcheinander gewirbelt. Ängste wurden geschürt, Panikverkäufe ausgelöst und die Lieferketten für Rohstoffe oftmals empfindlich gestört, hieß es.

Ein Wirtschaftswissenschaftler der chinesischen Regierung prognostizierte, dass das Wirtschaftswachstum des Landes von 6,1 Prozent im Jahr 2019 auf 5 Prozent oder sogar weniger sinken könnte. China hatte die Neujahrsfeiertage zunächst bis zum 2. Februar verlängert. Aber in einigen Regionen, wie dem Ölraffinerie-Zentrum der Provinz Shandong und bei den in Chongqing angesiedelten Autoherstellern, wurden die Unternehmen dazu aufgefordert, den Betrieb nicht vor dem 10. Februar wieder aufzunehmen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern

Mehr Importe angekündigt – Börsen stürzen ab

Getreidespeicher

Chinas Handelsministerium kündigte am Samstag an, die Fleischimporte aktiv auszuweiten, um die Inlandsversorgung während des Ausbruchs des Corona-Virus zu stabilisieren. Nach vorläufigen Daten erreichten die Einfuhren von Fleischerzeugnissen wie Schweinefleisch und Rindfleisch in der ersten Januarhälfte 310.000 Tonnen. Das ist ein Plus von 275 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Einfuhren dieser Produkte dürften im gesamten Januar gegenüber dem Vorjahr um 190 Prozent auf 640.000 Tonnen ansteigen, erwartet das Ministerium.

Die chinesischen Rohstoffmärkte brachen am ersten Handelstag nach dem Neujahrsfest ein. Viele Agrar- und Rohstoff-Werte spiegelten die Befürchtungen wider, dass die Ausbreitung des neuen Virus die Nachfrage des weltweit führenden Rohstoffkonsumenten treffen könnte. Der Kupferkontrakt an der Shanghai Futures Exchange, Eisenerz an der Dalian Commodity Exchange und das Rohöl an der Internationalen Energiebörse, fielen alle um das täglich mögliche Höchstlimit, wobei Kupfer um 7 Prozent und Rohöl und Eisenerz um 7 und um 8 Prozent einbrachen.

Landwirtschaftliche Produkte an der Börse von Dalian, darunter Sojaöl, Palmöl und Eier, sind ebenfalls bis ans Limit gefallen. Die Verluste in China folgten jedoch den Rückgängen auf den Weltmärkten seit Januar.

Ein Vergleich mit der SARS-Epidemie

Corona

Die Corona-Virus-Epidemie hatte bis Sonntag 362 Todesfälle und mehr als 17.000 Infektionen verursacht. Sie wurde von der Weltgesundheitsorganisation zum internationalen Notfall erklärt. Nach Meinung von Analysten war der bisherige Einfluss der Epidemie auf die Rohstoffpreise größer als der Ausbruch des schweren akuten respiratorischen Syndroms (SARS) in den Jahren 2002 und 2003.

Damals gab es fast 800 Todesfälle. China hat im Vergleich zu 2003 allerdings einen viel größeren Anteil an der globalen Rohstoff-Nachfrage, wenn wir den SARS-Effekt gegenüberstellen. Die Mortalitätsrate des Corona-Virus ist mit 2 bis 3 Prozent allerdings deutlich niedriger als bei SARS. Damals starben rund 10 Prozent der Erkrankten.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg sank das Wirtschaftswachstum in China aufgrund der SARS-Epidemie 2003 von 11,1 Prozent im ersten Quartal auf 9,1% im zweiten Quartal. Die damaligen Erfahrungen legten den Schluss nahe, dass die negativen Folgen der Corona-Epidemie auf die realwirtschaftliche Aktivität beträchtlich sein könnten, aber relativ konzentriert in das derzeitige Quartal fallen dürften, heißt es von Seiten der Analysten. In China selbst dürfte vor allem der private Konsum stark eingeschränkt werden.

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