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Kommentar

DBV-Situationsbericht: Klöckners Statement ist ein Schlag ins Gesicht

Julia Klöckner
am Freitag, 13.12.2019 - 12:12 (8 Kommentare)

Das Statement von Bundesagrarministerin Julia Klöckner zum DBV-Situationsbericht ist eine herbe Klatsche für Bauern. Ein Kommentar.

Josef Koch agrarheute Redakteur

Wenn sie geschwiegen hätte, wäre sie Fachfrau geblieben. Die Rede ist von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Ihr Statement zu den gestrigen Ergebnissen des DBV-Situationsberichts ist deplatziert. So kommentierte die Ministerin den Rückgang der Unternehmensergebnisse um knapp ein Fünftel wie folgt:

„Unsere Bauern müssen von dem, was sie ernten oder erzeugen, gut leben können. Das Unternehmensergebnis von 55.000 Euro im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2018/2019 liegt im längerfristigen Vergleich dabei im Durchschnitt. Die beiden Vorjahre waren überdurchschnittlich – das Jahr 2017/2018 gar ein Rekordjahr.“

Will die Bundesagrarministerin etwa damit sagen, „naja, ist ja keine Katastrophe, wenn Bauern nach guten Jahren mal durchschnittliche Unternehmensergebnisse erzielen?“

Aber wer kann davon gut leben?

Selbst der Durchschnitt hat keine Unternehmergewinne

Bei den Ergebnissen hätte die Ministerin zusammen mit ihrem Chefstatistiker mal genauer hinsehen sollen. Das durchschnittliche Unternehmensergebnis 2018/19 ist einfach nur schlecht.

Es reicht nicht einmal dazu, dass die Haupterwerbsbauern ihre Produktionsfaktoren komplett entlohnen können. Der eigene Boden ist dabei noch gar nicht eingerechnet. Die Rendite für das eingesetzte Eigenkapital der Bauern betrug gerade einmal 0,8 Prozent. Unternehmergewinne sind absolute Fehlanzeige. Die bräuchten die Bauern aber dringend, um sich gegen Risiken wie Wetterkatastrophen, schwankende Preise oder Tierseuchen finanziell zu wappnen. Selbst in den wirtschaftlich besseren Vorjahren sehen diese Daten keineswegs beruhigender aus.
 

Einkommen pro Familienarbeitskraft sind mickrig

Klar, es sind Durchschnittsergebnisse. Manche Betriebe haben wesentlich bessere wirtschaftliche Zahlen, andere dafür aber wesentlich schlechtere. Gerade in den östlichen und nördlichen Bundesländern hat die Dürre vergangenes und dieses Jahr tiefe rote Furchen in den Unternehmensbilanzen hinterlassen. Diesen Bauern steht das Wasser bis zum Hals.

Die Aussage von Klöckner ist vor allem für diese Bauern ein Schlag ins Gesicht. Offenbar hat sie immer noch nicht begriffen, warum Bauern massiv auf die Straße gehen. Analysen des Verbands der Landwirtschaftskammern zeigen zum Beispiel, dass 2018/19 der Jahresverdienst einer Familien-AK zwischen 6.000 und 30.000 Euro lag; bei immer weiter steigenden Kosten für die Lebenshaltung und zunehmende Produktionskosten. Für dieses Geld würde die Ministerin Klöckner sicherlich nicht arbeiten wollen.

Nur Tropfen auf den heißen Stein

Das Absenken der Versicherungssteuer für Dürreversicherungen oder der Kampf der Ministerin gegen unlautere Handelspraktiken wirken für viele Bauern bestenfalls als Tropfen auf einen heißen Stein. Aber Klöckner wirbt damit, als würden diese Maßnahmen den Bauern effektiv helfen. 

Wer ernsthaft glaubt, dass die EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken bewirkt, dass der Lebensmittelhandel seine Margen, wie jüngst bei Milchprodukten geschehen, auf Kosten der Bauern nicht mehr ausdehnt, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

„Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben“, dieser Spruch des römischen Gelehrten Boethius aus dem 6. Jahrhundert passt einfach immer wieder zu Politikern, die sich ins Abseits oder gar um ihr Amt reden. Nicht nur im alten Rom.

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