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Dürre

Digitale Ampeln für Beregnung: Mehr Wasser in der Landschaft halten

Wasser-Mulde
am Mittwoch, 15.07.2020 - 09:14 (Jetzt kommentieren)

Regionale Konzepte, um deutlich mehr Wasser in der Landschaft zu halten, fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Über Begradigungen, Gräben oder Drainangen dürfe das wertvolle Nass nicht mehr so schnell abfließen. Digitale Systeme sollen helfen, Wasserentnahmen besser zu steuern.

Zu einem besseres Wassermanagement auf dem Land rät die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die anhaltende Dürre der vergangenen Jahre mache es nötig, Fließgewässern mehr Raum zu geben, sagt Generalsekretär Alexander Bonde. In Zeiten von Hitze, Dürre und Starkregen wegen des Klimawandels seien dringend Anpassungen nötig.

Zielführend seien regionale Konzepte, die Betroffene aus Behörden, Wasser- und Landwirtschaft sowie Naturschutz erarbeiten. Hilfen böten digitale Systeme, welche die Wasserverteilung virtuell anzeigen.

Wasser fließe über Begradigungen, Gräben und Drainagen zu schnell ab

DBU-Bonde-Hempel

„Um Moore, Auen und Feuchtgebiete nutzbar zu machen, wurden in der Vergangenheit – und auch heute noch – Flächen über Gräben und Drainagen entwässert sowie Flüsse und Bäche begradigt“, sagt Dr. Maximilian Hempel, Abteilungsleiter Umweltforschung und Naturschutz. Folglich fließe dort das Wasser schneller ab. So blieben nur wenige Reserven in der Landschaft.

Der Grundwasserspiegel sinke bereits. Der Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung  in Leipzig hat in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Phasen extremer bis außergewöhnlicher Dürre des Gesamtbodens für viele Regionen Deutschlands angezeigt. Die landwirtschaftlichen Schäden in der EU allein 2018 seien mit 8,7 Mrd. Euro riesig.

Digitale Ampeln sollen die Wasserentnahme regeln, um das Grundwasser zu schützen

Ampel-Wasser

Trinkwasserversorgung, Ökosysteme und vor allem Land-, Forst- und Wasserwirtschaft leiden darunter. Deshalb fördere die DBU etliche Projekte in ganz Deutschland, um Lösungen für die Regionen zu erarbeiten. Ein Beispiel findet sich im gerade veröffentlichten DBU-Jahresbericht 2019

Dabei geht um eines der größten nutzbaren Grundwasservorkommen in Nordrhein-Westfalen, den Halterner Sanden. Die konkurrierenden Nutzungen würden das Grundwasser teilweise so stark beanspruchen, dass oberirdische Gewässer, beispielsweise der Hammbach, zeitweise trockenfallen.

Um dem entgegenzuwirken, entwickelte die Lippe Wassertechnik in Essen mit Partnern ein Konzept, das etwa das Schließen von Entwässerungsgräben und eine Ampelkarte als Entscheidungshilfe für die Wasserentnahme enthalte. Dazu wird die Entnahme von Grundwasser neu geregelt.

Als Entscheidungshilfe für Ämter gibt es eine Ampelkarte. Die zeigt die verschiedenen Bereiche (rot = keine, gelb = geringe, grün = größere Entnahme möglich), an wel­chen Stellen entnommen werden könnte. Daraus ergibt sich, wo Wasser zur Beregnung bereitgestellt wird.

Nötig ist dabei eine enge Abstimmung zwischen Landwirten, Naturschützern und Wasserversorgern. Vereinbart wurden etwa effizientere Bewässerung, angepasst Kulturen und renaturierte Feuchtgebiete.

Mit frei pendelnden Fließgewässern lasse sich Hochwasser vermeiden

Wasser-Damm

Ein weiteres Projekt befasst sich damit, Fließgewässern einen freien Pendelraum für ihre natürliche, eigendynamische Laufentwicklung zurückzugeben. Begradigen und Eindeichen führe zu einem Verlust der Artenvielfalt, der Wasserqualität und verstärke die Hochwassergefahr.

Das zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gehörige Aueninstitut in Rastatt habe mit digitalen Planungsinstrumenten Konzepte für die Ammer in Bayern, die Blies im Saarland und die Mulde in Sachsen entwickelt. Sie sollen die Ökosystemleistungen der Flusslandschaften stärken und die Kosten für das Gewässermanagement verringern.

Der Ausbau der erneuerbaren Energie halbiere den Wasserbedarf bis 2050

„Während es sich auf der einen Seite lohnt, den Blick auf regionale Gegebenheiten zu richten und Nutzungsinteressen zusammenzubringen, müssen wir auf der anderen Seite sozusagen über den Gewässerrand hinaus auf andere Sektoren schauen“, sagt Dr. Maximilian Hempel.

So habe eine Studie des Clausthaler Umwelttechnik Forschngszentrums (CUTEC) ergeben, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien einen positiven Einfluss auf den Wassersektor habe. Der Wasserbedarf werde sich in Deutschland demnach bis 2050 insgesamt schätzungsweise um die Hälfte verringern, vor allem durch verringerte Kühlwassernutzung. So könne eine schnellere Energiewende nicht nur dem Klima zugutekommen, sondern auch der Wasserverfügbarkeit.

Mit Material von DBU
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