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Farm & Food 4.0

Digitaler Agrarhandel: Saatgut künftig bei Amazon bestellen?

Farm & Food Kongress 2018
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Julia Eder, agrarheute
am
22.01.2018

Digitalisierung verändert nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch den Agrarhandel. So reagieren Agravis, BayWa, RWZ und Co. auf die Herausforderungen.

Bei der Podiumsdiskussion des Farm&Food-Kongress in Berlin ging es um das Thema "Handel im Wandel: Digitalisierung des Handelsprozesses im Agrarbereich". agrarheute-Chefredakteur Dr. Uwe Steffin moderierte die Diskussion mit vier Vertretern des Agrarhandels sowie Klaus Bürg, Geschäftsführer der Amazon Web Services. Zum Agrarhandel gehörten folgende Teilnehmer:

  • Andreas Rickmers, Agravis Raiffeisen AG: “Wir entwickeln uns vom Agrarhändler zum Agrardienstleister"
  • Prof. Klaus Lutz, BayWa AG: “Mut zur Veränderung - aber auch zu erkennbaren Unternehmenswerten”
  • Christoph Kempkes, RWZ eG: „Unsere Vision ist die digitale Genossenschaft!“
  • Werner Berger, Fenaco Schweiz: „Erst die Vernetzung der Daten schafft den Mehrwert!“

Digitalisierung: Wie entwickelt sich der Agrarhandel?

Dass die Digitalisierung eine Herausforderung für den Handel ist, darin waren sich die Teilnehmer einig. Klaus Lutz sagte dazu: „Ich habe in meiner Karriere zweimal herbe Niederschläge durch die Digitalisierung erlebt. Viele ehemalige Geschäftsmodelle sind tot: Zeitungsgeschäft und Musikindustrie als zwei Beispiele. Das treibt mich um, seit ich bei der BayWa bin." Man dürfe sich aber nicht nur auf neue Geschäftsmodelle konzentrieren, sondern müsse auch die Hausaufgaben machen: „Der Druck auf das Brot-und-Butter-Geschäft sowie die Volatilität werden in den nächsten Jahren zunehmen. Das lösen wir nur mit einer hocheffizienten Wertschöpfungskette.“

Entwicklung oder Verdrängung durch Onlinehandel

Die Frage, die im Raum stand: Ist der digitale Handel eine Evolution, also einfach nur eine stete Weiterentwicklung der herkömmlichen Handelsformen, oder eine Disruption, also eine neue Technologie, die den altbekannten Handel verdrängt. Amazon wird gerne als Beispiel für eine Disruption genannt. „Letztendlich geht es aber nur um die Frage: Was möchte der Kunde?“, so Klaus Bürg von Amazon. Für den Agrarbereich heißt das: „An wen verkauft der Bauer und was möchte dieser Kunde? Dann muss man schauen, wie man die Kundenwünsche umsetzen kann. Transparenz ist dabei ein großes Thema. Die Verbraucher haben ein großes Informationsbedürfnis.“ In Richtung der anwesenden Geschäftsführer im Agrarhandel sagt Bürg: „Großen, alteingesessenen Unternehmen fällt es oft schwer, den Kopf freizubekommen. Das geht mit neuen Kräften besser, zum Beispiel kleinen Start-ups.“

"Weizen wächst auf dem Acker und nicht in der Cloud"

Christoph Kempkes von RWZ sieht das anders: „Wir haben einerseits unser Tagesgeschäft mit Gummistiefeln und Petrus. Weizen wächst auf dem Acker und nicht in der Cloud. Andererseits haben wir alle den Knall der Digitalisierung gehört. Für die beiden Bereiche brauchen wir separate Strukturen.“

Andreas Rickmers von der Agravis sieht das ähnlich: „Der Verbraucheransatz ist richtig, aber die Wünsche der Verbraucher sind sehr unterschiedlich. Das Ziel unserer Branche muss sein, eine steigende Bevölkerung nachhaltig zu ernähren. Die Digitalisierung bietet die Chancen der Kostenoptimierung und der Effizienzsteigerung."

Die Genossenschaften sehen außerdem neue Chancen in der Digitalisierung. „Für die Genossenschaften kann durch die Digitalisierung eine neue Funktion eines neutralen Maklers erwachsen, mit einer großen Auswahl an Produkten und Dienstleistungen“, so Kempkes.

Düngemittel bei Amazon kaufen?

Die Möglichkeiten des digitalen Handels wirft außerdem die Frage auf, ob Amazon und andere Webservices eine zunehmende Konkurrenz für Genossenschaften werden. Amazon schränke sich jedenfalls nicht ein, wenn es darum geht, landwirtschaftliche Produkte zu verkaufen. „Ob wir es kurz- oder mittelfristig tun, lasse ich offen“, so Bürg. „Wir betreten einen Bereich, wenn ein Bedarf besteht. Wenn viele Leute bei uns Saatgut oder Düngemittel kaufen wollen, werden wir es anbieten.“

Werner Berger sieht letztendlich keine Gefahr: „Unser Auftrag ist, Landwirte in der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen zu unterstützen. Es wird immer jemand die Drehscheibenfunktion übernehmen müssen. Wir sehen uns als Treuhänder des Landwirts, der schaut, dass die Daten bei ihm bleiben und Standards eingehalten werden.

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