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Experten-Interview

Direktvermarktung - Dahin geht der Trend

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Katharina Krenn, agrarheute
am
08.03.2016

Regionalität liegt voll im Trend – sagen Umfragen. Merken das aber auch die Direktvermarkter? Die Expertin Elke Sandvoß von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt einen Einblick in die Realität.

„Regional“ ist beim Verbraucher angesagt. Kommt das auch bei den Landwirten an?

Viele Verbraucher fordern regionale Produkte, handeln aber überwiegend anders und kaufen Erzeugnisse nicht entsprechend dieser Absichtserklärung ein. Es gibt einen Trend, einen Boom stellen wir jedoch nicht fest.

Gibt es regionale Schwerpunkte?

Betriebe in der Nähe von Ballungszentren wie Hannover, Hamburg oder Bremen haben klare Standortvorteile, weil die Kaufkraft stärker ist als in ländlichen Regionen. Bezogen auf das Sortiment sind Spargel und Erdbeeren klassische Produkte, bei denen Verbraucher die regionale Herkunft schätzen.

Steigen jetzt mehr Landwirte in die Direktvermarktung ein?

Dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen. Die Anfragen der Landwirte häufen sich jedoch, so dass wir in diesem Jahr wieder Seminare für Einsteiger anbieten. Die meisten Landwirte vermarkten ihre Produkte an den Handel oder an industrielle Verarbeiter wie Molkereien, und haben dabei keinen Einfluss auf die Preisgestaltung. Da suchen sie verständlicherweise nach alternativen Absatzwegen und zusätzlichen Einkommensquellen.

Was sind die beliebtesten Absatzformen?

Etwa zwei Drittel der Direktvermarkter betreiben einen Hofladen. Das hat den Vorteil der kurzen Wege und bringt Zeitersparnis im Vergleich zum Aufwand, den die Beschickung der Wochenmärkte erfordert. Diese Märkte sind eher interessant, wenn Betriebe in ländlichen Regionen liegen.

Wie sieht die „Direktvermarktung 2020“ aus?

Der Wunsch nach Regionalität wird sich vermutlich verstärken. Ein weiterer Trend: Die meisten Menschen bereiten ihr Essen nicht mehr selbst zu, weil Zeit und Kenntnisse fehlen. Hier sehe ich für Direktvermarkter eine Chance, sich weiter zu profilieren, indem sie ihre Primärprodukte veredeln und Artikel im Sortiment führen, die ohne großen Aufwand für den Käufer zu verzehren sind. Da die Herstellung von Fertiggerichten aber sehr aufwändig ist, erfordert dies, zusätzliche Arbeitskräfte einzusetzen. Alternativ kann man mit anderen Direktvermarktern zusammenarbeiten und die Produktpalette austauschen.

Welche Rolle wird der Onlinehandel spielen?

Die Internetvermarktung für Lebensmittel wird nicht so stark steigen, wie es bei Kleidung oder Bedarfsgegenständen der Fall ist. Zum einen ist es für Direktvermarkter zeit- und kostenaufwändig, bestellte Ware transportsicher zu verpacken. Zum anderen unterbleibt die für die Direktvermarktung so typische Kommunikation. Im Internet mit einer eigenen Webseite präsent zu sein, halte ich dennoch für sehr wichtig. Denn immer mehr Menschen suchen ihre Informationen online.

Was empfehlen Sie „Neueinsteigern“?

Direktvermarktung ist kein „Job“, der nebenbei zu erledigen ist. Betriebsleiter, die diesen Weg wählen, müssen gute Unternehmerqualitäten und viele Fähigkeiten haben, um am Markt bestehen zu können. Ich empfehle, im kleinen Rahmen zu beginnen, um auszuloten, wie die Chancen am Markt sind, und dabei Erfahrungen zu sammeln.

Dieses Interview ist zuerst in der Land&Forst Ausgabe 3 erschienen.

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