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Branchentreff

DLG-Unternehmertage 2018: Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif

Hubertus Paetow
am
04.09.2018

Mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft gibt es nicht zum Nulltarif und sie wird den Strukturwandel beschleunigen. Das sagte DLG-Präsident Hubertus Paetow auf den DLG-Unternehmertagen 2018 in Kassel.

Mehr Nachhaltigkeit erfordere Investitionen in neue Verfahren, in Wissen und Organisation, stellte Paetow fest. Dieser Fortschritt in Richtung Nachhaltigkeit werde die Professionalisierung und Spezialisierung fördern und damit den Strukturwandel weiter vorantreiben.

"Wir brauchen den Fortschritt, aber auch traditionelle Verfahren", hob Paetow hervor und nannte beispielhaft weite, klassische Fruchtfolgen und moderne Züchtung sowie an die Fläche angepasste Tierbestände und modernste Gülleausbringungstechnik.

Der DLG-Präsident warnte, die Strategie der Branche könne nicht sein, Forderungen nach angepassten Verfahren immer unter Hinweis auf die Mehrkosten abzulehnen.

Staatliche Hilfen haben einen Pferdefuß

Im Hinblick auf die Dürrehilfen von Bund und Ländern mahnte Paetow, die Landwirtschaft sollte vorsichtig sein, bei jeder Markt- oder Wetterkrise nach staatlichen Beihilfen zu rufen. Staatliche Hilfen seien immer mit Eingriffen in das freie Wirtschaften der unternehmerischen Landwirte verbunden.

Besser wäre es, wenn der Staat geeignete Rahmenbedingungen schaffen würde, damit die Betriebe unvermeidliche Krisen durchstehen könnten, zum Beispiel durch eine Risikorücklage oder Mehrgefahrenversicherungen.

Betriebskonzepte neu ausrichten

Jan Schulze-Geißler

Wie ein moderner Ackerbaubetrieb mit etwas über 500 Hektar in der Elbmarsch sich an das veränderte Umfeld anpasst, berichtete Betriebsleiter Jan Schulze-Geißler aus Balje. Der Betrieb, den der junge Landwirt seit 2012 leitet, wurde jahrzehntelang auf Raps und Weizen ausgerichtet. Das führte zu teilweise extremer Verunkrautung und Resistenzen, erläuterte Schulze-Geißler.

Er stellte die Fruchtfolge durch Ackerbohnen und Sommergetreide sowie Gerste auf vier bis fünf Kulturen um. Dies habe sowohl arbeitswirtschaftliche als auch pflanzenbauliche Vorteile. Allerdings müssten die Märkte für neue Kulturen teilweise noch entwickelt werden, räumte Schulze-Geißler ein, der im agrarheute Magazin in der Serie Vermarktung Live monatlich über seine Vermarktungsstrategie berichtet.

Dennoch zog er das Fazit: Ein zu stark auf lukrative Kulturen wie Raps und Weizen ausgerichtetes Betriebskonzept habe sich in der Marsch als nicht nachhaltig erwiesen. Aus der Sackgasse heraus helfe eine sukzessive Neuausrichtung unter Einbeziehung der gesamten Palette ackerbaulicher und technischer Möglichkeiten.

Landwirte auf dem Weg in das Internet der Dinge

Andrea Rahn-Farr

Die Milchviehhalterin Andrea Rahn-Farr aus dem hessischen Büdingen schilderte die Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung in der Milchviehhaltung. Die Datenerfassung am Tier, durch Melkroboter, Sensoren und Kameras erlaube eine ständige und sehr exakte Beurteilung der Gesundheit des Einzeltiers, der Leistung, des Fress- und Brunstverhaltens, der Aktivität und der Aufenthaltsorte der Kühe. Auch für die Mitarbeiter bringt dies laut Andrea Rahn-Farr Erleichterungen mit sich.

Unabdingbar sei aber eine permanente Pflege der gesammelten Daten. Hinweise zum Gesundheitsstatus der Tiere müssten unbedingt auch in Aktionen münden. Denn noch immer gelte die alte Weisheit: das Auge des Herrn mästet das Vieh. Der Computer versorge die Tiere nicht.

Allerdings ist die Milchviehhalterin überzeugt: Landwirte sind Vorreiter auf dem Weg in das Internet der Dinge.

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