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Düngerecht

Düngeverordnung: Darauf müssen Sie sich gefasst machen

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
15.03.2016

Obwohl noch gar nicht in Kraft, wirft die neue Düngeverordnung (DüV) bereits ihren langen Schatten voraus. Gerade im Bereich der organischen Düngung wird es zu Verschärfungen kommen, auf die die Landwirte reagieren müssen.

Über die neue Düngeverordnung wird derzeit in Berlin verhandelt. Einen Wegweiser für die Düngung der Zukunft haben Experten der LWK Niedersachsen kürzlich auf einer Pflanzenbau-Fachtagung in Sehnde-Rethmar vorgestellt. Dr. Dagmar Matuschek stellte in diesem Rahmen die wesentlichen Änderungen der Düngeverordnung vor, die voraussichtlich Ende 2016 endgültig in Kraft treten wird, wie die LAND & Forst schreibt.

  • Danach wird das Ziel angestrebt, ein Gleichgewicht zwischen dem Nährstoffbedarf der Pflanzen und der Nährstoffversorgung aus Boden und Düngung zu schaffen.
  • Der Stickstoff- und Phosphorbedarf der Kultur ist für jeden Schlag bzw. jede Bewirtschaftungseinheit zu ermitteln und aufzuzeichnen. Dieser Wert darf nur bei begründetem, höherem Düngebedarf (Witterung) überschritten werden, was ebenfalls dokumentiert werden muss.

Einheitliche Bedarfswerte für Stickstoff

  • Für Stickstoff wird es laut der Düngeexpertin einheitliche, ertragsabhängige N-Bedarfswerte mit Ertragskorrekturen geben.

Am Beispiel Winterweizen machte Matuschek dies deutlich: Vom N-Bedarfswert (230 kg N/ha bei 80 dt/ha) wird nach der Hinzurechnung von 10 kg N/ha aufgrund des höheren Ertragsniveaus von 90 dt/ ha der Nmin-Vorrat im Frühjahr von 35 kg N/ha abgezogen. Ebenso wird die Nachlieferung mit -10 kg N/ha wie auch die Vorfrucht Raps mit -10 kg N/ha bedacht. Daraus ergibt sich ein N-Bedarf von 185 kg N/ha.

    Nährstoffe verbringen

    • N- und P-haltige Dünger dürfen nicht auf nicht aufnahmefähigen Böden (z. B. schneebedeckt oder gefroren) ausgebracht werden.
    • Der Mindestabstand von 4 m zu oberirdischen Gewässern darf nur auf 1 m abgesenkt werden, wenn Geräte mit Grenzstreueinrichtung, Schleppschlauchoder Schlitztechnik verwendet werden.
    • Eine Einarbeitungspflicht für organische und organisch-mineralische Düngemittel besteht auf Ackerland weiter innerhalb von vier Stunden, gerechnet ab Arbeitsbeginn. Ausnahmen sind z. B. Harnstoff mit Ureasehemmstoffen, Festmist von Huf- und Klauentieren oder Kompost.
    • Für die Bewertung des Nährstoffvergleichs sind Kontrollwerte einzuhalten: Der N-Saldo liegt bei maximal 60 kg N/ ha und sinkt ab dem 1. Januar 2018 auf 50 kg N/ha und Jahr. Der P-Saldo wird von 20 kg ab 2018 auf 10 kg P2O5/ha und Jahr abgesenkt, merkte Matuschek an.

    Das optimale Düngesystem

    Welche Erkentnisse haben zehn Jahre N-Düngungsversuche in Winterweizen gebracht? Dazu verglich in Rethmar Dr. Eric Reinsdorf im Rahmen der Tagung vier N-Strategien:

    1. N-Formen: Er stellte fest, das zwischen Harnstoff und KAS kein statistisch nachweisbarer Unterschied gefunden werden konnte. Ein Trend zugunsten von KAS gibt es aber. Für eine optimierte Düngung böte sich eine Kombination aus Harnstoff und KAS an. Zu N1 und N2 hätte eine ammoniumbetonte Düngung Vorteile, zu N3 sei KAS zu bevorzugen.
    2. Düngungstermin: Im Mittel gibt es keine Unterschiede. Hier komme es immer auf das Jahr an. Entscheidend sei, eine ausreichende N-Versorgung in der Hauptwachstumsphase sicherzustellen.
    3. Stabilisierte Dünger: Laut Reinsdorf haben stabilisierte Dünger leichte Vorteile, insbesondere bei Frühjahrstrockenheit. Die Ertragsstabilität steigt dadurch an, der Rohproteingehalt sinkt aber um 1 Prozent.
    4. Düngesysteme: Optimierungspotenzial zeigen Systeme wie ISIP, Nitrachek, N-Tester oder Precision farming, die eine Anpassung an die Bestandesentwicklung ermöglichen.

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