Login
Forschung

Düngung: So kommt der Phosphor aus dem Klärschlamm

klärwerk
Thumbnail
Redaktion agrarheute, agrarheute
am
19.07.2017

Künftig soll mehr Phosphor aus Klärschlamm gewonnen werden. An der Uni Gießen haben sich nach 3jähriger Forschung zwei Methoden für die Aufbereitung herauskristallisiert

Durch die novellierte Düngeverordnung müssen Landwirte künftig noch exakter mit den Nährstoffen umgehen. Auch angesichts endlicher Phosphorvorräte hat der Gesetzgeber eine Pflicht für die Rückgewinnung des Nährstoffs im Klärschlamm beschlossen. Die Novelle der Klärschlammverordnung sieht vor, dass Klärschlämme größerer Kläranlagen mit einer Übergangsfrist zwischen zwölf und 15 Jahren nicht mehr direkt als landwirtschaftlicher Dünger ausgebracht werden.

Methoden zur Rückgewinnung von Phosphor

Nach drei Jahren Forschung hat die Uni Gießen nun zwei erfolgreiche Methoden erarbeitet, die zukünftig umweltfreundliche Phosphat-Recyclingprodukte mit deutlicher Düngewirkung für die Landwirtschaft liefern könnten. Je nach Verfahren kann Klärschlamm mit geringem und hohem Gehalt an Schwermetall aufbereitet werden.

  • Im ersten Verfahren haben Wissenschaftler der Universität Gießen in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin kleine Pyrolysereaktoren eingesetzt, die ein Phosphorrecycling bei niedrigen Temperaturen von 400 bis 600 Grad Celsius ermöglichen.
  • Die zweite Methode ist eine thermochemische Behandlung mit hohen Temperaturen von 950 Grad Celsius. Dabei werden weitere Stoffe wie Magnesiumchlorid oder Salzsäure zur Ausfällung des Phosphors zugesetzt.

Niedrig-Temperatur-Methode für gering belasteten Klärschlamm

Die Methode mit den Pyrolysereaktoren erwies sich laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als besonders gut geeignet für den dezentralen Einsatz direkt am Klärwerk. Allerdings konnten viele Schwermetalle aufgrund der geringen Temperaturen nicht ausreichend reduziert werden. Damit eignet sich diese Form der Aufbereitung nur für Klärschlamm mit unbedenklichen Schwermetallgehalten.

Thermochemie auch für schwerlösliche Phosphat-Verbindungen

Für hoch belasteten Klärschlamm bewährte sich laut BLE die thermochemische Behandlung bei hohen Temperaturen. Die Gehalte fast aller Schwermetalle ließen sich damit ausreichend verringern. Die Recyclingdünger wiesen zum Teil sogar geringere Schwermetallgehalte auf als herkömmliche mineralische Phosphor-Dünger.

Außerdem lassen sich schwerlösliche Phosphat-Verbindungen durch die hohen Temperaturen in leichtlösliche, und damit pflanzenverfügbare Formen wie Calcium-Natrium-Phosphat überführen.

Mit Material von BLE
Auch interessant