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Bewässerung in der Landwirtschaft

Dürre: Bewässerung lohnt nur bei hohen Preisen

Bewässerung
am Dienstag, 17.09.2019 - 13:00 (Jetzt kommentieren)

Auch wenn Bewässerung pflanzenbaulich notwendig erscheint, wirtschaftlich ist sie nur bei hohen Preisen.

Der wirtschaftliche Erfolg im Ackerbau hängt unmittelbar vom Niederschlag ab. Zwei Dürrejahre in Folge, mit schwachen Erträgen und hohen Einkommensverlusten, werfen für viele Ackerbauern die Frage auf: Lohnt es sich in eine Feld-Bewässerung zu investieren?

Betrachtet man die rein pflanzenbaulichen Aspekte, so lassen die Veränderungen von Niederschlag und Temperatur für einige Regionen Deutschlands eindeutig die Empfehlung zu: Unbedingt zusätzliche bewässern!

Gegen eine zusätzliche Bewässrung können jedoch sowohl umweltpolitische Aspekte sprechen als auch die wirtschaftlichen Eckdaten - also das Verhältnis von Kosten zu Erlösen. Derzeit ist der Anteil der bewässerten Flächen in Deutschland  sehr niedrig. Auch der Anteil der Wasserentnahmen für die landwirtschaftliche Beregnung ist in Deutschland sehr gering.

Dürregefahr: Ostdeutschland und Niedersachsen

Beregnung

Wissenschaftlicher Konsens ist: Ein Bewässerung macht dann Sinn, wenn der Wassergehalt im Boden unter 50 Prozent der nutzbaren Feldkapazität absinkt. Die Pflanzen geraten dann unter Trockenstress. Und sie reagieren mit empfindlichen Ertrags- und Qualitätseinbußen.

Nach Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurde dieser kritische Wert in den letzten 50 Jahren ganz besonders oft im östlichen Niedersachsen, im nördlichen Sachsen-Anhalt und in Brandenburg erreicht.  Eine Auswertung des Thünen-Instituts zeigt sogar, dass die  Wasserversorgung der Böden in diesen Regionen im 30 jährigen Mittel an mehr als  100 Tagen unterhalb des kritischen Schwellenwertes lag.

In einigen Regionen Brandenburgs wurden sogar an mehr als 130 Tagen weniger als 50 Prozent der nutzbaren Feldkapazität gemessen. Doch auch in anderen Regionen hat die die Zahl und die Dauer der Trockenperioden zugenommen. Für die Zukunft wird in Deutschland eine weitere Zunahme der Temperaturen sowie eine Abnahme der Sommerniederschläge und eine Zunahme der Winterniederschläge erwartet.

Bodenart hat großen Einfluss

Großen Einfluss auf das Wasserspeichervermögen und den möglichen Bewässerungsbedarf hat auch die Bodenart. Denn je nach Bodenart ist das Bodenwasser für die Pflanzen unterschiedlich verfügbar. Dabei hängt die Pflanzenverfügbarkeit von Umfang und Größe der Bodenporen ab.

Besonders die Mittelporen und die engeren Grobporen sind für die Wasserversorgung der Pflanzen wichtig. In ihnen wird das Wasser gegen die Schwerkraft festgehalten, kann aber von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden.Daraus ergibt sich dien nutzbare Feldkapazität. Sie ist das Maß für das maximal pflanzenverfügbare Wasser und es ergibt sich aus der Differenz von Feldkapazität und nicht pflanzennutzbarem fest an Bodenteilchen gebundenen „Totwasser“.

So können Tonböden zwar sehr viel Wasser speichern, die verfügen jedoch über einen großen Anteil Totwasser. Sandböden können dagegen nur wenig Wasser speichern. Ihre nutzbare Feldkapazität ist sind niedrig. Am besten schneiden Lehmböden und schluffreiche Lössböden ab. Sie besitzen das größte Speichervermögen für pflanzenverfügbares Wasser.

Wurzelsysteme der Pflanzen

beregnung

Die wichtigsten Kulturpflanzen verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten zur Nutzung des Bodenwassers. Die Kartoffel bildet den Hauptwurzelbereich nur bis in 40 cm Tiefe aus. Entsprechend kann sie den Bodenwasservorrat auch nur bis in diese Tiefe nutzen. Mais und Zuckerrüben erschließen den Boden bis in größere Tiefen. Ihnen steht damit ein größeres Bodenvolumen zur Deckung ihres Wasserbedarfs zur Verfügung.

Trotz dieser Unterschiede wird bei den meisten Kulturen mit der Beregnung begonnen, wenn dem Boden die Hälfte des speicherbaren Wassers entzogen wurde. Das entspricht einer nutzbaren Feldkapazität von 50 Prozent. Vor allem Kartoffeln, Zuckerrüben, Mais, aber  auch Getreide und Freilandgemüse sollten dann aus pflanzbaulichen Gründen bewässert werden. Andernfalls kommt es zu erheblichen Ertrags- und auch Qualitätseinbußen und damit auch zu Einkommensverlusten.

Entnahme ist gesetzlich geregelt

Die mögliche Entnahme von Wasser zur Bewässerung ist in Deutschland gesetzlich geregelt und damit beschränkt. Mögliche Entnahmemengen und Preise könnten sich vor dem Hintergrund zunehmender Trockenperioden (langfristig) also verändern. Fakt ist: Wer Wasser zur Bewässerung aus dem Grund- oder Oberflächenwasser nutzen will, benötigt eine behördliche Genehmigung nach dem Wasserhaushaltsgesetz.

Erteilt wird diese durch  die obere oder untere Wasserbehörde des jeweiligen Bundeslandes. Der Anteil der landwirtschaftlichen Wasserentnahmen für die Beregnung in Deutschland ist mit knapp 0,25 Prozent am Gesamtwasserverbrauch sehr gering.  Gleichzeitig zeigt die letzte Erhebung des statistischen Bundesamtes dass in Deutschland etwa 676.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche beregnet werden können. Das sind nicht einmal 0,05 Prozent der gesamten Nutzfläche von 16,6 Mio. ha.

Die größten Beregnungsflächen liegen derzeit im östlichen Niedersachsen sowie in Hessen und Rheinland-Pfalz. Bis Anfang der 90er Jahr gab auch im Osten Deutschlands größere Beregnungsflächen. Diese wurden nach der Wiedervereinigung vielerorts jedoch aufgegeben.

Vor allem Hackfrüchten rechnen sich

Eine Investition in die Feldbewässerung ist selbst an trockenen und sandigen Standorten in Deutschland nur in Kombination mit dem Anbau von Hackfrüchten, also vor allem Kartoffeln, wirtschaftlich, schreibt der Thünen-Wissenschaftler Thomes de Witte. Aus ökonomischer Sicht sollten nach der Witte vor allem Kartoffeln, Rüben, Braugerste und Weizen bewässert werden.

Allerdings würde in diesem Fall die Wasserentnahmemenge den genehmigten Wert deutlich überschreiten. Vor diesem Hintergrund können einige Kulturen also weniger oder gar nicht bewässert werden. Aufgrund der hohen Wirtschaftlichkeit der Kartoffelbewässerung sollte hier die optimale Bewässerung beibehalten werden. In der Folge würden die genehmigten Wasserentnahmerechte jedoch nicht mehr ausreichen, um auch den Weizen zu bewässern.

Außerdem ist eine Investition in die Bewässerung für reine Raps- und Getreidefruchtfolgen unter den bisherigen Preis- und Kostenverhältnissen nicht rentabel. Eine Ursache ist, dass Raps kaum auf Bewässerung reagiert. Hinzu kommt, dass die bewässerungskostenfreien Leistungen von Weizen unter 50 Euro/ha liegen. Erst bei deutlich höheren Weizenpreisen im Bereich von 200 Euro/t wird eine Bewässerung von reinen Getreidefruchtfolgen wirtschaftlich.

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