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Dürre-Insolvenzen: Nur die Spitze des Eisbergs

Milchbauer
am Montag, 25.11.2019 - 10:54 (Jetzt kommentieren)

Zwei wirtschaftlich schwierige Jahre lassen die Zahl der Insolvenzen in der Landwirtschaft sprunghaft ansteigen.

Doch die Anzahl der gemeldeten Insolvenzfälle dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein.

Insbesondere im Osten Deutschlands werden in wirtschaftliche Not geratene Betriebe zunehmend von außerlandwirtschaftlichen Investoren übernommen – bevor sie Insolvenz anmeldeten. So tauchen sie gar nicht erst in der Statistik auf.

Im Westen schnallen viele Bauern den Gürtel erst einmal enger und verzichten auf Einkommen und Investitionen – in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Aber das Agrarpaket und die rasant zunehmenden Produktionsauflagen dürften die wirtschaftliche Not der Betriebe eher verschlimmern und die Zahl der Betriebsaufgaben und Insolvenzen nach oben treiben.

Starker Anstieg der Insolvenzen

Landwirt Acker

Der Dürresommer 2018 hat die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland wirtschaftlich schwer belastet. Die Folgen des heißen Sommers haben sich auch auf die Insolvenzzahlen in der Landwirtschaft ausgewirkt.

Von Januar bis Oktober 2019 mussten 114 Unternehmen aus der Landwirtschaft Insolvenz anmelden und damit 23,9 Prozent mehr als vor einem Jahr (Oktober 2018: 92). Auf Jahressicht erwartet der Informationsdienstleister CRIFBÜRGEL bis zu 140 Insolvenzen im Agrarsektor und damit circa 22 Prozent mehr als 2018 (114).

„Da in den Insolvenzstatistiken vor allem die Vergangenheit abgebildet wird, sie gewissermaßen ein Blick in den Rückspiegel sind, sind die Auswirkungen aus dem letzten Sommer erst jetzt sichtbar. Weniger Erlöse und höhere Kosten aufgrund der extremen Hitze sind die Hauptgründe für den sprunghaften Anstieg der Insolvenzen in der Landwirtschaft“, erklärte CRIFBÜRGEL Geschäftsführerin Ingrid Riehl die Zahlen.

Investoren kaufen notleidende Betriebe

Das nicht alle wirtschaftlich in Not geratenen Betriebe Insolvenz anmelden, zeigt ein Beispiel aus dem Osten: Dort kaufte der außerlandwirtschaftliche Investor und Besitzer eines der größten Ökobetriebe in Deutschland zwei in wirtschaftliche Schieflage geratene Betriebe einfach auf.

Die Ostseezeitung berichtet im April: Die Logistik-Unternehmer Marc und Heinz Fiege aus Nordrhein-Westfalen, Besitzer eines 4.600 ha großen Öko-Gutes auf dem Darß, sind jetzt auch Eigentümer von zwei großen Agrarbetrieben bei Rostock. "Wir sind mitten in der Übernahme“, bestätigt Marc Fiege den Besitzwechsel. Mit dem Kaufpreis würden die Anteilseigner ausgezahlt, hieß es weiter.

Ähnliche Fälle hat es in den letzten Monaten auch in anderen ostdeutschen Bundesländern gegeben. Dort kauften zahlreiche außerlandwirtschaftliche Investoren angefnagen vom Möbelfabrikanten Steinhof, über den Heiztechnik-Unternehmer Vissmann, bis hin zu Aldi und Südzucker in finanzielle Schwierigkeiten geratene Betriebe auf.

Einkommen empfindlich eingebrochen

Landwirt

Das die wirtschaftlichen Probleme nicht zu Ende sind, zeigt die Bilanzen der landwirtschaftlichen Betriebe für das Wirtschaftsjahr 2018/19: Die hitzebedingten Ertrags- und Einkommenseinbußen des Sommers 2018 spiegeln sich hier sehr deutlich wider.

„Starke Ernteeinbußen und gesunkene Preise für Milch, Rind- und Schweinefleisch nehmen die Unternehmensergebnisse von zwei Seiten in die Zange“, sagte der niedersächsische Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke und verweist dabei auf erste Daten des Verbandes der Landwirtschaftskammern.

Danach ermittelte eine Auswertung in den niedersächsischen Haupterwerbsbetrieben einen Rückgang um fast 30 Prozent auf 60.000 Euro. Von diesem Betrag müssen alle Familienarbeitskräfte entlohnt werden, zusätzlich sind davon Steuern, soziale Sicherung sowie Investitionen in den Betrieb zu finanzieren.

Besonders starke Einschnitte mussten die Milchviehhalter verkraften, hier fehlte die ausreichende Futterversorgung von eigenen Wiesen und Ackerflächen, so dass Futter teuer zugekauft werden musste. Auch die Erzeugerpreise für Milch waren rückläufig.

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