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Agrarförderung

Dürre: Wo Landwirte Bracheflächen für Fütterung nutzen dürfen

am
02.08.2019
(1 Kommentar)

Viele Bundesländer erlauben Landwirten, den Aufwuchs auf Bracheflächen als Futter zu nutzen. Bald könnten auch Zwischenfruchtflächen freigegeben werden. Hier eine Übersicht.

Sachsen-Anhalt: Bracheflächen jetzt auch ohne Antag nutzen

Seit 2. August können Landwirte in Sachsen-Anhalt Bracheflächen ohne Antrag für die Futternutzung nutzen. Es ist lediglich eine formlose Anzeige unter Benennung der betreffenden Flächen erforderlich, heißt aus Magdeburg.

Bereits seit 1. Juli hatte das Landwirtschaftsministerium erlaubt, den Aufwuchs von Brachen, die als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) angemeldet wurden, zur Futternutzung im Einzelfall mit Antrag zuzulassen.

Betriebe, die mehr als 15 Hektar Ackerland bewirtschaften, müssen 5 Prozent als ökologische Vorrangflächen bereitstellen. Dies kann unter andere über Bracheflächen erfolgen. Eine Nutzung von Bracheflächen, die als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) ausgewiesen sind, ist aufgrund nationaler Regelungen frühestens ab dem 1. Juli zulässig. Dazu müssen notleidende Betriebe nun nur noch eine entsprechende Anzeige an das zuständige Amt für Flurneuordnung und Forsten (ALFF) zukommen lassen.

Die Futternutzung durch notleidende Nachbarbetriebe mit Viehhaltung ist zulässig. Eine Verwendung des Aufwuchses für andere Zwecke (zum Beispiel in einer Biogasanlage) ist nicht zulässig. Die Ausnahmen gelten ausschließlich zur Futterversorgung in tierhaltenden Betrieben aufgrund regionaler Engpässe.

Mecklenburg-Vorpommern: Extensives Grünland darf beweidet werden

Rinderhalter mit Futterknappheit können möglicherweise bald Zwischenfrüchte auf ökologischen Vorrangflächen für die Futtergewinnung nutzen. EU-Agrarkommissar Hogan hatte vergangene Woche Erleichterungen angekündigt. Allerdings muss dazu noch das Bundesrecht angepasst werden. Laut Agrarministerium in Mecklenburg-Vorpommern ist mit einer Entscheidung und rechtlichen Umsetzung frühestens Ende September 2019 zu rechnen.

Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern, die am Förderprogramm „extensive Dauergrünlandbewirtschaftung mit Mahd“ teilnehmen, können ab sofort diese Flächen beweiden. Mit der vorfristigen Freigabe reagiert das Landwirtschafts­ministerium auf die witterungsbedingten Einbußen bei der Futtererzeugung. Entsprechend der Förderbedingungen wäre ansonsten eine Beweidung frühestens ab dem 1. September möglich. Die vorzeitige Beweidung ist den zuständigen Bewilligungsbehörden vorher anzuzeigen. Voraussetzung ist jedoch, dass die im Förderprogramm festgelegten Flächen mindestens einmal gemäht und die geforderten Schonflächen bis vier Wochen nach der ersten Mahd erhalten wurden.

Bereits seit 1. Juli können die Landwirte in MV den Aufwuchs von 80 Prozent der als ökologische Vorrangflächen beantragten Bracheflächen ebenfalls als Futter nutzen (siehe unten).

Niedersachsen: Gründe für Futtermangel angeben

Ein trockenes Getreidefeld unter brennender Sonne

Hitze und Trockenheit lassen nun auch in Niedersachsen das Futter knapp werden. Auf vielen Höfen gibt es aufgrund des Dürrejahres 2018 kaum Reserven. Obwohl die Betroffenheit lokal sehr unterschiedlich ist, hat sich das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium entschlossen, dem drohenden Engpass zu begegnen.

Ab sofort können Landwirte in Niedersachsen und Bremen die Brachflächen bzw. die ökologischen Vorrangflächen (öVF) unter bestimmten Voraussetzungen zu Futterzwecken nutzen. Die Ausnahmeregelung betrifft etwa 7.000 Betriebe mit rund 23.500 ha öVF-Brachen.

Entsprechende Anträge können Landwirte jetzt bei den Bewilligungsstellen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellen. Das Formular befindet sich auf der Internetseite  unter dem Webcode:  01035612. Im Antrag sind unter anderem die Flächen zu benennen, die Landwirte nutzen wollen, sowie die Art der Nutzung und die Hintergründe des Futtermangels.

Welche Auflagen in Niedersachsen gelten

Eine Nutzung ohne Genehmigung bleibt ein Greening-Verstoß. Die Nutzung ist auf Futterzwecke beschränkt, heißt es aus Hannover. Eine andere Verwendung, zum Beispiel in einer Biogasanlage ist nicht zulässig. Die Nutzung umfasst die maschinelle Ernte wie auch die Beweidung von Brache als öVF mit dem Nutzungscode 062 (Brache ohne Erzeugung).  Bearbeitungsschritte darüber hinaus oder eine Aussaat sind nicht erlaubt und auch die anderen Vorgaben für öVF, wie Düngung und Pflanzenschutz, gelten weiterhin.

In gleichem Maße können Landwirte ab dem 1. Juli von jeher öVF-Feldränder/Pufferstreifen auf Ackerland und Grünland (Nutzungscodes 057/058 ) und Streifen am Waldrand (Code 054). Die Regelung bezieht sich nur auf das Entfernen des vorhandenen Aufwuchses. Die Nutzung darf nicht kommerzieller Art sein. Folglich ist ein Verkauf des Aufwuchses nicht erlaubt, die kostenlose Abgabe an von der Trockenheit betroffene Betriebe, die ebenfalls EU-Agrarzahlungen beantragen, ist aber gestattet.

Die Möglichkeit der Nutzung des Aufwuchses gilt nicht für Honigbrachen mit dem Nutzungscode 065/066 und auch nicht für ein- oder mehrjährige Blühstreifen oder –flächen bei einer Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (Nutzungscode 574 und 575).

Brandenburg: Ab 1. August auch Beweiden ohne Antrag erlaubt

Brandenburger Agrarministerium erlaubt ebenfalls die Futternutzung von Ökologischen Vorrangflächen (ÖVF-Brachen).

Über eine Ausnahmeregelung können die Betriebe in der Region Brandenburg und Berlin ab sofort, den Aufwuchs ihrer Ökologische Vorrangfläche (ÖVF)-Brachen sowie Puffer- und Feldrandstreifen zur Futtergewinnung und zur Beweidung zu nutzen.

Dazu ist bei den Landwirtschaftsämtern ein formloser Antrag zu stellen.

Die Beweidung der genannten Flächen durch Schafe oder Ziegen ist ab dem 1. August ohne gesondertes Verfahren zulässig.

Nordrhein-Westfalen

lpx-Grünland-Dürre

Seit 16. Juli, erlaubt Nordrhein-Westfalen Landwirten, ÖVF-Brachen für Futterzwecke zu nutzen. Der entsprechende Erlass ist heute ergangen. Allerdings müssen Landwirte einige Besonderheiten beachten. Die Nutzung des Aufwuchses ist nur für den eigenen Betrieb zugelassen. Jedoch ist Landwirte erlaubt, Futter kostenlos als Nachbarschaftshilfe abzugeben. 

Die neue Regelung gilt nur für folgende Kreise:

  • Kreis Borken,
  • Ennepe-Ruhr-Kreis,
  • Gütersloh,
  • Mettmann,
  • Minden-Lübbekce,
  • Oberbergischer Kreis,
  • Recklinghausen,
  • Rheinisch-Bergischer Kreis,
  • Soest,
  • Unna,
  • Warendorf,
  • Wesel.

Daneben trifft die Sonderregelung auf die kreisfreien Städte Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Essen, Hagen, Münster, Oberhausen, Remscheid, Solingen und Wuppertal zu.

Wer außerhalb der Regionen von Futterknappheit wegen Trockenheit betroffen ist, muss bei der zuständigen Genehmigungsbehörde einen Antrag stellen. ÖVF-Zwischenfrüchte und Brachen mit Honigpflanzen dürfen Landwirte nicht nutzen. Ähnliches gilt auch für Flächen, für die Agrarumweltauflagen wie Uferrand-, Erosionsschutz- und Blühstreifen.

Stilllegungsfläche

In Sachsen können Landwirte ab 16. Juli 2019 den Aufwuchs auf Bracheflächen zur Futternutzung verwenden. Landwirte brauchen dazu keine weitere
Anzeige oder Genehmigung.

Besonders wertvolle Blühflächen aus dem Agrarumweltprogramm dürfen Landwirte dagegen auch weiter nur ausnahmsweise und nach Einzelfallprüfung nutzen. Auf diese Weise werde der Sachsen auch unter diesen extremen Umständen seiner besonderen Verantwortung für den Schutz der Insekten und anderer wildlebender Tierarten gerecht, heißt es aus Dresden.

Entsprechende Anträge können die Landwirte an die örtlich zuständige Außenstelle des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) richten.

Ausnahmen in Rheinland-Pfalz

Biene auf Kornblume

Rheinland-pfälzische Landwirte können ab 16. Juli 2019, brachliegende Ackerflächen im gesamten Landesbereich zur Beweidung zu nutzen oder zu Futterzwecken zu mähen. „Die Trockenheit hat die Futterversorgung für viele tierhaltende Betriebe deutlich erschwert. Mit dieser Maßnahme wollen wir helfen, Futterengpässe zu vermeiden“ sagte Agrarminister Wissing. Damit reagiert der Minister auf die Futterknappheit infolge der Trockenheit in Rheinland-Pfalz.

Nicht unter die Ausnahmegenehmigung fallen Honigbrachen (Nutzcodes 065 und 066). Ein Großteil der Ackerbrachen sei aktiv begrünt und biete somit eine gute Möglichkeit, die bestehenden Futterengpässe zumindest teilweise auszugleichen, so Wissing.

In Thüringen ist ein Antrag nötig

AF-Trocken-Bestand-Grünland

Thüringische Landwirte können in diesem Jahr wieder die Futtergewinnung auf Brachen als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) beantragen. Dazu ist ein formloser schriftlicher Antrag bei der örtlich zuständigen Zweigstelle des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) zu stellen.

Das auf solchen Flächen gewonnene Futter kann für die eigene Tierhaltung oder auch für die Tierhaltung von Dritten dienen. Im Antrag sollen Landwirte die Flächen benennen und begründen, warum es sich im konkreten Fall um einen außergewöhnlichen Umstand handelt und in welchem Zeitraum Sie den Aufwuchs (Heu/Silage/Weide) nutzen.

Die Futternutzung von diesen flächigen Brachen hat im Rahmen der Direktzahlungen folgende Konsequenzen: Diese Brachen werden im Rahmen der Anbaudiversifizierung im Zeitraum vom 1. bis 15. Juli 2019 wie Gras und andere Grünfutterpflanzen behandelt. Für die Pflicht zur Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen bleibt die bisherige Einstufung bestehen. Das TLLLR gibt bei Bedarf Auskunft, ob die Pflichten zur Anbaudiversifizierung problemlos erfolgen können.

Aufpassen bei Honigpflanzen und KULAP-Flächen

Die ÖVF-Brachen können Landwirte mit Ziegen und Schafen ab 1. August ohne Antrag uneingeschränkt beweiden. Für Brachen mit Honigpflanzen gilt diese mögliche Ausnahmegenehmigung nicht. Diese Flächen dürfen erst ab dem 1. Oktober durch Schafe oder Ziegen beweidet werden.

Landwirte können auch generell Streifenelemente als ökologische Vorrangflächen wie „Feldränder/Pufferstreifen“ und „Streifen beihilfefähiger Flächen am Waldrand“ nutzen. Diese können sie seit 2018 ganzjährig beweiden und ab 1. Juli auch für Winterfuttergewinnung durch Mahd nutzen. Bei diesen Flächen ist die Mahd nach dem 30. Juni ohne Beachtung weiterer Auflagen möglich.

Sind diese Streifenelemente zusammen mit einer KULAP-Verpflichtung wie ein- und mehrjährigen Blühstreifen nach den Programmteilen V411 bis V425 angelegt worden, sind hier die KULAP-Verpflichtungen das beschränkende Element. In diesem Fall scheidet eine Futternutzung aus.

Bayern: Nur in bestimmten Regionen Brache nutzbar

Kühe fressen im Stall

Wegen der Trockenheit in den vergangenen Wochen hat Bayern erlaubt, den Aufwuchs auf brachliegenden Flächen als Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) sowie auf sonstigen Bracheflächen für Futterzwecke in der Tierhaltung ab sofort zu nutzen.

Allerdings gilt das erst seit 8. Juli 2019 und nur in den folgenden Regionen:

  • alle Landkreise in den Regierungsbezirken Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken und Oberpfalz
  • sowie die Landkreise Regen, Freyung-Grafenau, Eichstätt, Donau-Ries und die Stadt Ingolstadt.

Mit der Möglichkeit, diese Flächen zu nutzen, kann den Landwirten schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Die genannten Regionen wurden basierend auf den Daten des Deutschen Wetterdienstes ermittelt. Es wurde dabei die Wassermenge berücksichtigt, die ein Boden für Pflanzen verfügbar speichern kann. Sollten durch den weiteren Witterungsverlauf mehr Gebiete betroffen sein, werden die Landwirte dort umgehend darüber informiert,teilt das Ministerium mit.

Mecklenburg-Vorpommern: Maximal 80 Prozent nutzbar

Till Backhaus, Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern können Landwirte seit 1. Juli Brachen, die als ökologische Vorrangflächen ausgewiesen wurden, für die Futter­gewinnung nutzen. Erlaubt sind Mahd und Beweidung, teilt das Agrarministerium mit.

Allerdings legte Minister Dr. Till Backhaus gleichzeitig fest, dass Landwirte im Interesse der Insekten und anderer Tiere pro stillgelegter Parzelle maximal 80 Prozent der Fläche nutzen dürfen, so dass für Insekten ein Rückzugsraum erhalten bleibt.

Ein gesonderter Antrag sei dazu ist nicht erforderlich. „Ich hoffe, wir können so den viehhaltenden Betrieben helfen, wenn auch sicherlich die Qualität des Futters auf diesen Flächen nicht mehr sehr hoch sein wird“, so Backhaus.

Rund 26.000 ha Brachflächen

Landwirtschaftliche Unternehmen haben auf Grund der extremen Trockenheit 2018 und des in 2019 anhalten­den ungünstigen Witterungsverlaufes mit unterdurch­schnittlichen Niederschlägen erhebliche Einbußen in der Futtererzeugung zu verzeichnen. So ist der erste Futterschnitt weit unter den in normalen Witterungs­jahren erzielten Erträgen zurück geblieben. Auch sind die Wasservorräte in den Böden nahezu aufgebraucht.

Durch diese Ausnahmegenehmigung stehen in Mecklenburg-Vorpommern rund 26.000 ha zusätzlich für die Futtergewinnung zur Verfügung.

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