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Agrarförderung

Dürre: Wo Landwirte Bracheflächen für Fütterung nutzen dürfen

am
15.07.2019
(1 Kommentar)

Etliche Bundesländer erlauben Landwirten, den Aufwuchs auf Bracheflächen als Futter zu nutzen. Hier eine Übersicht.

lpx-Grünland-Dürre

Immer mehr Bundesländer geben Bracheflächen für Futterzwecke frei. Nun hat Nordrhein-Westfalen reagiert. In Hessen sind in begründeten Ausnahmefällen Bracheflächen freigestellt.

Ab morgen, den 16. Juli, erlaubt nun auch Nordrhein-Westfalen Landwirten, ÖVF-Brachen für Futterzwecke zu nutzen. Der entsprechende Erlass ist heute ergangen. Allerdings müssen Landwirte einige Besonderheiten beachten. Die Nutzung des Aufwuchses ist nur für den eigenen Betrieb zugelassen. Jedoch ist Landwirte erlaubt, Futter kostenlos als Nachbarschaftshilfe abzugeben. 

Die neue Regelung gilt nur für folgende Kreise:

  • Kreis Borken,
  • Ennepe-Ruhr-Kreis,
  • Gütersloh,
  • Mettmann,
  • Minden-Lübbekce,
  • Oberbergischer Kreis,
  • Recklinghausen,
  • Rheinisch-Bergischer Kreis,
  • Soest,
  • Unna,
  • Warendorf,
  • Wesel.

Daneben trifft die Sonderregelung auf die kreisfreien Städte Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Essen, Hagen, Münster, Oberhausen, Remscheid, Solingen und Wuppertal zu.

Wer außerhalb der Regionen von Futterknappheit wegen Trockenheit betroffen ist, muss bei der zuständigen Genehmigungsbehörde einen Antrag stellen. ÖVF-Zwischenfrüchte und Brachen mit Honigpflanzen dürfen Landwirte nicht nutzen. Ähnliches gilt auch für Flächen, für die Agrarumweltauflagen wie Uferrand-, Erosionsschutz- und Blühstreifen.

Stilllegungsfläche

In Sachsen können Landwirte ab 16. Juli 2019 den Aufwuchs auf Bracheflächen zur Futternutzung verwenden. Landwirte brauchen dazu keine weitere
Anzeige oder Genehmigung.

Besonders wertvolle Blühflächen aus dem Agrarumweltprogramm dürfen Landwirte dagegen auch weiter nur ausnahmsweise und nach Einzelfallprüfung nutzen. Auf diese Weise werde der Sachsen auch unter diesen extremen Umständen seiner besonderen Verantwortung für den Schutz der Insekten und anderer wildlebender Tierarten gerecht, heißt es aus Dresden.

Entsprechende Anträge können die Landwirte an die örtlich zuständige Außenstelle des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) richten.

Ausnahmen in Rheinland-Pfalz

Biene auf Kornblume

Rheinland-pfälzische Landwirte können ab 16. Juli 2019, brachliegende Ackerflächen im gesamten Landesbereich zur Beweidung zu nutzen oder zu Futterzwecken zu mähen. „Die Trockenheit hat die Futterversorgung für viele tierhaltende Betriebe deutlich erschwert. Mit dieser Maßnahme wollen wir helfen, Futterengpässe zu vermeiden“ sagte Agrarminister Wissing. Damit reagiert der Minister auf die Futterknappheit infolge der Trockenheit in Rheinland-Pfalz.

Nicht unter die Ausnahmegenehmigung fallen Honigbrachen (Nutzcodes 065 und 066). Ein Großteil der Ackerbrachen sei aktiv begrünt und biete somit eine gute Möglichkeit, die bestehenden Futterengpässe zumindest teilweise auszugleichen, so Wissing.

In Thüringen ist ein Antrag nötig

AF-Trocken-Bestand-Grünland

Thüringische Landwirte können in diesem Jahr wieder die Futtergewinnung auf Brachen als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) beantragen. Dazu ist ein formloser schriftlicher Antrag bei der örtlich zuständigen Zweigstelle des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) zu stellen.

Das auf solchen Flächen gewonnene Futter kann für die eigene Tierhaltung oder auch für die Tierhaltung von Dritten dienen. Im Antrag sollen Landwirte die Flächen benennen und begründen, warum es sich im konkreten Fall um einen außergewöhnlichen Umstand handelt und in welchem Zeitraum Sie den Aufwuchs (Heu/Silage/Weide) nutzen.

Die Futternutzung von diesen flächigen Brachen hat im Rahmen der Direktzahlungen folgende Konsequenzen: Diese Brachen werden im Rahmen der Anbaudiversifizierung im Zeitraum vom 1. bis 15. Juli 2019 wie Gras und andere Grünfutterpflanzen behandelt. Für die Pflicht zur Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen bleibt die bisherige Einstufung bestehen. Das TLLLR gibt bei Bedarf Auskunft, ob die Pflichten zur Anbaudiversifizierung problemlos erfolgen können.

Aufpassen bei Honigpflanzen und KULAP-Flächen

Die ÖVF-Brachen können Landwirte mit Ziegen und Schafen ab 1. August ohne Antrag uneingeschränkt beweiden. Für Brachen mit Honigpflanzen gilt diese mögliche Ausnahmegenehmigung nicht. Diese Flächen dürfen erst ab dem 1. Oktober durch Schafe oder Ziegen beweidet werden.

Landwirte können auch generell Streifenelemente als ökologische Vorrangflächen wie „Feldränder/Pufferstreifen“ und „Streifen beihilfefähiger Flächen am Waldrand“ nutzen. Diese können sie seit 2018 ganzjährig beweiden und ab 1. Juli auch für Winterfuttergewinnung durch Mahd nutzen. Bei diesen Flächen ist die Mahd nach dem 30. Juni ohne Beachtung weiterer Auflagen möglich.

Sind diese Streifenelemente zusammen mit einer KULAP-Verpflichtung wie ein- und mehrjährigen Blühstreifen nach den Programmteilen V411 bis V425 angelegt worden, sind hier die KULAP-Verpflichtungen das beschränkende Element. In diesem Fall scheidet eine Futternutzung aus.

Bayern: Nur in bestimmten Regionen Brache nutzbar

Kühe fressen im Stall

Wegen der Trockenheit in den vergangenen Wochen hat Bayern erlaubt, den Aufwuchs auf brachliegenden Flächen als Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) sowie auf sonstigen Bracheflächen für Futterzwecke in der Tierhaltung ab sofort zu nutzen.

Allerdings gilt das erst seit 8. Juli 2019 und nur in den folgenden Regionen:

  • alle Landkreise in den Regierungsbezirken Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken und Oberpfalz
  • sowie die Landkreise Regen, Freyung-Grafenau, Eichstätt, Donau-Ries und die Stadt Ingolstadt.

Mit der Möglichkeit, diese Flächen zu nutzen, kann den Landwirten schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Die genannten Regionen wurden basierend auf den Daten des Deutschen Wetterdienstes ermittelt. Es wurde dabei die Wassermenge berücksichtigt, die ein Boden für Pflanzen verfügbar speichern kann. Sollten durch den weiteren Witterungsverlauf mehr Gebiete betroffen sein, werden die Landwirte dort umgehend darüber informiert,teilt das Ministerium mit.

Sachsen-Anhalt gibt Brachflächen frei

Sachsen-Anhalt hat ab sofort Bracheflächen auf Antrag für die Futternutzung frei gegeben. Das Landwirtschaftsministerium erlaubt, den Aufwuchs von Brachen, die als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) angemeldet wurden, zur Futternutzung im Einzelfall zuzulassen. Diese Ausnahme ist ab dem 1. Juli möglich, teilt das Agrarministerium heute mit.

Mit dieser Maßnahme unterstützt das Ministerium landwirtschaftliche Betriebe, in denen das Futter wegen Hitze und Trockenheit knapp wird.

Betriebe, die mehr als 15 Hektar Ackerland bewirtschaften, müssen 5 Prozent als ökologische Vorrangflächen bereitstellen. Dies kann unter andere über Bracheflächen erfolgen. Eine Nutzung von Bracheflächen, die als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) ausgewiesen sind, ist aufgrund nationaler Regelungen frühestens ab dem 1. Juli zulässig. Dazu können notleidende Betriebe entsprechende Anträge an das zuständige Amt für Flurneuordnung und Forsten (ALFF) formlos stellen. Eingegangene Anträge werden die Ämter zügig bearbeiten, sagt das Ministerium zu.

Die Futternutzung durch notleidende Nachbarbetriebe mit Viehhaltung ist zulässig und muss im Antrag konkret benannt werden. Eine Verwendung des Aufwuchses für andere Zwecke (zum Beispiel in einer Biogasanlage) ist nicht zulässig. Die Ausnahmen gelten ausschließlich zur Futterversorgung in tierhaltenden Betrieben aufgrund regionaler Engpässe.

Mecklenburg-Vorpommern: Maximal 80 Prozent nutzbar

Till Backhaus, Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern können Landwirte seit 1. Juli Brachen, die als ökologische Vorrangflächen ausgewiesen wurden, für die Futter­gewinnung nutzen. Erlaubt sind Mahd und Beweidung, teilt das Agrarministerium mit.

Allerdings legte Minister Dr. Till Backhaus gleichzeitig fest, dass Landwirte im Interesse der Insekten und anderer Tiere pro stillgelegter Parzelle maximal 80 Prozent der Fläche nutzen dürfen, so dass für Insekten ein Rückzugsraum erhalten bleibt.

Ein gesonderter Antrag sei dazu ist nicht erforderlich. „Ich hoffe, wir können so den viehhaltenden Betrieben helfen, wenn auch sicherlich die Qualität des Futters auf diesen Flächen nicht mehr sehr hoch sein wird“, so Backhaus.

Rund 26.000 ha Brachflächen

Landwirtschaftliche Unternehmen haben auf Grund der extremen Trockenheit 2018 und des in 2019 anhalten­den ungünstigen Witterungsverlaufes mit unterdurch­schnittlichen Niederschlägen erhebliche Einbußen in der Futtererzeugung zu verzeichnen. So ist der erste Futterschnitt weit unter den in normalen Witterungs­jahren erzielten Erträgen zurück geblieben. Auch sind die Wasservorräte in den Böden nahezu aufgebraucht.

Durch diese Ausnahmegenehmigung stehen in Mecklenburg-Vorpommern rund 26.000 ha zusätzlich für die Futtergewinnung zur Verfügung.

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