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Ernteausfälle

Dürreversicherung: Für deutsche Landwirte keine Option?

Ernte von Weizen
am Donnerstag, 12.07.2018 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

In diesem Jahr müssen Landwirte drastische Produktions- und Einkommenseinbußen verkraften. Versicherungen gegen dürrebedingte Ausfälle gibt es: In anderen Ländern ist staatliche Unterstützung für dürrebedingte Produktionsausfälle üblich. Und hierzulande?

Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet 2018 mit der kleinsten Getreideernte seit sieben Jahren. Auch Heu, Stroh, Silage und anderes Tierfutter werden knapp und teuer. Damit wird jedoch auch eine ausreichende Versorgung der Tierbestände sehr schwierig.

Ursache für den Produktionseinbruch und die wirtschaftlichen Folgen ist die extreme Trockenheit der letzten Wochen. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern ist es für Landwirte in Deutschland jedoch sehr teuer, sich gegen Dürreschäden zu versichern.

Bund und Länder unterstützen die Landwirtschaft bislang trotz steigender Risiken nicht. Dabei sind Dürren die häufigste und finanziell am stärksten wirkende Schadensursache. In der Praxis ist es bislang dennoch kaum üblich, Versicherungen gegen Trockenschäden abzuschließen, obwohl diese seit 2016 als sogenannte Indexversicherung auch in Deutschland angeboten werden.

Hohe Schäden, keine Versicherung

Das Bundesland Sachsen-Anhalt ist besonders stark von der Folgen der jüngsten Dürre betroffen. Dennoch sind nach einer Schätzung des Bauernverbandes höchstens 2 % der Landwirte gegen Ernteausfälle wegen Trockenheit und Dürre versichert.

Gegenüber dem MDR stellte der Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, Olaf Feuerborn, fest, dass in diesem Jahr viele Landwirte Anspruch auf Geld aus einer solchen Versicherung hätten. Im Osten und im Norden Sachsen-Anhalts betrügen die Verluste nach seiner Einschätzung bis zu 80 oder 90 %. In der Börde liegen die Verluste zwischen 20 und 30 %. Feuerborn forderte die Politik auf, staatliche Mittel freizugeben und Direkthilfen zu zahlen. Wolle die Politik die Landwirte künftig in eine Versicherung bringen, müsse sie das auch finanziell unterstützen.

Andere Länder, andere Sitten?

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In anderen europäischen Ländern und in den USA ist diese staatliche Unterstützung für dürrebedingte Produktionsausfälle üblich. Mit bis zu 70 % werden entsprechende Versicherungen in Frankreich, Italien, Polen, Spanien, den Niederlanden und Österreich staatlich bezuschusst. Auch Rumänien, Ungarn, Kroatien und Litauen unterstützen ihre Landwirte in diesem Bereich.

Das zeigt eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherer (GDV) aus dem Jahr 2016. In Deutschland, Dänemark, Schweden und dem Vereinigten Königreich gehen die Landwirte hingegen leer aus. Die Unterstützungen fließen in den Ländern dabei aus unterschiedlichen Quellen. So werden sowohl EU-Agrargelder verwendet als auch nationale Finanzmittel.

Im Hinblick auf die Dürreschäden ist typisch, dass diese kaum lokal begrenzt auftreten, sondern große Regionen betroffen sind. Das treibt die Schadenssummen nach oben und macht Policen gegen Trockenheit so teuer, betont der Vorsitzende der Vereinigten Hagelversicherung, Rainer Langner, gegenüber der Frankfurter Rundschau. 

Die größten Schäden durch Dürre

Hinzu kommt, dass die Versicherungssteuer für Agrarpolicen gegen Hagel, Sturm, Starkregen, Überschwemmung und Frost von der Bundesregierung von 19 % auf nur noch 0,3 % gesenkt wurde. Für Policen gegen Trockenheit liegt die Steuer hingegen unverändert bei 19 %. Das passt eigentlich nicht zur Realität in der Landwirtschaft, denn Dürren verursachen in den Betrieben oft enorme Schäden und sind mitunter existenzgefährdend.

Die Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherer (GDV) zeigt, dass Wetterextreme zwischen 1990 und 2013 in Deutschland jährliche Ernteausfälle von durchschnittlich 511 Mio. Euro verursacht haben. Von dem jährlichen Durchschnittsschaden entfällt mit 276 Mio. Euro mehr als die Hälfte auf Trockenheit.

Trockenheit ist kaum versichert

Die extrem hohen Schäden bei Trockenheit machen es für die Versicherungswirtschaft jedoch auch schwer, Risikokapital zur Deckung der Ernteausfälle bereitzustellen, betont der GDV in seiner Studie. Die Extremjahre 1993 mit Dürreschäden von 2,1 Mrd. Euro und 2003 mit Schäden von 1,6 Mrd. Euro zeigen, welche Ausmaße diese sogenannten Kumulschäden annehmen können.

Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Hagelversicherung, Rainer Langer, geht im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau davon aus, dass die möglichen Schäden der aktuellen Dürre noch höher sind. "Ich fürchte, dass wir die Summe von 2 Mrd. Euro überschreiten werden“, sagt Langner mit Blick auf die sich abzeichnenden Ernteausfälle.

Trotz dieser enormen Einbußen belief sich der versicherte Anteil der Katastrophen- bzw. Kumulschäden durch Auswinterung, Überschwemmung und Trockenheit im Jahr 2015 lediglich auf rund 0,5 % der Ackerfläche. Gegen Hagel haben die Landwirte in Deutschland hingegen drei Viertel ihrer Ackerflächen versichert.

Der GDV kommt in seiner Untersuchung zu dem Ergebnis, „dass eine erhöhte Nachfrage aus der Landwirtschaft nur durch staatliche Förderung der Versicherungsbeiträge erreicht werden kann“.

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