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Strukturwandel

DZ Bank: Der bäuerliche Familienbetrieb stirbt aus

Traktor in Winterlandschaft
© agrarfoto
von am
21.12.2017

In den nächsten zwanzig Jahren werden fast zwei Drittel aller Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland aufgeben. Davon geht die DZ Bank aus.

Entwicklung der Betriebszahl
© DZ Bank

In einer heute in Auszügen veröffentlichten Studie der DZ BANK heißt es, die Landwirtschaft in Deutschland werde sich durch Digitalisierung und Demografie in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern. Bis zum Jahr 2040 könnte die Zahl der Betriebe von derzeit 275.000 auf rund 100.000 sinken. Die durchschnittliche Betriebsgröße wird von 60,5 auf etwa 160 ha steigen. Gleichzeitig dürften sich die Arbeitsplätze im Sektor ohne Saisonkräfte auf 325.000 halbieren.

Allerdings soll die Digitalisierung die Bruttowertschöpfung im landwirtschaftlichen Sektor um bis zu 15 Prozent steigern.

Neuer Schub beim Höfesterben

Betriebsgrößenentwicklung
© DZ Bank

Die DZ Bank geht davon aus, dass langfristig große, kapitalintensive und betriebswirtschaftlich organisierte Agrarbetriebe, die modernste Technik einsetzen, die Branche prägen werden.

Die Landwirtschaft zählt zu den Wirtschaftszweigen, in denen Digitalisierung eine deutlich effizientere Produktion verspricht. Allerdings sind die neuen Techniken mit hohen Investitionen verbunden. Das verstärkt den Druck zur Bildung größerer Betriebseinheiten.

Hinzu kommt die sich verschärfende Nachfolgeproblematik. Spätestens wenn die geburtenstarken Jahrgänge unter den Landwirten in den Ruhestand gehen, ist mit einem neuen Schub beim „Höfesterben“ zu rechnen.

20 Prozent Ökofläche werden erreicht

Während herkömmliche Betriebe immer weniger und dafür größer werden, übernehmen nach Einschätzung der DZ Bank künftig Öko-Bauernhöfe einen wachsenden Teil der Agrarproduktion.

Antreiber dieser Entwicklung sind veränderte Ernährungsgewohnheiten und Umweltschutzbemühungen.

Selbst wenn sich der aktuell starke Zuwachs an Bio-Höfen abschwächt, soll die Zahl der Öko-Bauern bis 2040 auf rund 45.000 zunehmen. Der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen könnte von derzeit 10 auf etwa 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands wachsen.

Der Schlüssel liegt in der Bildung

Aus Sicht der DZ Bank droht langfristig droht die Abkehr vom Jahrhunderte alten Modell des bäuerlichen Familienbetriebs, den selbstständige Bauern, kleine Betriebseinheiten und mithelfende Familienangehörige kennzeichnen.

Künftig prägen immer stärker zwar inhabergeführte, aber große, kapitalintensive und betriebswirtschaftlich organisierte Agrarunternehmen die Branche. Die neue Generation landwirtschaftlicher Unternehmen nutzt intensiv modernste Technik und greift trotz rückläufigem Arbeitskräfteeinsatz zunehmend auf familienfremde Fachkräfte zurück.

Der Schlüssel für den erfolgreichen Übergang in eine hochmoderne wettbewerbsfähige deutsche „Landwirtschaft 4.0“ sind eine gute Aus- und Weiterbildung sowie zukunftsweisende Investitionen.

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