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Landwirtschaftliche Einkommen und Kosten

Wie erfolgreich wirtschaften ostdeutsche Großbetriebe – Die Fakten!

Landwirtschaftliche Maschine bei der Gertreideernte auf einem Feld
am Dienstag, 30.03.2021 - 12:37 (4 Kommentare)

Landwirtschaftliche Großbetriebe sind anderen Betriebsformen überlegen - behaupten Ökonomen. Doch stimmt das wirklich?

Bruttoinvestitionen in der Landwirtschaft von Einzelunternehmen und juristischen Personen von 2010 bis 2020

Wie sehr wirken die sogenannten Skaleneffekte und welche Kriterien machen den ökonomischen Erfolg in der Landwirtschaft aus? Ein Blick in das Testbetriebsnetz des Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) zeigt ein weitaus differenziertes Bild – zumindest im direkten Vergleich mit den bäuerlichen Betrieben. Oder technisch gesagt: Beim Vergleich der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe (Einzelunternehmen und Personengesellschaften wie GbR) mit den Juristischen Personen (Agrargenossenschaften und GmbHs).

Dort kommt heraus: Die Großbetriebe schneiden bei etlichen agronomischen Kennziffern schlechter ab als die bäuerlichen Betriebe – und das ist auch bei den ökonomischen Parametern so. Besonders problematisch ist vielleicht: Der Anteil der Subventionen am Einkommen der Großbetriebe ist höher als bei den Einzelunternehmen.

Und noch Aspekt, an dem die Ökonomen den Vorteil großbetrieblicher Strukturen festmachen, passt nicht ins Bild: Das ist der Kapitaleinsatz. Auch hier sind die Großbetriebe – bezogen auf die Fläche – nicht im Vorteil: Die Brutto-Investitionen sind im 10-Jahresmittel nämlich gut 20 Prozent niedriger und die Technikinvestitionen sind nicht einmal halb so hoch.

Doch woran liegt das? Und geben die Daten des Testbetriebsnetzes darüber Auskunft? Fakt ist jedenfalls: Die Daten liegen sehr detailliert und über einen langen Zeitraum vor und bilden so auch die wirtschaftlichen Hochs und Tiefs der letzten Jahre gut ab.

Sehr viele Fläche und hohe Personalkosten

Personalaufwand beziehungsweise Lohnkosten in der Landwirtschaft: Vergleich von Einzelunternehmen und juristischen Personen

In zwei Merkmalen unterscheiden sich Großbetriebe und Einzelunternehmen gravierend:

  • die bewirtschaftete Fläche
  • und die Anzahl der Arbeitskräfte

Die Daten des Testbetriebs-Netzes zeigen: Die ostdeutschen Großbetriebe bewirtschaften im Schnitt 1.151 Hektar – davon sind zwei Drittel Pachtland. Die im Testbetriebsnetz erfassten landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe haben mit 92 Hektar nicht einmal 10 Prozent der Fläche zur Verfügung – davon ist etwas mehr als die Hälfte Pachtland.

Beschäftigt sind in den Großbetrieben im Schnitt 18,6 Arbeitskräfte – die natürlich alle Lohnarbeitskräfte sind. In den Einzelunternehmen sind durchschnittlich 2,3 Arbeitskräfte tätig – davon sind rund 60 Prozent Familienarbeitskräfte. Bezogen auf die Fläche sieht die Sache jedoch völlig anders aus – bzw. die Situation kehrt sich ins Gegenteil um: Pro 100 Hektar LF arbeiten im Großbetrieb 1,7 Arbeitskräfte. In den Einzelunternehmen sind es immerhin 2,7 – also etwa eine AK mehr.

Zumindest teilweise hat der höhere AK-Besatz je Fläche jedoch mit der sehr unterschiedlichen Ausrichtung der Produktion zu tun – doch davon etwas später. Ein Problem der Großbetriebe, das die Einzelunternehmen so nicht haben, sind die sehr hohen Lohnkosten (Personalaufwand). Diese schlagen in bei den großen Unternehmen im Schnitt der letzten 10 Jahre mit 532 Euro je 100 Hektar LN zu Buche, mit steigender Tendenz – in den Einzelunternehmen liegen diese Kosten mit 201 Euro nicht einmal halb so hoch.  

Großbetriebe: Getreideproduktion im Fokus – wenig Tierhaltung

Viehbesatz je 100 Hektar Landfläche bei Einzelbetrieben und Großunternehmen im Vergleich

Ein weiteres typisches Merkmal der Großbetriebe ist: Die starke Ausrichtung der Produktion auf den Ackerbau – bzw. auf die Getreideproduktion. Das wird zum einen an dem hohen Anteil des Ackerbaus an den betrieblichen Umsatzerlösen deutlich. Zum anderen auch am erheblich geringeren Tierbesatz je Hektar Betriebsfläche. Fakt ist: Während die landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe zuletzt noch 136 VE je 100 Hektar LN hielten – waren es in den ostdeutschen Großbetrieben gerade einmal 68 VE – also etwa die Hälfte.

Zudem ist der Viehbesatz in den großen Unternehmen in den letzten sieben Jahren nochmals um mehr als Viertel geschrumpft. In den Einzelunternehmen betrug der Rückgang der Tierbestände im gleichen Zeitraum nicht einmal 3 Prozent.

Am meisten „tierisches Know How“ haben die ostdeutschen Großbetriebe offensichtlich in der Milchproduktion. Hier schneiden sie – zumindest was die Milchleistung betrifft – mit zuletzt 9.588  kg je Kuh und Jahr, deutlich besser ab als die Kollegen in Einzelunternehmen mit 8.290 kg je Kuh und Jahr. Das ist eine Differenz von reichlich 15 Prozent. Auch die Zahl der Ferkel je Sau ist bei den Großbetrieben etwas höher als in den Bauernwirtschaften.

Dennoch: In der Summe aller vermarkteten tierischen Produkte, sind die vom BMEL ausgewiesenen tierischen Umsatzerlöse der Einzelunterhemen – also der Bauern – im Mittel der letzten 10 Jahre mit 2070 Euro je Hektar LF etwa doppelt so hoch, wie bei den Großbetrieben – die nur auf 936 Euro je Hektar LF kommen.

Im Ackerbau fast gleich – Umsatzerlöse aber ein Drittel niedriger

Umsatzerlöse in der Landwirtschaft im Vergleich: Großbetriebe und Einzelunternehmen

Ein etwas anders Bild ergeben die agronomischen und betriebswirtschaftlichen Daten in der Getreideproduktion. Ein Blick auf die Erträge beim Weizen zeigt: Hier ernteten die Großbetriebe im Schnitt der letzten 10 Jahre 70 dt je Hektar – fast 15 dt weniger als im Spitzenjahr 2014. Die Einzelunternehmen schaffen im 10-Jahresdurchnitt 74 dt und im Spitzenjahr 2014 waren es 82 dt je Hektar.

Das heißt: Die Ertragsunterschiede sind in der Getreideproduktion nicht allzu groß. Auffällig ist auch: In den letzten Jahren gab es offenbar aus Witterungsgründen (3 Jahre Trockenheit) und möglicherweise auch infolge einer stärker beauflagten Düngung in beiden Betriebsformen rückläufige Getreideerträge.

Auffällig ist zudem: Im Kartoffelanbau und der Zuckerrübenproduktion sind die Erträge der Einzelunternehmen im Schnitt 10 Prozent höher als bei den Großbetrieben. Wie schlagen sich die agronomischen Kennziffern aber in den pflanzlichen Umsatzerlösen nieder? Fakt ist: Im 10-Jahresmittel kommen Großbetriebe und Einzelunternehmen mit 767 bzw. 780 Euro je Hektar fast auf dieselben Werte.

Insgesamt sieht die Sache dennoch anders aus: In der Summe der pflanzlichen und tierischen Umsatzerlöse erwirtschafteten die Einzelunternehmen im 10-Jahremittel 3.452 Euro je Hektar LF – die Großbetriebe kommen wegen der schwächeren Umsatzerlöse aus der Tierproduktion nur auf 2.300 Euro je Hektar LF – ein Abstand zu den Einzelunternehmen von etwa einem Drittel!

Kostenvorteile – aber höhere Subventionen

Landwirtschaftliche Einkommen von Großbetrieben und Einzelunternehmen im Vergleich

Das betriebliche Einkommen pro Arbeitskraft – das ist bei den juristischen Personen der Jahresüberschuss vor Steuern plus Personalaufwand ist und bei den Einzelunternehmen der Gewinn plus Personalaufwand – liegt bei den Großbetrieben im Mittel der letzte 10 Jahre  bei 36.700 Euro je AK und bei den Einzelunternehmen bei 33.100 Euro je AK – etwa 10 Prozent auseinander.

Dabei haben allerdings auch die Einzelunternehmen in einer Reihe von Jahren höhere Einkommen erzielt als die Großbetriebe– so dass die Differenz nicht überwertet werden sollte. Auch im Wirtschaftsjahr 2019/20 lagen die Einkommen in beiden Betriebsformen mit 37.365 und 37.363 Euro je AK - fast exakt auf dem gleichen Niveau.

Deutlich größer sind die Unterschiede hingegen bei den Kosten: Währen die Kosten für den Personalaufwand in den Großbetrieben mit  532 Euro je Hektar mehr als doppelt so hoch sind wie die Personalkosten im Einzelunternehmen mit 200 Euro – sieht es bei den Materialkosten genau anderes herum aus. Die Testbetriebsdaten zeigen jedenfalls: Im Großbetrieb liegen die Materialkosten im 10-Jahresmittel bei etwa 1.330 Euro je Hektar – Im Einzelunternehmen waren es knapp 1.900 Euro – und damit gut 40 Prozent mehr.

Das betrifft jedoch weniger solche Kostenarten wie Dünger oder Pflanzenschutz – als vielmehr den Einkauf von Futtermitteln, Tieren und sonstigen Dienstleistungen.

Einen wesentlichen Unterschied zwischen Großbetrieben und Einzelunternehmen gibt es noch: Nämlich der Anteil der Subventionen am betrieblichen Einkommen. Während dieser Anteil bei den als Einzelunternehmen wirtschaftenden Haupterwerbsbetrieben im Schnitt der letzten 10 Jahre bei 46 Prozent lag – waren es bei den Großbetreiben deutlich mehr, nämlich 60 Prozent.

Das macht auch eines deutlich: Nämlich eine stärkere Anfälligkeit der großen Unternehmen bei Kürzungen der Direktzahlungen. Das dürfte dann wohl nur durch eine weitere Reduzierung der Arbeitskräfte und einen weiteren Abbau der arbeitsintensiven Tierhaltung abzufangen sein.

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