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Erntehelfer im Einsatz: Das müssen Sie unbedingt beachten

Spargel stechen
am Freitag, 04.05.2018 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Die gesetzlichen Auflagen für Saisonarbeitskräfte steigen und die Kontrollen werden immer strenger. Wir erklären, worauf es wirklich ankommt.

Um neue Saisoanarbeitskräfte einzustellen, muss sich jeder Betriebsleiter zunächst durch einen Papierdschungel quälen. Peter Bartz von der bvm Bartz Versicherungsmakler GmbH betreut 450 Agrarunternehmen in Deutschland und weiß, wie hoch der bürokratische Aufwand für Landwirte als Arbeitgeber ist. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

In Deutschland gilt ein gesetzlicher Mindestlohn für grundsätzlich alle Branchen und Beschäftigten, unabhängig von ihrer Nationalität. Seit dem 1. Januar 2018 gilt dieser auch in der Landwirtschaft. Dieser beträgt aktuell 8,84 Euro/Stunde und wird zum 1. Januar 2019 erhöht.

Der Erntehelfer ist nicht sozialversicherungspflichtig wenn...

Die Saisontätigkeit darf nicht berufsmäßig sein. Es muss also ein anderes Einkommen vorgewiesen werden. Bei Studenten, Rentnern, Hausfrauen und Hausmännern geht man davon aus, dass eine weitere Einkommensquelle wie zum Beispiel die Rente im Heimatland vorliegt. Der Nachweis bei der Hausfrau oder dem Hausmann kann über eine Gehaltsbescheinigung des Ehepartners oder eine Eheurkunde erfolgen. In diesem Fall besteht keine Sozialversicherungspflicht. Zusätzlich zu diesem Nachweis muss vorab ein vierseitiger Fragebogen ausgefüllt werden. Fehlen die Beweise für eine andere Einkommensquelle, muss der A1-Vordruck  vorliegen. Der Arbeitgeber meldet daraufhin den Saisonarbeitnehmer im Sozialversicherungssystem des Wohnstaats an und führt die Sozialabgaben an den zuständigen Versicherungsträger ab.

Der Erntehelfer ist sozialversicherungspflichtig wenn...

Für ausländische Saisonkräfte, die weiterhin in ihrem Wohnstaat beschäftigt sind und beispielsweise während ihres bezahlten Urlaubs in Deutschland arbeiten  (Ausnahme Bulgarien), gelten ausschließlich die Rechtsvorschriften ihres Wohnstaates. Sie müssen deshalb dem deutschen Arbeitgeber einen entsprechenden Nachweis (Vordruck A 1) vorlegen. Der Arbeitgeber meldet daraufhin den Saisonarbeitnehmer im Sozialversicherungssystem des Wohnstaates an und führt die Sozialabgaben an den zuständigen Sozialversicherungsträger des Wohnstaates ab.

Der Arbeitsvertrag muss befristet sein

Ist die Frage der Sozialversicherung geklärt, erfolgt die Meldung bei der Knappschaft, und es wird ein befristeter Arbeitsvertrag geschlossen. Der befristete Arbeitsvertrag muss wirklich befristet sein. Entweder für eine bestimmte Kulturdauer, drei Monate oder 70 Tage.

Unterweisung nicht vergessen

Wichtig sind auch die Unterweisung der Saisonarbeitskräfte in Hygiene, Arbeitssicherheit, Pausenzeiten und Hautschutz sowie die zugehörige Dokumentation. Hat sich der Landwirt selbst schulen lassen, kann er die Unterweisung auf seinem Betrieb selbstständig vornehmen. Hilfreich sind die Kurzfilme der Sozialversicherung, die auch auf der Videoplattform Youtube in verschiedenen Sprachen zu finden sind.

 

Arbeitszeiten dokumentieren

Der Landwirt ist verpflichtet, die Arbeitszeiten zu dokumentieren. Der Arbeitnehmer darf an Werktagen nicht länger als 8 Stunden arbeiten, wobei auch der Samstag als Arbeitstag zählt. Die Arbeitszeit kann ohne Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamtes auf 10 Stunden verlängert werden. Für die Landwirtschaft gibt es eine Sonderregelung an Sonn- und Feiertagen. Wer gegen die Vorschriften verstößt, muss mit hohen Strafen rechnen. 75 Euro kostet laut Bußgeldkatalog eine überzogene Stunde je Arbeitskraft.

Erntehelferversicherung in Betracht ziehen

Keine Pflicht, aber eine Empfehlung: Der Abschluss einer Erntehelferversicherung. Denn viele Saisonarbeitskräfte haben keine Auslandskrankenversicherung. Die Kosten sind mit rund 35 bis 70 Cent je Tag und Arbeitskraft nicht zu hoch und viele Risiken werden abgesichert.

 

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