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Mehrgefahrenversicherung

Ernteversicherungen: Was neu am Markt ist

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Josef Koch, agrarheute
am
08.04.2019

Ganz neu auf dem Markt für Ernteversicherungen sind zwei Produkte, die nach einem Ertragsindex entschädigen. Ein Vergleich lohnt sich.

Ganz neu im Konzert der Mehrgefahrenversicherer ist die SV SparkassenVersicherung. „Das neue Sparkassenprodukt ist eine Allgefahrendeckung“, erläutert Vertriebsexperte Peter Brenner von der SV SparkassenVersicherung. „So sind alle Gefahren gedeckt, die Ernteeinbußen verursachen, auch Verbote von Pflanzenschutzmitteln. Ausgenommen sind lediglich Schäden durch Krieg, politische Unruhen, Kernenergie oder vorsätzlich herbeigeführte Ernteausfälle.“

Im Gegensatz zu den bisherigen Ernteversicherungen ist es bei der SV Ernteindex nicht möglich, nur bestimmte Wetterrisiken auszuwählen. Das ist anders als beispielsweise bei der Vereinigten Hagel, wo Landwirte neben dem Grundrisiko Hagel auch wählen können, ob sie Rüben gegen Starkregen und/oder Trockenheit versichern wollen.

Ausführliche Informationen zu der neuartigen Ernteversicherung des neuen Anbieters und weiteren Produktneuerungen bei der Versicherungskammer Bayern lesen Sie in der aktuellen Aprilausgabe des agrarheute-Magazins. 

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Unterschiedliche Selbstbehalte

Basis für die Entschädigung beim SV Ernteindex ist der regionale Hektarertrag des Landkreises. Ist er kleiner als das zehnjährige Mittel, erhält der Landwirt eine Entschädigung. Die Höhe der Entschädigung hängt von seinem abgesicherten Ertragsniveau ab. Kunden können zwischen 75 und 95 Prozent des zehnjährigen Ertragsmittels absichern.

Die Auszahlung der Entschädigung erfolgt spät. Da die Versicherung keine Schadenschätzer vor Ort hat, muss sie warten, bis die amtlichen Erträge festgestellt sind. Oft ist dies erst im Februar oder März des Folgejahrs der Fall. Landwirte müssen so rund sieben bis acht Monate auf ihr Geld warten. Trotz einer Ertragsschadenversicherung benötigt man also ein ausreichendes Liquiditätspolster bei größeren Ernteschäden.

Aus Sicht der agrarheute-Redaktion sollte die SV SparkassenVersicherung daher eine Vorschusszahlung im Schadenfall vorsehen. 

Schwachpunkt: Individuelle Risiken nicht erfasst

Unter Umständen gehen Landwirte sogar ganz leer aus, obwohl sie erhebliche Ertragseinbußen hatten. Dies ist bei regional begrenzten Schadensereignissen wie Hagel der Fall. Da können die Schäden auf den eigenen Flächen groß sein, aber auf anderen Flächen im Landkreis gering ausfallen. Folglich wird der durchschnittliche Ertrag im Landkreis kaum beeinflusst. Das abgesicherte Ertragsniveau wird nicht unterschritten und die Versicherung muss nicht zahlen. Natürlich kann es aber auch anders sein. 

Versichern können Landwirte grundsätzlich alle Ackerkulturen wie Getreide, Silomais, Ölsaaten, Zuckerrüben oder Kartoffeln. Leguminosen und Sonderkulturen wie Spargel, Erdbeeren oder Gemüse sind indes über SV Ernteindex nicht versicherbar. Auch Ertragsausfälle auf Grünland sind nicht erfasst. Das ist bei den Angeboten anderer Versicherer jedoch ebenso der Fall.

Münchener & Magdeburger Agrar hat auch Indexprodukt entwickelt

MMA-APP-Indexvesicherung

Neu bei der Münchener & Magdeburger Agrar AG (MMA) ist die ertragsbasierte Ernteindexversicherung. Sie berücksichtigt den individuellen Ertrag der versicherten landwirtschaftlichen Fläche.

Bis zum Redaktionsschluss der Aprilausgabe war die Versicherung leider mit der Produktentwicklung nicht fertig. Daher konnten wir die Ernteindexversicherung nicht mit dem SVErnteindex vergleichen.

Mittels App simuliert die MMA das tatsächliche individuelle Wetterrisiko des Betriebs mit Echtdaten und der Wetterhistorie. Den erwarteten Minderertrag durch Wettergefahren als Indexwert können Landwirte auf Basis dieses individuellen Simulationsmodells absichern. Unterschreitet der Indexwert den langjährigen Durchschnitt des Ertrags, zahlt die Versicherung die Differenz je nach vereinbartem Selbstbehalt aus.

Die Analyse der Wettergefahren ist laut MMA damit passgenauer zum Minderwuchs, weil die App verschiedene Faktoren wie die Historie und landwirtschaftliches Fachwissen einrechnet. Die App „CYA -Crop Yield Analysis“ ist über den App Store oder über Google Play verfügbar.

Einige Neuerungen hat die MMA auch bei ihren bisherigen pauschalen Trockenheitsversicherungen vorgenommen. So sind jetzt über 100 Kulturen versicherbar, auch spezielle Kulturen wie Hopfen oder Obst und Gemüse sind hinzugekommen. 

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