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Agrarpolitik und Strukturwandel

EU: Kleine Bauernhöfe sind die Verlierer

Ackerfläche
am Montag, 22.06.2020 - 12:35 (2 Kommentare)

Kleine Bauernhöfe sind in der Europäischen Union wirtschaftlich klar im Nachteil. Und sie stehen ökonomisch erheblich stärker unter Druck als die größeren Betriebe.

Das zeigt eine Untersuchung der Europäische Kommission, über die Entwicklung der ökonomischen Kennzahlen nach Betriebsgrößen in der Europäischen Union. Deutlich wird dabei, dass die kleinen Höfe unter 5 Hektar zwar die mit Abstand größte Gruppe der Betriebe stellen – ihre Zahl jedoch erheblich schneller schrumpft als die der größeren Höfe.

Ab einer bewirtschafteten Fläche von mehr als 100 Hektar nimmt die Zahl der Betrieb dann sogar zu. Außerdem unterscheidet sich die Betriebsstruktur und die Wirtschaftskraft der landwirtschaftlichen Betriebe zwischen den europäischen Ländern erheblich.

Kleine Höfe nicht überlebensfähig?

Ackerfläche

Nach den Daten der Kommission hat die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Europäischen Union von 2010 bis 2016 um etwa 15 Prozent auf noch 10,2 Millionen Betriebe abgenommen.

Dabei schrumpfte die Zahl der Höfe mit weniger als 5 Hektar am stärksten – nämlich um knapp ein Fünftel auf etwa 6,8 Millionen. Das heißt aber auch, dass diese Gruppe in der EU noch immer zwei Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe stellt. Das Tempo der Betriebsaufgaben in den nachfolgenden Größengruppen war hingegen etwa gleich und lag zwischen 5 und 6 Prozent.

Die Zahl der Betriebe zwischen 50 und 100 Hektar hat dann mit 3 Prozent nur noch halb so schnell abgenommen – und ab 100 Hektar hat die Kommission dann eine Zunahme der landwirtschaftlichen Betriebe von 6 Prozent festgestellt. Insgesamt sind in dieser größten Gruppe mit etwa 305.000 jedoch gerade einmal 3 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe der EU zu finden.

Besonders kleine Strukturen in Osteuropa

Acker

In Osteuropa sind viele Betriebe allerdings noch erheblich kleiner als hierzulande – und damit kaum in der Lage im internationalen Wettbewerb zu bestehen. In Deutschland und Frankreich lag die durchschnittliche Größe der Betriebe bei 60 ha. Im Vereinigten Königreich waren es fast 100 ha. In Rumänien sind die Betriebe hingegen nur knapp 4 Hektar groß, in Polen sind es 10 Hektar und in Italien 12 Hektar.

Gleichzeitig befinden sich jedoch ein Drittel (!!!)  aller in Europa vorhandenen Bauernhöfe in Rumänien, etwa 13 Prozent in Polen und knapp 10 Prozent in Italien. Der Anteil Deutschlands an allen europäischen Landwirtschaftsbetrieben lag gerade einmal bei 2,6 Prozent. In Frankreich wirtschafteten 4,3 Prozent der in Europa gezählten Bauern.

Die Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat zeigen außerdem: Während die Anzahl der Betriebe in der EU schrumpft, geht die landwirtschaftlich genutzte Fläche kaum zurück. Also: Ein sehr deutlicher Konzentrationsprozess. Danach wurden in der EU im Jahr 2016 etwa 157 Millionen Hektar Land für die landwirtschaftliche Erzeugung genutzt. Gegenüber dem Jahr 2013 sind das knapp 2,3 Millionen Hektar bzw. 1,5 Prozent weniger.

Kleine Betriebe verdienen nichts

Milchbauer

Der Grund für den starken Rückgang der kleinen Höfe liefert die Europäische Kommission gleich mit: Mehr als die Hälfte aller Betriebe in der EU hat weniger als 4000 Euro  landwirtschaftliche Einnahmen – im Jahr!. Davon kann natürlich niemand leben, so dass diese Höfe entweder im Nebenerwerb bewirtschaftet werden oder – wie in Osteuropa häufig – fast ausschließlich zur Selbstversorgung dienen.

Über ein betriebliches Einkommen von mehr als 50.000 Euro verfügen in Europa gerade einmal 13 Prozent der Betriebe – also knapp 1,4 Millionen. Ein Einkommen von mehr als 100.000 Euro können nur 9 Prozent aller Betriebe verbuchen.

Auch zwischen den europäischen Ländern verteilt sich die Wirtschaftskraft der Betriebe völlig anders als die Anzahl der Höfe: Rund 17 Prozent des in der EU erzeugten Agrar-Produkts erwirtschafteten 2016 französische Bauern. Deutschlands Landwirte steuerten immerhin 13 Prozent bei, Italien kommt auf 12 Prozent und Spanien auf einen Anteil von 11 Prozent.

Obwohl sich in Rumänien ein Drittel aller Betriebe befindet, kann das Land nur 3,4 Prozent zum EU-Agrarprodukt beitragen. Die Wirtschaftskraft und Wettbewerbsfähigkeit der überwiegend sehr kleinen rumänischen Betriebe ist also ausgesprochen schwach.

Direktzahlungen kaum an kleine Betriebe

Mann auf dem Acker

Interessant ist auch die Verteilung der landwirtschaftliche Direktzahlungen und Subventionen zwischen den Betriebsgrößen – denn diese orientiert sich im Wesentlichen an der bewirtschafteten Fläche der Betriebe: Danach erhalten rund drei Viertel aller landwirtliche Betriebe in der EU gerade einmal 16 Prozent der Zahlungen. Je Betrieb bzw. Empfänger sind das für diese Gruppe der kleinen Höfe maximal 5000 Euro - pro Jahr.

Zahlungen von mehr als 100.000 Euro im Jahr bekommen rund 0,5 Prozent der Zahlungsempfänger – in der Summe kommen diese Agrar-Unternehmen dann aber ebenfalls auf 16 Prozent der Direktzahlungen. Also exakt so viel wie die drei Viertel der kleinsten Betriebe erhalten.

Natürlich gibt es auch zwischen den europäischen Ländern – je nach verfügbarer landwirtschaftlicher Fläche – erhebliche Unterschiede bei den aus Brüssel kommenden Zahlungen. Frankreich erhält pro Jahr Agrarprämien von etwas mehr als neun Milliarden Euro aus Brüssel – so viel wie kein anderes Land. Für Spanien beträgt die Summe knapp sieben Milliarden Euro und nach Deutschland fließen gut 6 Milliarden Euro aus dem Brüssler Agrarhaushalt.

Polen erhält aus Brüssel immerhin 4,6 Milliarden Euro überwiesen und Rumänien etwa 3 Milliarden Euro. Das Höfesterben konnten jedoch auch diese ziemlich großen Summen bisher nicht stoppen – dass liegt möglichweise auch an der Art der Verteilung und natürlich auch am ökonomischen Druck auf die Branche.

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