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Prognose Agrarmärkte 2020

Europa: Bauern und Agrarwirtschaft widerstehen der Corona-Krise

Milchbauern
am Freitag, 24.04.2020 - 11:14 (Jetzt kommentieren)

Die Corona-Krise setzt der EU-Landwirtschaft heftig zu. Die Kommission zeigt in einem Ausblick wie die einzelnen Märkte reagieren.

Trecker Trockenheit

Der Ausbruch des Coronavirus stellt den EU-Agrar- und Ernährungssektor vor beispiellose Herausforderungen. Doch die Branche reagiert schnell und passt sich den Herausforderungen, einschließlich logistischer Störungen und sich stark verändernder Nachfrage, effizient an. Die Agrar- und Ernährungswirtschaft zeigt sich jedoch wirtschaftlich sehr robust und widerstandsfähig.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Europäische Kommission in ihrem aktuellen Marktausblick in Zeiten von Corona – dem aktuellen „Short Term Outlook“. Die Kommission schreibt in ihren Bericht: Aufgrund der in der europa- und weltweit umgesetzten Quarantänemaßnahmen, hat sich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln seit Beginn der Corona-Krise stark verändert.

Das Kaufverhalten sowie die Schließung von Restaurants, Bars und Hotels wirken sich direkt auf die Lebensmittelproduzenten aus. Einerseits waren Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Mehl, Obst- und Gemüsekonserven stärker gefragt und profitierten von der Umstellung auf den Eigenverbrauch. Auf der anderen Seite verzeichnen hochwertige Produkte wie Edelfleisch, Wein und Käsespezialitäten, die sonst außer Haus stark konsumiert werden, einen deutlichen Rückgang des Konsums.

Neue Getreideernte wird kleiner

Die Kommission geht davon aus, dass die Getreideproduktion in der EU im laufenden Wirtschaftsjahr 2019/2020 etwa bei 297 Millionen Tonnen liegt. Das sind 4,5 Prozent mehr als im 5-Jahres-Durchschnitt. Im neuen Wirtschaftsjahr 2020/21 wird die Erntemenge voraussichtlich auf  290 Millionen Tonnen zurückgehen.

Die europäische Weichweizenernte erwartet die Kommission in der neuen Saison nur bei 127 Millionen Tonnen. Das sind knapp 5 Mio. Tonnen weniger als im vorigen Jahr als die europäischen Ackerbauern 132 Millionen Tonnen Weizen ernteten. Ursache für den Produktionsrückgang ist vor allem die etwa 400.000 Hektar kleinere Winterweizenfläche.

Mögliche Auswirkungen der aktuellen Trockenheit in Deutschland, Polen und Frankreich hat die Kommission noch nicht berücksichtigt. 

Rapsernte wird größer – mehr Soja und Leguminosen

Rapsfeld

Für den EU-Ölsaatensektor meldet die Kommission, dass die Rapserzeugung im laufenden Wirtschaftsjahr 2019/2020 auf 14,9 Millionen Tonnen – und damit auf ein 12-Jahrestief geschrumpft ist. Dies ist auf eine deutliche Reduzierung der Anbaufläche auf nur noch 5,0 Millionen Hektar zurückzuführen. Es wird jedoch erwartet, dass sich der Rapsanbau im Jahr 2020/2021 auf 5,3 Mio. Hektar leicht erholt hat und die Produktion um rund 1,8 Millionen Tonnen auf 16,7 Millionen Tonne ansteigt.

Die Anbaufläche von Sojabohnen könnte im neuen Wirtschaftsjahr mit gut 1,0 Millionen Hektar einen neuen Rekordwert erreichen. Die europäische Sojaernte würde auf knapp 3,0 Millionen Tonnen wachsen – verbraucht werden allerdings fast 18 Millionen Tonnen. Die Differnez wird importiert.

Die Produktion von Eiweißpflanzen dürfte im neuen Wirtschaftsjahr 2020/21 auf 3,6 Millionen Tonnen steigen. Das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr, was auf die guten Marktaussichten für Lebensmittel- und Futtermittelzwecke zurückzuführen ist.

Zucker weiter unter Druck

Die Zuckerproduktion in der EU wird 2020/2021 aufgrund einer Flächenreduzierung von 53.000 Hektar voraussichtlich nochmals leicht von 17,6 auf 17,4 Millionen Tonnen zurückgehen.

Es wird erwartet, dass der Verbrauch aufgrund von EU-weiten Sperren und der Schließung von Lebensmittelketten ebenfalls etwas sinken wird. Für das nächste Jahr wird ein weiterer Rückgang der Zuckerrübenfläche um 3 Prozent aufgrund der schwierigen Marktbedingungen in den letzten zwei Jahren erwartet.

Turbulenzen am Milchmarkt

Milchfarmer

Vom europäischen Milchmarkt sagt die Kommission: Im Jahr 2019 wuchs die EU-Milchmenge lediglich um 0,4 Prozent. Das ist das niedrigste Wachstum seit 2012. Das Produktionswachstum im Jahr 2020 wird voraussichtlich ähnlich schwach sein. Die jährliche Frühjahrsspitze der die Milcherzeugung fällt mit der aktuellen Pandemie zusammen.

Restriktive Maßnahmen könnten also die Milch-Sammellogistik sowie die Futterlieferungen stören. Darüber hinaus können Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften dazu führen, dass weniger arbeitsintensive Milchprodukte bevorzugt werden.

Der EU-Käsekonsum 2020 könnte leicht zunehmen und die Exporte könnten dank der Nachfrage von den asiatischen Märkten  steigen, glaubt die Kommission. Das würde zu einem weiteren Anstieg der gesamten Käseproduktion führen würde. Die Schließung von Restaurants hat sich jedoch negativ auf die Nachfrage nach hochwertigen Käsesorten ausgewirkt, die meist außerhalb des eigenen Zuhauses konsumiert werden.

Rindermarkt unter Druck – Schwein steht besser da

Schwein

Die Rindfleischproduktion in der EU ging 2019 aufgrund niedrigerer Preise und Bestandsreduzierungen zurück. Sie dürfte 2020 aufgrund ähnlicher Faktoren weiter sinken. Der Ausbruch des Coronavirus betrifft den Sektor sehr stark, weil hochwertiges Rindfleisch nicht mehr an Restaurants oder in Metzgereien in Supermärkten verkauft werden kann. Eine geringere Nachfrage und eine geringere Fleischverfügbarkeit werden zu einer weiteren Verringerung des Verbrauchs in der EU führen.

Die Schweinefleischproduktion dürfte in diesem Jahr bei anhaltender Nachfrage aus Asien leicht wachsen (aufgrund der afrikanischen Schweinepest, insbesondere in China). Die EU-Exporte werden nach einem Anstieg von 17 Prozent im Jahr 2019 voraussichtlich um 12 Prozent wachsen. Der Sektor sollte von der anhaltenden Pandemie nicht wesentlich betroffen sein, glaubt die Kommission. Es wird jedoch erwartet, dass der EU-Verbrauch aufgrund hoher Preise sinkt, was dazu führt, dass andere Fleischarten bevorzugt werden.

Der EU-Schaf- und Ziegenfleischsektor ist auch von der Coronavirus-Krise betroffen, da vor allem die saisonale Nachfrage zu Ostern und zum Ramadan ausblieb. Die EU-Produktion sollte jedoch im Jahr 2020 stabil bleiben.

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