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Share Deals

Ex-Bauernpräsident Kliem verkauft Großbetrieb komplett an Aldi-Erben

Ackerflächen in der Nähe von Bad Langensalza, Thüringen
am Donnerstag, 06.08.2020 - 13:48 (1 Kommentar)

Thüringens früherer Bauernpräsident Dr. Klaus Kliem hat nun seine gesamte Agrargesellschaft ADIB in Bad Langensalza an eine private Stiftung des Aldi-Erben Theo Albrecht verkauft.

Dr. Klaus Kliem

Die Aldi-Stiftung Lucas hatte im November 2019 bereits das damalige ADIB-Tochterunternehmen Geithainer Landwirtschafts GmbH erworben. Damit sind laut Recherchen des Senders MDR knapp 6.000 ha Eigentums- und Pachtfläche für insgesamt 40 Mio Euro an den außerlandwirtschaftlichen Investor Boscor Land- und Forstwirtschafts GmbH & Co KG übertragen worden, der zur Aldi-nahen Stiftung Lucas gehört.

Kliem war einer von 60 Gesellschaftern der ADIB und hielt einen Anteil von 52 %. Den Verkauf begründete Kliem gegenüber dem MDR damit, dass man mit einem finanzstarken Käufer den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens habe sichern wollen.

Minister Hoff kritisiert Verkauf als unverantwortlich

Der Thüringer Bauernverband (TBV) zeigte sich „enttäuscht“ über das Vorgehen. Der Verband hätte sich gewünscht, dass das Unternehmen in den Händen von Thüringer Landwirten verbleibe, erklärte TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner. Allerdings habe jeder das Recht, sein Eigentum zu verkaufen, wann und an wen er wolle.

Thüringens Landwirtschaftsminister Prof. Benjamin-Immanuel Hoff wertete den Verkauf „an einen außerlandwirtschaftlichen Betrieb und dann auch noch an einen Discounter“ als „unverantwortlich“. Gerade von einem früheren Bauernverbandspräsidenten habe er erwartet, dass er die Bedürfnisse des Bauernstandes mit seinen „privaten Gewinninteressen in Ausgleich“ bringe.

AbL will Genehmigungsverfahren für Share Deals

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) nahm das Geschäft zum Anlass, eine Regulierung des Bodenmarktes zu fordern.

Die AbL fordert in einem Positionspapier:

  1. Die Einführung von Genehmigungsverfahren für Anteilsverkäufe, die sogenannten Share Deals.
  2. Transparenz durch eine Ausschreibungspflicht.
  3. Vorkaufsrecht für bäuerliche Betriebe vor Investoren.
  4. Einführung eines Monitoringprogramms, um Umgehungstatbestände zu erkennen und ggf. zu verhindern.
  5. Einführung von Haltefristen, um Spekulationen vor zu beugen.

Der AbL-Bundesvorsitzende Martin Schulz stellte fest: „Der Vormarsch außerlandwirtschaftlicher Investoren auf dem Bodenmarkt ist lange bekannt und vielfach besprochen.“ In den Koalitionsverträgen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen werde eine Regulation des Bodenmarktes angekündigt, aber nicht umgesetzt. Schulz verlangte, den vielen Lippenbekenntnissen, auch von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, müssten endlich Taten folgen.

Mit Material von AgE, TBV, AbL

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