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Bodenpreise in den USA

Farmland-Preise: Steilster Preisanstieg seit 6 Jahren

Luftaufnahme von Farmland
am Dienstag, 08.12.2020 - 09:45 (Jetzt kommentieren)

Im Mittelwesten sind die Ackerland-Preise im dritten Quartal so stark gestiegen wie seit sechs Jahren nicht. Dennoch werden mehr Farm-Pleiten erwartet. Der Grund: Das Auslaufen der staatlichen Subventionen – ohne die viele Farmer in die roten Zahlen rutschen.

Entwicklung der Preise für Ackerland und Farmland in den USA von 2005 bis 2020

Eine vierteljährliche Umfrage der Federal Reserve Bank of Chicago unter Agrarbankern zeigt: Die Ackerlandpreise im zentralen Maisgürtel sind im dritten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent gestiegen. Ausgewertet wurde die Entwicklung in den Bundesstaaten Iowa, Illinois, Wisconsin, Indiana und Michigan. Die Bank stellt fest: Der Preisanstieg beruht auf sehr niedrigen Zinsen, zusätzlichen staatlichen Zahlungen und einigen gestiegenen Agrarpreisen.

„In den letzten sechs Jahren wurde kein so starker Anstieg der Ackerlandpreise gegenüber dem Vorjahr verzeichnet“, stellt David Oppedahl fest, Senior Business Economist, der die Umfrage durchführte. Die Bundesstaaten Indiana und Wisconsin waren mit einem Preissprung von 6 Prozent bzw. 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr führend. Der Anstieg der Ackerlandwerte um 2 Prozent in Illinois und um 1 Prozent in Iowa war hingegen etwas bescheidener.

Gegenüber dem zweiten Quartal 2020 blieben die landwirtschaftlichen Flächenpreise jedoch weitgehend unverändert, wobei die Werte in Illinois sogar um 2 Prozent zurückgingen. Die überwiegende Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass die Preise für Ackerland im vierten Quartal 2020 stabil bleiben werden.  

Auch in anderen, nicht von der Bank of Chicago untersuchten landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten, stiegen die Preise für Ackerland gegenüber dem Vorjahr im dritten Quartal 2020 an. „Der durchschnittliche Anstieg lag in Oklahoma und West-Missouri bei über 5 Prozent und in Kansas bei knapp 5 Prozent,“ heißt es in einer anderen Untersuchung. – Eine Ausnahme bildete lediglich Nebraska, wo die Bodenpreise sehr deutlich um 4 Prozent zurückgingen.

Zunahme von Farm-Insolvenzen – „wenn die Musik aufhört zu spielen“

regionale Preise für Ackerland in den USA in US-Dollar

Die befragten Agrarbanker prognostizierten, dass die Rückzahlungsraten für Kredite in diesem Herbst und Winter sinken würden. Darüber hinaus wurde erwartet, dass die Zwangsverkäufe oder Liquidationen von landwirtschaftlichen Vermögenswerten, bei finanziell in Schwierigkeiten befindlichen Landwirten, in den nächsten drei bis sechs Monaten gegenüber dem Vorjahr zunehmen werden.

Es wurde außerdem erwartet, dass das Gesamtvolumen der Nicht-Immobilien-Agrarkredite im Zeitraum Oktober bis Dezember 2020 in etwa dem von 2019 entspricht, während das Volumen der Agrarkredite für landwirtschaftliche Immobilien voraussichtlich etwas höher sein wird.

Ein Agrar-Banker aus Wisconsin erklärte außerdem, „dass es für die Landwirte schwierig werden dürfte, einen Stuhl zu finden, wenn die Musik aufhört zu spielen, denn die Zahlungen der Bundesregierung haben im Jahr 2020 einen sehr großen Anteil am Nettoeinkommen der landwirtschaftlichen Betriebe ausgemacht. Viele Farmen müssen sich wohl auf ungewissere Zeiten vorbereiten."

In diesem Jahr hatte das Coronavirus Food Assistance Program (CFAP) der US-Regierung bis Ende Oktober mehr als 2,4 Milliarden US-Dollar für landwirtschaftliche Betriebe in den oben genannten fünf Staaten bereitgestellt (24 Prozent der landesweit ausgereichten 10,3 Milliarden US-Dollar). Ein Agrar-Banker aus Wisconsin sagte dazu: „Mit den höheren Agrar-Preisen und den staatlichen Zahlungen, werden sowohl Milcherzeuger als auch Ackerbauern das Jahr besser als erwartet beenden."

Kreditzinsen auf Rekordtief – Nachfrage trotzdem schwächer

Roter Traktor und Anhänger auf einem Betrieb

Im Gegensatz zur Entwicklung der letzten Jahre wurde von den Agrarbankern außerdem erwartet, dass die Netto-Cash-Einnahmen aus der Ernte bzw. aus dem Ackerbau (einschließlich der staatlichen Zahlungen) im Herbst und Winter gegenüber dem Vorjahr steigen werden. Gleichzeitig wurde jedoch davon ausgegangen, dass die Schweine-, Vieh- und Milchbauern im Herbst und Winter im Vergleich zum Vorjahr niedrigere Netto-Cash-Einnahmen verzeichnen würden. Gleichzeitig erwarteten die Banker einen Anstieg der Ackerlandtransfers (Verkäufe).

Zum ersten Mal seit sieben Jahren wurde im dritten Quartal 2020 außerdem eine schwächere Nachfrage nach Nicht-Immobilien-Agrarkrediten im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Die Verfügbarkeit von Krediten der Agrarbanken war hingegen deutlich höher als vor einem Jahr. Die Anforderungen an die Sicherheiten für Kredite waren im dritten Quartal 2020 allerdings auch strenger als im gleichen Quartal des Vorjahres.

Für den Zeitraum von Juli bis September 2020 waren die Rückzahlungsraten für Nicht-Immobilien-Agrarkredite außerdem etwas niedriger als ein Jahr zuvor. Darüber hinaus waren die Verlängerungen von Nicht-Immobilien-Agrarkrediten im dritten Quartal 2020 höher als 2019. Zum 1. Oktober 2020 waren die durchschnittlichen Zinssätze für neue Betriebskredite, Viehkredite und Kredite für landwirtschaftliche Immobilien jedoch auf den niedrigsten Stand seit Bestehen gesunken: nämlich 4,65 Prozent, 4,79 Prozent bzw. 4,24 Prozent.

Anfang diesen Jahres berichteten wir über ein 8-Jahreshoch bei amerikanischen Farmpleiten.

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