Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Milchanlieferung

FrieslandCampina steuert das Wachstum der Milchmenge

Melkzeug
am Mittwoch, 19.12.2018 - 11:51 (Jetzt kommentieren)

Die Molkereigenossenschaft FrieslandCampina begrenzt das Wachstum der Milcherzeugung. Wer Abzüge vermeiden will, muss Disziplin üben.

Ab kommendem Jahr wird FrieslandCampina das Rohmilchangebot seiner genossenschaftlichen Mitglieder über eine feste Wachstumsrate steuern. Der Mitgliederrat der Genossenschaft hat der Änderung der Milchgeldordnung gestern (18. Dezember 2018) zugestimmt.

Nach eigenen Angaben wird das Unternehmen künftig alle zwei Jahre eine Wachstumsrate für das Rohmilchangebot festlegen. Dabei soll sich der Zuwachs an Prognosen für die erwartete Entwicklung des Weltmarktes orientieren. Für 2019 und 2020 wurde eine Rate von 1,5 Prozent festgeschrieben.

Darüber hinaus besteht Spielraum für eine Steigerung der Milcherzeugung durch das Ausscheiden von Betrieben aus der Genossenschaft oder aus der Produktion sowie durch nicht ausgeschöpfte Mengen anderer Mitglieder.

10 Cent Abzug für überlieferte Milch

Wenn das gesamte Milchangebot das vereinbarte Wachstum zuzüglich des Spielraums durch aussteigende Betriebe und Unterlieferer überschreitet, erhalten Betriebe, die ihre individuelle Liefermenge überschreiten, einen Abzug vom Milchgeld in Höhe von 10 Cent pro kg für die zusätzlich gelieferte Milch.

Für wachstumsorientierte Betriebe wird die Genossenschaft eine Kalkulationshilfe anbieten. Damit soll der Milchviehhalter ermitteln können, wie sich ein Milchgeldabzug auf Übermengen auf seinen durchschnittlich erzielten Milchpreis auswirkt und für wie lange der aufstockende Betrieb mit Abzügen rechnen muss.

Für gesonderte Milchströme kann von dem Malus abgewichen werden, wenn die Nachfrage nach dieser Milch größer ist als die angelieferte Menge. Das gilt zum Beispiel für Biomilch, GVO-freie Milch für GVO-freien Käse in Deutschland und Landliebe-Milch, wie ein Sprecher des Unternehmens erläuterte. 

Der Vorstandsvorsitzende von FrieslandCampina, Frans Keurentjes, erklärte, durch die Mengensteuerung "kann das Unternehmen sich besser auf den einträglichen Absatz von Milchprodukten einstellen und den einzelnen Milchviehbetrieben wird eine ausgewogene Betriebsentwicklung ermöglicht".

Wiederholte Versuche zur Mengensteuerung

Die geplante Einführung eines Abzugs vom Milchgeld für Überlieferer hatte FrieslandCampina im April dieses Jahres angekündigt.

In den Niederlanden hatte die Molkerei bereits Ende 2016 vorübergehend ein befristetes Bonus-Malus-Programm eingeführt.

Das Unternehmen hat seit Abschaffung der EU-Milchquote mehrfach unter einer zu hohen Milchanlieferung gelitten, die zeitweise die Verarbeitungskapazitäten überstieg und die Ausschüttung spürbar schmälerte. Erst zu Beginn dieser Woche gab FrieslandCampina bekannt, einen Teil der Rohmilch künftig von der DMK Group in Lohn zu Käse verarbeiten zu lassen.

Nach Angaben eines Sprechers wird FrieslandCampina noch etwa drei Jahre brauchen, um zusätzliche Verarbeitungskapazitäten aufzubauen. Wenn das Rohmilchangebot in dieser Zeit trotz der Abzüge die Verarbeitungskapazität übersteigt, seien weitere befristete Steuerungsmaßnahmen möglich. FrieslandCampina werde aber alles tun, um dies zu vermeiden.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...