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Milchmarkt

FrieslandCampina zahlt für Nicht-Anlieferung

Norbert Lehmann, agrarmanager
am
29.12.2015

Die niederländische Molkerei FrieslandCampina zahlt ihren genossenschaftlichen Milcherzeugern einen Bonus, wenn sie die Milchanlieferung senken. Das gilt auch für die deutschen Mitglieder.

Die Milchanlieferung in den Niederlanden ist nach Angaben von FrieslandCampina vor allem seit November drastisch gestiegen. Trotz erheblicher Investitionen reichen die Verarbeitungskapazitäten nicht aus, um die von den genossenschaftlichen Mitgliedern angediente Milch zu verarbeiten. Auch die Möglichkeiten, den Rohstoff auf dem Spotmarkt an andere Molkereien zu verkaufen, sind offenbar ausgeschöpft.

Darum bietet FrieslandCampina einem Bericht des agrarmanagers zufolge ab dem 1. Januar allen Erzeugern, die mit ihrer Milchmenge die Vorjahresmenge nicht überschreiten, einen Aufschlag von 2 Cent je kg Milch. Das Angebot gilt befristet bis 11. Februar 2016. Vergleichsperiode ist der Zeitraum 13. bis 27. Dezember 2015. Das Angebot gilt auch für genossenschaftliche Mitglieder in Deutschland.

Nach Angaben eines Sprechers sind für die Maßnahme bis zu 24 Mio. Euro verfügbar. Das würde ausreichen, um die gesamte Milchanlieferung auf der Vorjahreslinie zu halten. FrieslandCampina ist aber nicht sicher, auf welche Akzeptanz das Angebot bei den Erzeugern stoßen wird.

Zuviel Milch: FrieslandCampina zieht die Notbremse

Nach Angaben der größten Molkerei der Niederlande ist die Milcherzeugung ihrer genossenschaftlichen Mitglieder in 2015 insgesamt um 6,4 % gestiegen. Zurzeit liegt die Anlieferung um 14 bis 16 % über der Vorjahreslinie. Abfragen unter den Milchviehhaltern lassen für Januar 2016 ein Plus von 20 % gegenüber dem Vorjahresmonat erwarten. Daher zieht FrieslandCampina nun die Notbremse.

FrieslandCampina senkt den Garantiepreis

Doch nicht nur der Bonus für eine eingeschränkte Erzeugung soll die Landwirte motivieren, den Milchausstoß zu drosseln. Auch senkt das Unternehmen den Garantiepreis im Januar um 0,75 Euro auf netto 29,25 Euro je 100 kg Milch. Der Preis gilt für Milch mit 3,47 % Eiweiß, 4,41 % Fett und 4,51 % Laktose bei einer jährlichen Anlieferungsmenge von 600.000 kg.

FrieslandCampina will von Woche zu Woche beobachten, wie die Milchviehhalter auf das Angebot reagieren. Wenn der Milchstrom nicht ausreichend gedrosselt wird, sind weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen. Als Genossenschaft ist das Unternehmen jedoch verpflichtet, die Milch seiner Mitglieder abzunehmen.

Eine ausführliche Analyse der Situation am Milchmarkt und über Wege zur Senkung des Preisrisikos finden Leser des agrarmanager in der Januar-Ausgabe des agrarmanager, die am 30. Dezember 2015 erscheint, als E-Paper bereits ab dem 29. Dezember 2015.

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