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Trockenheit

Futter von Bracheflächen und Vorrangflächen: Hier dürfen Sie mähen

Brachfläche mit Bäumen
am Dienstag, 30.06.2020 - 10:48 (Jetzt kommentieren)

Auch dieses Jahr dürfen Landwirte vielerorts den Aufwuchs auf Bracheflächen als Tierfutter verwenden, damit es aufgrund der Trockenheit nicht zu einer Knappheit kommt. Wir geben eine Übersicht, wo, wann und unter welchen Bedingungen die Ausnahmeregelungen gelten.

Auch 2020 erlauben einige Bundesländer oder Landkreise, dass der Aufwuchs auf ökologischen Bracheflächen als Futter genutzt wird. Diese Ausnahmeregelungen gab es bereits in den vergangenen Jahren, um trockenheitsbedingte Engpässe beim Tierfutter zu verhindern. Wir geben eine Übersicht, wo und wann brachliegende Flächen als Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) sowie sonstige Bracheflächen für die Tierfütterung genutzt werden dürfen.

Bayern: Besonders trockene Landkreise dürfen Bracheflächen nutzen

Das Bayerische Landwirtschaftsministerium lässt ab dem 1. Juli zu, dass brachliegende Flächen als ÖVF sowie sonstige Bracheflächen für Futterzwecke in der Tierhaltung genutzt werden dürfen.

Das gilt für folgende Regionen:

  • alle Landkreise in den Regierungsbezirken Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken
  • die Landkreise Donau-Ries, Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt, Neumarkt i. d. Oberpfalz, Amberg-Sulzbach, Kelheim
  • die Städte Ingolstadt und Amberg

Die  Regionen wurden basierend auf den Daten des Deutschen Wetterdienstes ermittelt. Es wurde dabei die Wassermenge berücksichtigt, die ein Boden für Pflanzen verfügbar speichern kann. Sollten durch den weiteren Witterungsverlauf mehr Gebiete betroffen sein, werden die Landwirte dort umgehend darüber informiert.

Wenn die Futternutzung der Brachflächen bereits vom 1. bis 15. Juli erfolgt, müssen Landwirte und Landwirtinnen dies beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten melden. Diese Anzeige kann auch per Telefon oder E-Mail erfolgen. Die Flächen gelten dann im Rahmen der Greeningvorgaben zwar weiterhin als ÖVF, jedoch hinsichtlich der Anbaudiversifizierung als Flächen mit Gras bzw. Grünfutterpflanzen. Es wird empfohlen, die weitere Einhaltung der Anbaudiversifizierung aufgrund dieser geänderten Einstufung vorab mit dem Amt abzuklären.

Ab dem 16. Juli ist eine vorherige Anzeige nicht mehr nötig, da in den genannten Regionen dann eine allgemeine Freigabe gilt.

Brandenburg: Ausnahme gilt für besonders stark betroffene Landkreise

Das Landwirtschaftsministerium Brandenburg gibt den Aufwuchs auf Brachen von ÖVF sowie auf Puffer- und Feldrandstreifen zu Futterzwecken ab dem 1. Juli 2020 auf Antrag frei.

Das gilt für Landkreise, die besonders stark von der Trockenheit betroffen sind, und zwar die Kreise:

  • Dahme-Spreewald,
  • Havelland,
  • Märkisch-Oderland,
  • Oberspreewald-Lausitz und
  • Uckermark.

Hierzu ist bei dem jeweiligen Amt für Landwirtschaft ein formloser Antrag zu stellen. Der Aufwuchs von Honigbrachen sowie als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme geförderte naturbetonte Strukturelementen im Ackerbau darf nicht genutzt werden.

Mecklenburg-Vorpommern: Kein gesonderter Antrag nötig

In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Betriebe ÖVF für Futterzwecke nutzen. Agrarminister Dr. Till Backhaus: "Der so wichtige erste Schnitt konnte bereits das dritte Mal nur mit deutlichen Verlusten im Vergleich zu normalen Jahren eingebracht werden."

Um die Situation in den betroffenen Unternehmen etwas abzumildern, können ab dem 1. Juli landesweit Bracheflächen, die als ÖVF im Agrarantrag ausgewiesen wurden, für die Futtergewinnung genutzt werden. Ein gesonderter Antrag ist dazu nicht erforderlich.

Der Landwirtschaftsminister weist ausdrücklich darauf hin, dass die Futtergewinnung auf diesen Flächen nicht vor dem 1. Juli erfolgen darf. Das würde zu einem CC-Verstoß mit Kürzungen der Prämien in der 1. und 2. Säule führen.

Sachsen: Freigabe ab 1. Juli, keine Anzeige mehr erforderlich ab 16. Juli

Die Ausnahmeregelung für die Freigabe ökologischer Vorrangflächen für die Futtergewinnung gilt in Sachsen landesweit. Eine Beantragung oder Genehmigung ist grundsätzlich nicht erforderlich, nur bei einer Anbaudiversifizierung im Rahmen des Greenings müssen Betriebe noch bis zum 15. Juli die entsprechenden Flächen anzeigen. Dazu ist das Formular "Anzeige EFA-Brache in Futternutzung 2020", das sich auf der Homepage des Landes Sachsen befindet, zu verwenden. Ab dem 16. Juli 2020 ist die Anzeige dann für alle Flächen nicht mehr notwendig. 

Zur Situation in Sachsen teilte Landwirtschaftsminister Wolfram Günther mit: "Die Trockenheit hat dazu geführt, dass Wiesen und Weiden nur etwa die Hälfte an Ertrag bringen. Außerdem sind die Futterreserven wegen der Trockenheit in den Jahren 2018 und 2019 weitgehend aufgebraucht. Wir haben es auch an dieser Stelle ganz greifbar mit den Folgen des Klimawandels zu tun. Gleichzeitig können Landwirte nach den Erfahrungen von zwei Dürrejahren vorsorgen und zum Beispiel beim Anbau künftig einen höheren Flächenbedarf für die Futterbereitstellung berücksichtigen. Schließlich soll die Freigabe von Vorrangflächen eine Ausnahme bleiben."

Sachsen-Anhalt: Formlose Anzeige zur Futternutzung von Bracheflächen

Auch das Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt ermöglicht wie schon in den beiden Vorjahren, den Aufwuchs von ÖVF-Brachen zur Futternutzung allgemein zuzulassen. Das gilt als Sofortmaßnahme ab dem 1. Juli, wenn wegen der Trockenheit nicht ausreichend Futter zur Verfügung steht oder stehen wird.

Betriebe, die diese Möglichkeit nutzen wollen, müssen das beim zuständigen Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) formlos anzeigen und dort die betreffenden Flächen angeben.

Außerdem können notleidende Antragsteller mit Tierhaltung durch Nachbarschaftshilfe unterstützt werden. Dafür ist kein separater Antrag erforderlich, aber die betreffenden Betriebe müssen in der Anzeige konkret benannt werden.

Wichtig: Der Aufwuchs darf nicht für andere Zwecke (zum Beispiel in einer Biogasanlage) verwendet werden. Die Ausnahmen gelten ausschließlich für Tierhalter zur Futterversorgung.

Thüringen: Formlose Anzeige für sich selbst oder andere Tierhalter

Landwirte, die in Thüringen einen Antrag auf Agrarbeihilfen gestellt haben, können in diesem Jahr ab 1. Juli wieder Futter von Brachen aus ÖVF nutzen. Dafür ist vom 1. bis 15. Juli formlos die Anzeige bei der örtlich zuständigen Zweigstelle des TLLLR einzureichen.

Das Futter von ÖVF kann für die eigene Tierhaltung oder auch für die Tierhaltung von Dritten dienen. In der Anzeige müssen die Flächen benannt werden und in welchem Zeitraum der Aufwuchs (Heu/Silage/Weide) genutzt wird.

Die Futternutzung von diesen flächigen Brachen hat im Rahmen der Direktzahlungen folgende Konsequenzen:

  • Diese Brachen werden im Rahmen der Anbaudiversifizierung im Zeitraum vom 1. bis 15. Juli 2020 wie Gras und andere Grünfutterpflanzen behandelt.
  • Für die Pflicht zur Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen bleibt die bisherige Einstufung bestehen. Das TLLLR gibt bei Bedarf Auskunft, ob die Pflichten zur Anbaudiversifizierung problemlos erfolgen können.
  • Eine generelle Nutzung von Streifenelementen als ökologische Vorrangflächen wie "Feldränder/Pufferstreifen" und "Streifen beihilfefähiger Flächen am Waldrand" ist möglich.

Weitere Bundesländer: Keine Freigabe oder Freigabe noch in Planung

Vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) erhielt agrarheute die Auskunft, dass für die Bundesländer Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Saarland bisher keine Freigabe geplant ist. 

Für das Bundesland Hessen war laut BMEL eine landesweite Freigabe ab dem 1. Juli 2020 in Planung. Die Freigabe solle durch ein Antragsverfahren erfolgen. Eventuell gebe es später noch weitere Erleichterungen. 

In Niedersachsen ist eine landesweite Freigabe im Rahmen eines Antragsverfahrens ab 16. Juli 2020 geplant. 

Nordrhein-Westfalen plant eine Freigabe in besonders betroffenen Regionen ab 16. Juli 2020.

Hintergrund: Tierfutter wegen Trockenheit knapp

Die Monate April und Mai waren besonders trocken. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war beispielsweise der April der zweittrockenste seit 1901 und der dritttrockenste April seit 1881. In einer solchen Situation, in der es nicht ausreichend Futter für die Versorgung der Tierbestände gibt, sieht der Gesetzgeber eine Ausnahmeregelung vor.

"Die Bodenwasservorräte sind noch lange nicht aufgefüllt", so Claudia Dalbert, Landwirtschaftsministerin in Sachsen-Anhalt. "Die Situation ist in diesem Jahr zwar nicht mit den Vorjahren vergleichbar, dennoch ist kein Wasser in die tieferen Bodenschichten vorgedrungen."

So sei es in den vergangenen Wochen teilweise zu Wachstumsrückständen beim Grünland und Ackerfutter und zu Ertragsausfällen bis zu 50 Prozent beim ersten Schnitt gekommen. In einigen Betrieben sei deshalb die Futterversorgung gefährdet.

"Mit Blick auf das Tierwohl wollen wir diesen Unternehmen helfen, indem die Futternutzung von brach liegenden Flächen zugelassen wird", erläuterte die Ministerin das Vorgehen.

Mit Material von Landwirtschaftsministerien des Bundesländer

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