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+++ aktualisiert am 09. Oktober 2020 +++

Futter von Bracheflächen und Vorrangflächen: Hier dürfen Sie mähen

Brachfläche mit Bäumen
am Freitag, 09.10.2020 - 13:05 (Jetzt kommentieren)

Auch dieses Jahr dürfen Landwirte vielerorts den Aufwuchs auf Bracheflächen als Tierfutter verwenden, damit es aufgrund der Trockenheit nicht zu einer Knappheit kommt. Wir geben eine Übersicht, wo, wann und unter welchen Bedingungen die Ausnahmeregelungen gelten.

Auch 2020 erlauben einige Bundesländer oder Landkreise, dass der Aufwuchs auf ökologischen Bracheflächen als Futter genutzt wird. Diese Ausnahmeregelungen gab es bereits in den vergangenen Jahren, um trockenheitsbedingte Engpässe beim Tierfutter zu verhindern. Wir geben eine Übersicht, wo und wann brachliegende Flächen als Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) sowie sonstige Bracheflächen für die Tierfütterung genutzt werden dürfen.

Baden-Württemberg: Futternutzung von ÖVF-Zwischenfrüchten und ÖVF-Untersaaten nach Anzeige möglich

Um Futterengpässe infolge der niedrigen Erträge beim ersten und zweiten Schnitt zu mindern, gab das Land in einer Mitteilung am 29.09. die Futternutzung von ÖVF-Zwischenfrüchten und ÖVF-Untersaaten frei - die Flächen müssen jedoch vor Nutzung bei der unteren Landwirtschaftsbehörde (ULB) angezeigt werden.

Folgende Möglichkeiten sind in der Ausnahmereglung enthalten:

  • Zwischenfrüchte und Untersaaten können neben der Beweidung mit Schafen und Ziegen auch durch andere Tiere genutzt werden 
  • Zwischenfrüchte und Untersaaten können per Schnittnutzung für Futterzwecke verwendet werden 
  • An Dritte kann der Aufwuchs nur zu Futterzwecken weitergegeben werden 

Trotz Ausnahmeregelung gelten weiterhin die einschlägigen Regelungen zu Zwischenfrüchten und Untersaaten ökologische Vorrangflächen: 

  • Nur die Nutzung zulässiger Pflanzenarten
  • Verbot von Pflanzenschutzmitteln und von mineralischem Dünger

Die Zwischenfrüchte und Untersaaten müssen auch bei einer Futternutzung bis zum 15. Januar 2021 auf der Fläche verbleiben.

Rheinland-Pfalz: Freigabe von ÖVF für gesamten Landesbereich

Landwirtschaftsminister Dr. Volker Wissing gibt in einer Pressemitteilung vom 28. September landesweit ökologische Vorrangflächen zur Futternutzung frei. Wissing genehmigt, die ökologischen Vorrangflächen mit Zwischenfrüchten oder Untersaaten ab sofort zur Beweidung zu nutzen oder zu Futterzwecken zu mähen.

Die Zwischenfrüchte und Untersaaten sind auch bei einer Futternutzung bis einschließlich 14. Januar 2021 auf der Fläche zu belassen. Um die Anerkennung der Flächen als ÖVF-Fläche zu gewährleisten, ist eine Einsaat der Flächen zwingend erforderlich.

Die ÖVF konnten bereits ab dem 16. Juli beweidet oder für Futterzwecke gemäht werden.

Bayern: Besonders trockene Landkreise dürfen Bracheflächen nutzen

Das Bayerische Landwirtschaftsministerium lässt ab dem 1. Juli zu, dass brachliegende Flächen als ÖVF sowie sonstige Bracheflächen für Futterzwecke in der Tierhaltung genutzt werden dürfen.

Das gilt für folgende Regionen:

  • alle Landkreise in den Regierungsbezirken Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken
  • die Landkreise Donau-Ries, Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt, Neumarkt i. d. Oberpfalz, Amberg-Sulzbach, Kelheim
  • die Städte Ingolstadt und Amberg

Die  Regionen wurden basierend auf den Daten des Deutschen Wetterdienstes ermittelt. Es wurde dabei die Wassermenge berücksichtigt, die ein Boden für Pflanzen verfügbar speichern kann. Sollten durch den weiteren Witterungsverlauf mehr Gebiete betroffen sein, werden die Landwirte dort umgehend darüber informiert.

Wenn die Futternutzung der Brachflächen bereits vom 1. bis 15. Juli erfolgt, müssen Landwirte und Landwirtinnen dies beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten melden. Diese Anzeige kann auch per Telefon oder E-Mail erfolgen. Die Flächen gelten dann im Rahmen der Greeningvorgaben zwar weiterhin als ÖVF, jedoch hinsichtlich der Anbaudiversifizierung als Flächen mit Gras bzw. Grünfutterpflanzen. Es wird empfohlen, die weitere Einhaltung der Anbaudiversifizierung aufgrund dieser geänderten Einstufung vorab mit dem Amt abzuklären.

Ab dem 16. Juli ist eine vorherige Anzeige nicht mehr nötig, da in den genannten Regionen dann eine allgemeine Freigabe gilt.

Brandenburg: Ausnahme gilt für besonders stark betroffene Landkreise

Das Landwirtschaftsministerium Brandenburg gibt den Aufwuchs auf Brachen von ÖVF sowie auf Puffer- und Feldrandstreifen zu Futterzwecken ab dem 1. Juli 2020 auf Antrag frei.

Das gilt für Landkreise, die besonders stark von der Trockenheit betroffen sind, und zwar die Kreise:

  • Dahme-Spreewald,
  • Havelland,
  • Märkisch-Oderland,
  • Oberspreewald-Lausitz und
  • Uckermark.

Hierzu ist bei dem jeweiligen Amt für Landwirtschaft ein formloser Antrag zu stellen. Der Aufwuchs von Honigbrachen sowie als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme geförderte naturbetonte Strukturelementen im Ackerbau darf nicht genutzt werden.

Hessen: Landesweite Freigabe ab 16. Juli

Seit dem 1. Juli kann in Hessen die Nutzung von Brachflächen für die Futtergewinnung beantragt werden. Ab dem 16. Juli gilt die landesweite Freigabe der ÖVF. 

"Im dritten Jahr in Folge herrscht in Hessen große Trockenheit. Die Landwirtschaft ist hier besonders von der Klimakrise betroffen. Zu wenig Regen im Frühjahr und knappe Futtervorräte ‎verursachen auch in diesem Jahr Versorgungsengpässe", teilte Landwirtschaftsministerin Priska Hinz mit. Durch die Freigabe stünden zusätzlich 10.000 Hektar als Futterfläche zur Verfügung. 

Darüber hinaus setze Hessen sich dafür ein, dass ab Oktober auch Winterzwischenfrüchte auf ÖVF als Futter verwendet werden können. Hierzu bedürfe es einer Änderung der Bundesverordnung, die von Hinz angestrebt werde. 

Mecklenburg-Vorpommern: Kein gesonderter Antrag nötig

In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Betriebe ÖVF für Futterzwecke nutzen. Agrarminister Dr. Till Backhaus: "Der so wichtige erste Schnitt konnte bereits das dritte Mal nur mit deutlichen Verlusten im Vergleich zu normalen Jahren eingebracht werden."

Um die Situation in den betroffenen Unternehmen etwas abzumildern, können ab dem 1. Juli landesweit Bracheflächen, die als ÖVF im Agrarantrag ausgewiesen wurden, für die Futtergewinnung genutzt werden. Ein gesonderter Antrag ist dazu nicht erforderlich.

Der Landwirtschaftsminister weist ausdrücklich darauf hin, dass die Futtergewinnung auf diesen Flächen nicht vor dem 1. Juli erfolgen darf. Das würde zu einem CC-Verstoß mit Kürzungen der Prämien in der 1. und 2. Säule führen.

Niedersachsen: Nutzung unter bestimmten Voraussetzungen ab 16. Juli

Ab dem 16. Juli ist die Nutzung von Brachflächen im Rahmen des Greenings bzw. der ÖVF zur Futtergewinnung in Niedersachsen unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Da die Regionen unterschiedlich stark von der Trockenheit betroffen sind, werden die Einzelfälle in einem Antrags- und Genehmigungsverfahren geprüft.

Das Antragsformular befindet sich auf der Internetseite der Landwirtschafskammer Niedersachsen unter dem Webcode 01035612. Im Antrag sind die Flächen zu benennen, die zur Futtergewinnung genutzt werden sollen sowie die Art der Nutzung (Schnittnutzung, Beweidung, Aufwuchs für Dritte zur kostenlosen Abgabe). Daneben sind die Ursachen des Futtermangels zu erläutern. Die Bewilligungsstellen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bearbeiten die Anträge.

Regulär ab dem 1. Juli können Feldränder und Pufferstreifen von Acker- und Grünland und Streifen am Waldrand genutzt werden. Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium macht darauf aufmerksam, dass nur der vorhandene Aufwuchs genutzt werden darf. Eine weitere Bearbeitung oder eine Aussaat sind nicht erlaubt. Auch gelten bezüglich Düngemittel- und Pflanzenschutzeinsatz die üblichen Vorgaben für ÖVF.

Nordrhein-Westfalen: Nutzung ohne Antrag in vielen Kreisen

Eine antraglose Beweidung und Futtergewinnung auf ÖVF ist in den Kreisen Kleve, Mettmann, Viersen, Wesel, Rhein-Kreis Neuss, Unna, Rhein-Sieg-Kreis/Bonn, Rheinisch-Bergischer Kreis, Märkischer Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Hochsauerlandkreis, Soest, Düren, Recklinghausen, Ennepe-Ruhr-Kreis und Oberbergischer Kreis sowie den kreisfreien Städten Leverkusen, Oberhausen, Wuppertal, Düsseldorf, Duisburg, Remscheid, Hagen, Essen, Solingen, Köln, Dortmund, Aachen (Städteregion) und Gelsenkirchen seit dem 3. Juli möglich, informiert die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

In den übrigen Landreisen und kreisfreien Städten muss eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Der formlose Antrag ist einzelbetrieblich zu begründen und bei der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer einzureichen. Sobald eine Genehmigung vorliegt, kann die ÖVF genutzt werden. 

Zulässig ist eine Beweidung durch Wanderschäfer, sofern für diese eine kostenlose Nutzung der ÖVF gestattet ist

Nicht in die Freigabe einbezogen sind Zwischenfrüchte auf ÖVF. Ob im Laufe des Jahres auch Zwischenfrüchte als Futter genutzt werden können, kann erst im Spätsommer entschieden werden.

Ebenballs nicht zur Futternutzung freigegeben sind Honigbrachen. 

Wird auf der ÖVF zusätzlich eine Agrarumweltmaßnahme durchgeführt, sind die mit ihr verbundenen Förderauflagen weiterhin einzuhalten.

Die Landwirtschaftskammer macht darauf aufmerksam, dass über die Futternutzung hinausgehende Bearbeitungsschritte - beispielsweise die Ausbringung von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln - nicht gestattet sind.

Weiterhin darf das Futter nur für den innerbetrieblichen Eigenbedarf oder zur unentgeltlichen Abgabe verwendet werden.

Bei der Futtergewinnung auf Brachflächen, die nicht als ÖVF zählen und nicht für Futterzwecke eingeplant waren, ist eine Nutzungsänderung bei der zuständigen Kreisstelle anzuzeigen.

Sachsen: Freigabe ab 1. Juli, keine Anzeige mehr erforderlich ab 16. Juli

Die Ausnahmeregelung für die Freigabe ökologischer Vorrangflächen für die Futtergewinnung gilt in Sachsen landesweit. Eine Beantragung oder Genehmigung ist grundsätzlich nicht erforderlich, nur bei einer Anbaudiversifizierung im Rahmen des Greenings müssen Betriebe noch bis zum 15. Juli die entsprechenden Flächen anzeigen. Dazu ist das Formular "Anzeige EFA-Brache in Futternutzung 2020", das sich auf der Homepage des Landes Sachsen befindet, zu verwenden. Ab dem 16. Juli 2020 ist die Anzeige dann für alle Flächen nicht mehr notwendig. 

Zur Situation in Sachsen teilte Landwirtschaftsminister Wolfram Günther mit: "Die Trockenheit hat dazu geführt, dass Wiesen und Weiden nur etwa die Hälfte an Ertrag bringen. Außerdem sind die Futterreserven wegen der Trockenheit in den Jahren 2018 und 2019 weitgehend aufgebraucht. Wir haben es auch an dieser Stelle ganz greifbar mit den Folgen des Klimawandels zu tun. Gleichzeitig können Landwirte nach den Erfahrungen von zwei Dürrejahren vorsorgen und zum Beispiel beim Anbau künftig einen höheren Flächenbedarf für die Futterbereitstellung berücksichtigen. Schließlich soll die Freigabe von Vorrangflächen eine Ausnahme bleiben."

Sachsen-Anhalt: Formlose Anzeige zur Futternutzung von Bracheflächen

Auch das Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt ermöglicht wie schon in den beiden Vorjahren, den Aufwuchs von ÖVF-Brachen zur Futternutzung allgemein zuzulassen. Das gilt als Sofortmaßnahme ab dem 1. Juli, wenn wegen der Trockenheit nicht ausreichend Futter zur Verfügung steht oder stehen wird.

Betriebe, die diese Möglichkeit nutzen wollen, müssen das beim zuständigen Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) formlos anzeigen und dort die betreffenden Flächen angeben.

Außerdem können notleidende Antragsteller mit Tierhaltung durch Nachbarschaftshilfe unterstützt werden. Dafür ist kein separater Antrag erforderlich, aber die betreffenden Betriebe müssen in der Anzeige konkret benannt werden.

Wichtig: Der Aufwuchs darf nicht für andere Zwecke (zum Beispiel in einer Biogasanlage) verwendet werden. Die Ausnahmen gelten ausschließlich für Tierhalter zur Futterversorgung.

Thüringen: Formlose Anzeige für sich selbst oder andere Tierhalter

Landwirte, die in Thüringen einen Antrag auf Agrarbeihilfen gestellt haben, können in diesem Jahr ab 1. Juli wieder Futter von Brachen aus ÖVF nutzen. Dafür ist vom 1. bis 15. Juli formlos die Anzeige bei der örtlich zuständigen Zweigstelle des TLLLR einzureichen.

Das Futter von ÖVF kann für die eigene Tierhaltung oder auch für die Tierhaltung von Dritten dienen. In der Anzeige müssen die Flächen benannt werden und in welchem Zeitraum der Aufwuchs (Heu/Silage/Weide) genutzt wird.

Die Futternutzung von diesen flächigen Brachen hat im Rahmen der Direktzahlungen folgende Konsequenzen:

  • Diese Brachen werden im Rahmen der Anbaudiversifizierung im Zeitraum vom 1. bis 15. Juli 2020 wie Gras und andere Grünfutterpflanzen behandelt.
  • Für die Pflicht zur Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen bleibt die bisherige Einstufung bestehen. Das TLLLR gibt bei Bedarf Auskunft, ob die Pflichten zur Anbaudiversifizierung problemlos erfolgen können.
  • Eine generelle Nutzung von Streifenelementen als ökologische Vorrangflächen wie "Feldränder/Pufferstreifen" und "Streifen beihilfefähiger Flächen am Waldrand" ist möglich.

Weitere Bundesländer: Keine Freigabe oder Freigabe noch in Planung

Vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) erhielt agrarheute die Auskunft, dass für die Bundesländer Schleswig-Holstein und Saarland bisher keine Freigabe geplant ist. 

Hintergrund: Tierfutter wegen Trockenheit knapp

Die Monate April und Mai waren besonders trocken. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war beispielsweise der April der zweittrockenste seit 1901 und der dritttrockenste April seit 1881. In einer solchen Situation, in der es nicht ausreichend Futter für die Versorgung der Tierbestände gibt, sieht der Gesetzgeber eine Ausnahmeregelung vor.

"Die Bodenwasservorräte sind noch lange nicht aufgefüllt", so Claudia Dalbert, Landwirtschaftsministerin in Sachsen-Anhalt. "Die Situation ist in diesem Jahr zwar nicht mit den Vorjahren vergleichbar, dennoch ist kein Wasser in die tieferen Bodenschichten vorgedrungen."

So sei es in den vergangenen Wochen teilweise zu Wachstumsrückständen beim Grünland und Ackerfutter und zu Ertragsausfällen bis zu 50 Prozent beim ersten Schnitt gekommen. In einigen Betrieben sei deshalb die Futterversorgung gefährdet.

"Mit Blick auf das Tierwohl wollen wir diesen Unternehmen helfen, indem die Futternutzung von brach liegenden Flächen zugelassen wird", erläuterte die Ministerin das Vorgehen.

Mit Material von Landwirtschaftsministerien des Bundesländer

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