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Energiekrise und Gaspreise

Gasverbrauch soll 30 Prozent runter – dann fallen die Gaspreise

Gasheizung.
am Sonntag, 23.10.2022 - 05:00 (4 Kommentare)

Der Gasverbrauch muss massiv sinken – vor allem in privaten Haushalten, sagt eine von der Bundesregierung beauftragte Studie. Dann fallen auch die Gaspreise. Und die Wissenschaftler machen Vorschläge.

gasverbrauch in deutschland.

Der Gasverbrauch muss sinken - um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu den Vorkrisenzeiten. Das ist das zentrale Ergebnis einer bundesweiten Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Beauftragt hat die Untersuchung die Bundesregierung.

Wenn Gas in dieser Größenordnung eingespart werde, könne eine Gasmangellage ebenso verhindert werden wie weiter steigende Preise, heißt es in der Studie. „30 Prozent des Gasverbrauchs aus Vorkrisenzeiten müssen runter“, sagte Gunnar Luderer, Vize-Leiter des Ariadne-Projekts vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung.

Mit Einsparungen in dieser Größenordnung könne man nicht nur eine Gasmangellage mit Lieferunterbrechungen vermeiden. Wir können damit auch die Gaspreise und verbleibenden Importabhängigkeiten auf ein erträgliches Maß begrenzen.“

Bei den privaten Gaskunden verzeichnet die Studie bislang noch keine umfassende Einsparung des Gasverbrauchs. Bei Kleinverbrauchern werde Gas im Wesentlichen zum Heizen verwendet. Hier seien die Abweichungen vom Verbrauchsniveau der Vorjahre bisher vor allem witterungsbedingt.

Bei der Stromerzeugung sei im Vergleich zum Jahr 2021 bislang weniger Gas verwendet worden, gemessen am langjährigen Mittel sei der Wert aber konstant.

"Die Industrie hingegen reagiert deutlich sensibler auf die hohen Preise: Bisher ist der industrielle Gaseinsatz im Jahr 2022 um etwa 20 Prozent gegenüber den Vorjahren zurückgegangen", heißt es in der Studie.

Zusammenfassend zeigen die aktuellen Daten, dass die Bemühungen zur Beschaffung von Ersatzlieferungen für ausbleibendes russisches Gas und zum Auffüllen der Gasspeicher bisher erfolgreichsind und die begrenzten Potenziale weitgehend ausschöpfen – wenn auch zu einem sehr hohen Marktpreis.

Die realisierten Nachfrageminderungen hingegen bleiben deutlich unter dem Niveau, das erforderlich ist, um von russischen Erdgaslieferungen unabhängig zu werden, schreiben die Wissenschaftler.

Privathaushalte sollen Heizverhalten ändern

Die Wissenschaftler rufen deswegen vor allem private Gaskunden zu stärkeren Bemühungen auf und sehen hier beim Heizen das größte Einsparpotenzial: Die Raumtemperatur um ein oder zwei Grad senken, Heizen nur nach Bedarf und nicht im Dauerbetrieb. So können Privathaushalte ihren Gasverbrauch reduzieren.

Das größte Potenzial für die kurzfristige Senkung des Gasverbrauchs im Gebäudesektor liege in einem geänderten Heizverhalten in den eigenen vier Wänden, sagt Christoph Kost vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Der Wissenschaftler sprach sich für das Absenken der Raumtemperatur um ein oder zwei Grad, die Nutzung der Heizung nach Bedarf statt im Dauerbetrieb und intelligente Heizungsregler aus.

"Zusammen mit einem beschleunigten Hochlauf von Wärmepumpen, dem Anschluss an Fern- und Nahwärmenetze und einer stärkeren energetischen Sanierung des Gebäudebestands ließen sich im Gebäudesektor kurzfristig gut 30 Prozent des Gasbedarfs einsparen. Die beschleunigte Wärmewende senkt auch langfristig den Gasbedarf und bringt den Sektor auf Kurs für die Klimaneutralität", sagt der Wissenschafterl weiter.

Die Ampel-Koalition will angesichts stark steigender Gaspreise die Gaskunden über eine Preisbremse entlasten. Geplant ist auch eine Strompreisbremse. Offenbar will das Bundeswirtschaftsministerium beide Maßnahmen zusammen einführen und ähnlich gestalten.

Bei Gas und auch bei Strom soll es demnach Preisstützungen für einen Basisverbrauch geben.

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