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Geschäftsbericht

Genossenschaften: Umsatz geht um 5,6 Milliarden Euro zurück

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
18.02.2016

Die 2.250 genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland melden für 2015 einen Umsatzrückgang von 8,5 Prozent. Das Minus zieht sich durch fast alle Sparten, insbesondere die Milchwirtschaft ist mit einem Rückgang von 14,9 Prozent betroffen.

Nach Angaben des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) verringerte sich der Gesamtumsatz in 2015 um 8,5 Prozent auf 60,8 Milliarden Euro (Vorjahr 66,4 Mrd. Euro). Einschneidend seien die Veränderungen

  • in der Milchwirtschaft (-14,9%),
  • bei den Agrargenossenschaften (-10%),
  • in der Warenwirtschaft (-7,9%) und
  • der Sparte Vieh und Fleisch (-6,1%) gewesen.

"Der Geschäftsverlauf bestätigt die starke Abhängigkeit des deutschen Agribusiness vom Außenhandel, von Wirtschaftskrisen, geopolitischen Konflikten und Wechselkursrisiken", erläutert Dr. Henning Ehlers, DRV-Generalsekretär bei der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin.

Für 2016 rechnet Dr. Ehlers weiterhin mit angespannten, unter Druck stehenden Märkten. "Bevor eine nachhaltige Erholung eintritt, muss erst das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf den nationalen und internationalen Märkten erreicht werden. Zwar dürften sich die Exporte in den asiatischen Raum stabilisieren, eine spürbar anziehende Nachfrage erkenne ich derzeit jedoch nicht. Auch eine Lockerung des russischen Importstopps ist angesichts der politischen Großwetterlage unwahrscheinlich", so Dr. Ehlers.

Warenwirtschaft: Preisbedingte Rückgänge

Die Unternehmen der Warenwirtschaft haben sich 2015 trotz deutlicher Umsatzeinbußen auf den wettbewerbsintensiven Märkten behauptet. Der Gesamtumsatz beträgt 34,8 Mrd. Euro (2014: 37,8 Mrd. Euro). Maßgeblich für den Rückgang um 7,9 Prozent seien die deutlich niedrigeren Erlöse für Getreide und Mineralölprodukte gewesen. Einige der Gründe für den Umsatzrückgang in der Warenwirtschaft:

  • Die globalen Getreide- und Ölsaatenmärkte sind mehr als reichlich versorgt.
  • Zahlreiche Importstaaten in Nordafrika und im Nahen Osten leiden unter dem niedrigen Ölpreis, was die Nachfrage nach in Deutschland erzeugtem Getreide in diesen Regionen abschwächte.
  • Die trockene und warme Witterung machte 2015 vielerorts Fungizid-Behandlungen überflüssig. Regional wurde auf die letzte Düngergabe verzichtet.
  • Die Investitionsbereitschaft der Landwirte in moderne Agrar- und Stalltechnik ging 2015 spürbar zurück. Die Umsätze in der Agrartechniksparte liegen leicht unter Vorjahresniveau.

Milchwirtschaft: Umsätze verringern sich um knapp 15 Prozent

Für die Milcherzeuger und ihre Molkereien war 2015 ein außergewöhnlich hartes Wirtschaftsjahr. Für das Wirtschaftsjahr ergibt sich laut DRV in Deutschland eine leicht höhere Anlieferung von rund 31,5 Mio. t. Das anhaltend hohe Angebot treffe unvermindert auf eine global schwache Nachfrage. Die Umsätze der genossenschaftlichen Molkereiunternehmen, die jährlich rund 20 Mio. t Milch verarbeiten, verringerten sich um knapp 15 Prozent auf 12,6 Mrd. Euro. Die Erzeuger- und Produktpreise bewegten sich auf sehr niedrigem Niveau.

Auslöser waren laut DRV-Geschäftsführer Ehlers vor allem

  • weltweit hohe Anlieferungen in Kombination
  • mit der Kaufzurückhaltung Chinas und der Erdöl exportierenden Länder.
  • Nicht zuletzt das russische Importverbot für europäische Agrarprodukte erhöhte den Druck.

Mit den sinkenden Markterlösen gaben die Auszahlungen weiter nach, wobei die Entwicklung regional sehr differenziert zu betrachten ist. Der Jahresdurchschnitt 2015 liegt bei rund 29 Cent. Das ist ein Rückgang um etwa 23 Prozent oder 8,5 ct/kg gegenüber dem Vorjahr. 2014 lag die Rekordauszahlung bei 37,58 ct/kg.

Vieh- und Fleischwirtschaft: Sorgen um Schweinemarkt

Das Geschäftsjahr 2015 verlief in den einzelnen Sparten der genossenschaftlichen Vieh- und Fleischwirtschaft sehr unterschiedlich. Das Marktgeschehen in der Schweinefleisch erzeugenden Kette war geprägt von Produktionssteigerungen mit einem höheren Angebot bei unverändert wirksamen Handelsrestriktionen. Das führte zum weiteren, deutlichen Preisverfall bei Ferkeln und Mastschweinen.

Der Rindfleischmarkt war hingegen von steigenden Notierungen gekennzeichnet. Der Umsatz der genossenschaftlichen Vieh- und Fleischwirtschaft ging um 6 Prozent auf 6,2 Mrd. Euro zurück. Dieses Ergebnis ist ausschließlich dem Preisverfall am Schweinemarkt geschuldet.

"Die Schweinehalter können im ersten Halbjahr 2016 keine spürbare Verbesserung erwarten. Die Prognosen für den Schlachtbereich deuten auf ein gleich hohes Niveau wie 2015 hin. Die latente Gefahr der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest von Osteuropa in Richtung Westen birgt weiterhin Unsicherheiten für die Fleischproduktion in Deutschland und der EU", so Dr. Ehlers.

Agrargenossenschaften: Wirtschaftliche Lage verschlechtert

Die 750 dem DRV angeschlossenen Agrargenossenschaften blicken auf ein ausgesprochen schwieriges Wirtschaftsjahr zurück. Die seit 2014 sinkenden Erzeugerpreise treffen insbesondere die tierische Veredelung. Die Erlösrückgänge betragen im Durchschnitt der Produktionsrichtungen zirka zehn Prozent. Der Umsatz der Gruppe liegt bei rund zwei Milliarden Euro.

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