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Strategien zum Getreideverkauf

Getreide verkaufen: Strategien für chaotische Märkte – Die Fakten

getreidesilo.
am Mittwoch, 29.06.2022 - 11:30 (1 Kommentar)

Noch nie waren die Getreidepreise so hoch. Und noch nie war es so schwer, erfolgreich Getreide zu verkaufen.

Eine beispiellose Reihe von Faktoren hat die globalen Agrarmärkte erschüttert und die Preise für Getreide und viele Rohstoffe auf Rekordhöhen getrieben. Der Krieg in der Ukraine, Wetterprobleme in vielen Regionen, gestörte Lieferketten, extrem hohe Düngemittel- und Energiepreise sowie akuter Arbeitskräftemangel, versetzen die Märkte in Aufruhr und schüren die Angst vor einer schweren Rezession und vor Nahrungsmittelknappheit.

Während die Aktienmärkte im Tiefflug sind, kostet Rohöl bereits mehr als 110 USD pro Barrel und die Gaspreise steigen im Rekordtempo auf immer neue Höchststände. Für viele Produkte, insbesondere auch für Weizen, der für die Nahrungsmittelversorgung enorm wichtig ist, hatten die Preise im März bisher unvorstellbare Rekordhöhen erreicht und sind trotz einer Korrektur immer noch sehr hoch.

Analysten haben die aktuelle Entwicklung bereits mit der Zeit von 2007 bis 2009 verglichen, als schwere Dürren in mehreren wichtigen Anbaugebieten, steigende Rohölpreise und die Finanzkrise, zu einer schweren globalen Rezession führten.

Nun fügt aber der Krieg Russlands in der Ukraine eine weitere schwere Belastung für die Märkte hinzu. Analysten sagen deshalb, dass die Volatilität der globalen Märkte, ein bisher nicht bekanntes Ausmaß erreicht hat und die Planung der landwirtschaftlichen Produktion und des Verkaufs von Getreide extrem schwer und riskant machen.

Extreme Preisschwankungen und viel Unsicherheit

Seit dem Frühjahr wirkt ein weiterer wenig vorhersehbare Faktor auf die Agrarmärkte: das Wetter. Vor dem Hintergrund der knappen globalen Versorgung und erheblicher Produktions- und Exportausfälle in der Ukraine, sind weltweit sehr gute Ernten nötig, um die knappen globalen Bestände einigermaßen aufzufüllen. Danach sieht es derzeit aber nicht unbedingt aus.

„Es gibt mehr Unsicherheiten als jemals zuvor, außer vielleicht in den 1980er Jahren“, sagte Stephen Nicholson, globaler Sektor-Stratege für Getreide und Ölsaaten, bei der Rabobank AgriFinance gegenüber Onlineportal worldgrain.com. Und das gilt erst recht für die Bauern: „Zwischen dem exponentiellen Anstieg der Kosten für den Ernteeinsatz und globalen politischen Unsicherheiten werden viele Faktoren die Marktrichtung und die Vermarktungsstrategien für Getreide in der gesamten Lieferkette für das kommende Erntejahr bestimmen.

Eines der eklatantesten Probleme, mit denen Landwirte, Händler und Getreideverarbeiter in diesem Jahr konfrontiert sein werden, ist die anhaltend hohe Marktvolatilität und ein extrem hochpreisiger Rohstoffmarkt“, sagt Robert Braden, von der Uvalde County Farmers Co-op, gegenüber dem Onlineportal grainnet. Mit den hohen Getreidepreisen geht für alle Marktteilnehmer immer auch ein höheres Risiko und ein deutlich höherer Kapitalbedarf zur Deckung der laufenden Kosten und der Risikoabsicherung einher.

Nicht verkauft als der Preis hoch war – Emotionen, Fehlentscheidungen

Doch neben der hohen Volatilität der Preise kommt noch ein anderer Risikofaktor dazu. Es das extrem emotionale Umfeld, dass es nicht nur für Landwirte schwierig macht, gute Entscheidungen zu treffen, wenn die Emotionen Achterbahn fahren. Händler berichten über Landwirte, die nicht verkauft haben, als der Preis hoch war, und dann verkauften mussten, als der Preis fiel, und danach stieg der Preis wieder auf den früheren Stand. Anstatt an einem Vermarktungsplan festzuhalten, treffen Menschen spontane emotionale Entscheidungen und sind dann verzweifelt.

„Das zweite Problem ist das ‚Hochpreissyndrom‘, sagt Michael Kaeb General Manager und Analyst beim Getreidehändler Goodwine Co-op im US-Bundesstaat Illinois. Gemeint ist damit folgendes Problem: Wenn die Preise jetzt gut sind, fragen sich die Leute, wie hoch sie später noch steigen werden. Die Realität ist aber, dass wir historisch gesehen noch niemals so hohe Preise hatten. Das macht Entscheidungen jedoch schwer.

Keab sagt weiter: „Hohe Preise führen dazu, Menschen davon abzuhalten, an ihrem ursprünglichen Plan festzuhalten. Doch alte Ernte und neue Ernte sind zwei verschiedene Dinge. Es gibt keine Garantie, dass der neue Weizenpreis in der Zukunft den alten Preis erreichen wird. Die Trennung der beiden Erntejahre ist emotional schwierig, aber eigentlich handelt es sich um zwei verschiedene Produkte“, sagt der Händler.

Was neue Strategien betrifft, empfiehlt Keab in extremen Jahren eher traditionell. Das Ausprobieren neuer Strategien in einem Jahr mit hoher Volatilität und hohen Preisen ist nichts, wofür ich plädiere.

Viele Eckdaten stehen fest: Etwa die Kosten für Saatgut, Dünger, Chemikalien, Versicherungen usw. Deshalb ist es sinnvoll, den Gewinn aus dem Getreideverkauf zu nutzen, wenn er verfügbar ist, und auch zum kontinuierlichen Betriebsmitteleinkauf zu verwenden. Das ist ein einfaches Werkzeug, das die Emotionen aus der ständigen Beobachtung des Marktes nimmt. Es ist eine einfache Möglichkeit, Verkaufs- und Einkauftermine festzulegen, die für den landwirtschaftlichen Betrieb sinnvoll sind.

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