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Vermarktung Live

Wetterkatastrophe: Landwirte senken Ertragserwartungen rapide

Trockenes Feld im Mai 2018
Dieter Jendrziak
am
31.05.2018

Endlich ist alles gedrillt, doch jetzt fehlt der Regen. Landwirte im Norden rechnen schon jetzt mit deutlich geringeren Erträgen. Einziger kleiner Trost: relativ stabile Preise.

Für die Landwirtschaft in Norddeutschland wird die seit Anfang September andauernde Wetterkatastrophe immer heftiger. Dank anhaltender Niederschläge waren die Aussaatbedingungen im Herbst sehr ungünstig und an der Westküste konnte nur sehr wenig Wintergetreide gedrillt werden. Die Hoffnung auf einen Ausgleich im Frühjahr, um zeitgerecht und unter günstigen Voraussetzungen die Sommerungen in den Boden zu bekommen, hat sich nicht erfüllt.

Vermarktung Live: So trocken sind die Felder im Norden

trockenes Weizenfeld Mai 2018
trockenes Weizenfeld
Trockenes Feld im Mai 2018
Lücken im Feld
Trockenes Feld

Starkregen zerstörte die Aussaat Ende April

Meist konnte erst in der letzten Aprildekade und selbst dann noch unter oftmals schwierigen Bedingungen gedrillt werden. Dann machte am Morgen des 30. April ein Starkniederschlag von rund 50 mm in weniger als 2 Stunden vieles wieder zunichte. Insbesondere der schwere Marschboden verschlemmte stark und die frisch ausgebrachte Saat ersoff häufig regelrecht. Der ein oder andere musste daraufhin zum dritten Mal die Sämaschine ankoppeln um zumindest etwas Wertschöpfung vom Land holen zu können.

 

Flächen bestellt, Regen fehlt

Dieter Jendrziak

Bis Mitte Mai konnten tatsächlich so ziemlich alle Flächen bestellt werden, aber dann blieb der jetzt wiederum dringend benötigte Regen aus. Das Wetter schaltete sofort auf Hochsommer. Im gesamten Mai hat es in der Region Nordfriesland bis auf ein paar kleinere regional stark begrenzte Gewitterschauern keinen nennenswerten Niederschlag gegeben. Dazu kamen ungewöhnlich hohe Temperaturen und ein trockener Ostwind. Nach dem bisher noch nicht dagewesenen Regenfällen im Herbst erneut eine bisher nicht gekannte Witterung im Mai. Wer den Spruch kennt „ist der Mai kühl und nass, füllt er des Bauern Scheun und Fass“ weiß was das bedeutet.
 

Trockenschäden im Winterweizen

Die Schäden sind bereits jetzt deutlich sichtbar. Die wenigen Winterweizenbestände sind extrem kurz, haben vielfach schon Trockenschäden an den Blättern und werden erheblich hinter den sonst üblichen Erträgen zurück bleiben. Der Raps hat auch keine große Chance mehr auf eine gute Ernte. Vielfach ist er allein schon durch die Knospenwelke sichtbar geschädigt und das aufgrund der Nässe im Herbst mangelnde Wurzelwachstum rächt sich jetzt doppelt. Am schlimmsten sehen jedoch die Sommerungen auf vielen Flächen aus. Die Bestände sind häufig lückig und insgesamt sehr schwach. Meist sind sie sehr hell, und zeigen ebenfalls schon Trockenschäden.

Viele Ackerbauern haben bereits jetzt ihre Ertragserwartung deutlich reduziert. Der eine oder andere ist sicherlich froh wenn er die Hälfte der üblichen Ernte erzielen kann.
Den einzigen Trost bietet derzeit die verhältnismäßig stabile Preisentwicklung an den Märkten. Zusätzliche Hoffnung macht da auch die gute Nachfrage nach alterntiger Ware. Entgegen der Prognose ist kaum noch von größeren Restbeständen zu hören, was den Optimismus weiter unterstützt. Für die Ackerbauern in Nordfriesland ist unter diesen Bedingungen auf jeden Fall ein Weizenpreis jenseits der 200 €/t dringend erforderlich

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In unserer Serie Vermarktung live berichten wir über die Getreidevermarktung auf zwei Ackerbaubetrieben und deren Risikomanagement. So funktioniert die agrarheute-Serie "Vermarktung live".

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