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Risikomanagement

Vermarktung Live: Zeit für eine Bilanz zum Jahresende

Symbolbild Raps Weizen Mais
am Mittwoch, 23.12.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und auch unsere Serie Vermarktung Live endet. Zeit für eine Bilanz.

Dieter Jendrziak

Dem Ackerbau ist es in Nordwestdeutschland in diesem Jahr im Vergleich zu den anderen landwirtschaftlichen Betriebszweigen relativ gut ergangen. Zumindest in Norddeutschland gab es Dank der immer noch gerade rechtzeitig fallenden Niederschläge und idealen Erntebedingungen gute Erträge, die unsere in der Vermarktung begleiteten Ackerbauern Max Uwe Hansen aus Nordfriesland und Jan Schulze-Geißler aus dem nordwestlichen Niedersachsen gut zufriedenstellten. 

Die Vermarktung der geernteten Rohstoffe war wie in jedem Jahr eine Herausforderung, aber das insgesamt etwas höhere Preisniveau und das gute Timing brachte den beiden Betriebsleitern einen guten Durchschnittspreis und somit eine ordentliche Grundrente für alle wesentlichen Feldfrüchte.

Hochpreisphase im Frühjahr erfolgreich genutzt

Ackerbauer Max Uwe Hansen vor seinem Schlepper

Für rund ein Drittel ihrer erwarteten Weizenerträge nutzten beide Betriebsleiter eine Hochpreisphase im zeitigen Frühjahr. Diese Strategie, per Vorkontrakt das Preisrisiko zu reduzieren, hat sich mit der Erfahrung aus den vergangenen Jahre bewährt. Sehr häufig gibt es irgendwann nach dem Jahreswechsel und vor der Ernte eine gute Gelegenheit, und so kommt der Betrieb nicht in eine mögliche Liquiditätsfalle bzw. unter vorzeitigen Verkaufsdruck.

Die Notierungen steigen häufig erst im weiteren Verlauf des Herbstes, nachdem der Erntedruck vorbei ist. Das ist dann oft ein guter Zeitpunkt, um weitere Mengen am Markt zu platzieren. Darüber hinaus steigt auch mit der Spekulation das Risiko.

Ackerbohnen erfüllten nicht ganz die Erwartungen

Bekannterweise hat allerdings jeder Betriebsleiter seine eigene Risikostrategie bzw. Risikotragfähigkeit. Max Uwe Hansen verkaufte in diesem Jahr seine komplette Restmenge des Weizens in den steigenden Markt Anfang Oktober für rund 180€/t, während Jan Schulze-Geißler noch rund 700 t nicht verkauften Futterweizen lagerte. Die verkaufte er Anfang Dezember zu einem Spitzenpreis von 200€/t. Ein lange nicht gesehener Wert, der auch seiner Nähe zur Veredlungshochburg Südoldenburg geschuldet ist. Aus der langjährigen Betrachtung kann man hier im Mittel durchaus einen Standortvorteil in der Vermarktung zu Gunsten des Niedersachsen erkennen.

Den Raps verkauften beide Betriebsleiter in der Hochpreisphase nach der Ernte für rund 380€/t, da die schwache Performance der Rapsnotierungen vor der Ernte nicht für Vorkontrakte sprach.

Der Markt für Ackerbohnen erfüllte in diesem Jahr aufgrund des coronabedingt schwächelnden Exportes nicht ganz die hohen Erwartungen. Max Uwe Hansen konnte dennoch für seine Bohnen Mitte Dezember einen relativ guten Preis von 234€/t erzielen.

Grundstein für die neue Ernte ist gelegt

Ackerbauer Jan Schulze-Geißler im Rapsfeld

Die Aussichten für die weitere Preisentwicklung sind aus heutiger Sicht durchaus stabil einzuschätzen. Insbesondere die hohe Nachfrage an den Exportmärkten und die gleichzeitige Begrenzung des russischen Angebotes rufen immer wieder die Bullen auf den Plan.

Aber die gesamtwirtschaftlichen Risiken durch die Pandemie können nicht wirklich abgeschätzt werden und auch die ASP beeinflusst weiter den Veredlungsbereich in Deutschland und drückt auf die Stimmung.

Der Grundstein für die neue Ernte konnte hier im Norden in diesem Jahr bei nahezu idealen Bedingungen gelegt werden. Eine trockene Bodenbearbeitung mit nachfolgend ausreichend Niederschlag sorgte für einen idealen Feldaufgang. Die Saaten präsentieren sich fast unisono in einem guten Zustand. Hier und da sind die Pflanzen vielleicht etwas zu üppig, aber bisher ist von Flächenverlusten keine Spur. Ein harter Winter könnte allerdings auch aufgrund der bisher mangelnden Winterhärte dem einen oder anderen noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Unsere agrarheute-Serie Vermarktung live sagt "Auf Wiedersehen"

Mit dieser Folge stellen wir die Serie Vermarktung Live nach rund fünf spannenden Jahren ein. Wir bedanken uns bei den Ackerbauern Jan Schulze-Geißler und Max Uwe Hansen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die immer offene Auskunftsbereitschaft.

Auch Martin Ziegelbäck, der als Broker und Vermarktungsfachmann stets mit Rat und Tat zur Seite stand, gebührt ein dickes Lob. Olaf Zinke steuerte als Marktexperte der Redaktion jede Menge treffende Analysen bei.

Wir hoffen, mit der Berichterstattung über das Risikomanagement zweier real existierender Landwirtschaftsbetriebe bei der Vermarktung ihrer Marktfrüchte dem einen oder anderen Betriebsleiter geholfen zu haben, die immer wieder neue Herausforderung der Vermarktung mit der nötigen Gelassenheit anzunehmen.

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