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Landwirtschaftszählung 2020

Gülle ausbringen und lagern: Die Probleme der Bauern

Gülle ausbringen.
am Mittwoch, 06.10.2021 - 12:29 (Jetzt kommentieren)

Gülle lagern und ausbringen ist für Landwirte mit hohen Auflagen verbunden. Diese haben sich immer weiter verschärft. Die Landwirtschaftszählung zeigt, was in den letzten 10 Jahren passiert ist.

Betriebe die Gülle ausbringen.

Die Lagerung und Ausbringung von Gülle und Festdünger ist für Landwirte mit sehr hohen umweltrechtlichen Auflagen verbunden. Dazu zählen auch die komplexen baurechtliche Anforderungen für den Bau und Betrieb entsprechender Anlagen. Diese verursachen erhebliche Kosten für die Lagerung und für die Ausbringung und den Transport von Wirtschaftsdünger – also von Gülle, Festmist und von Gärresten.

Hinzu kommt, dass die Tierbestände in Deutschland regional sehr unterschiedlich verteilt sind. Dadurch konzentriert sich der anfallende Wirtschaftsdünger auf bestimmte Regionen. Dort können aber nur begrenzte Mengen an Dünger ausgebracht werden. Gleichzeitig benötigen die Betriebe mit Ackerbau und weniger Tieren den Dünger um Struktur und Fruchtbarkeit ihrer Böden zu erhalten und zu verbessern. Der Transport ist jedoch mit erheblichen Kosten verbunden.

Im Rahmen der Landwirtschaftszählung hat das Bundesamt für Statistik (Destatis) umfangreiche Daten zur Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdünger bundesweit und auf regionaler Ebene erhoben. Daraus ergeben sich einige überraschende Erkenntnisse. Untersucht haben die Statistiker dabei Daten aus dem Zeitraum von März 2019 bis Februar 2020. Diese lassen sich mit der letzten umfassenden Erhebung zur Lagerung und Ausbringung von Wirtschafsdüngern aus dem Jahr 2010 vergleichen.

Viel weniger Betriebe – aber nicht viel weniger Gülle

Gülle.

Die Zahl der Betriebe, die Flüssigdünger auf Ackerland und Grünland ausbringen, hat in den letzten 10 Jahren um rund 20 Prozent auf etwa 135.000 abgenommen. Das war aber auch zu erwarten, denn die Zahl der Tierhalter ist im gleichen Zeitraum um etwa ein Drittel  zurückgegangen und damit noch erheblich stärker.

Etwas überraschend ist jedoch, dass die ausgebrachte Menge an Gülle- trotz des starken Rückgangs der Betriebe – in etwa gleich geblieben ist. So sagen die Statistiker, dass die Landwirte 2020 etwa 188 Millionen qm flüssigen Wirtschaftsdünger ausgebracht haben, im Vergleich zu 191 Millionen qm im Jahr 2010. Dabei verteilt sich die gesamte Güllemenge sehr unterschiedlich auf die unterschiedlichen Flüssigdüngerarten.

So hat sich die anfallende und ausgebrachte Menge an flüssigen Biogas-Gärresten in den letzten 10 Jahren auf knapp 63 Millionen qm etwa verdoppelt. Darin spiegelt sich natürlich deutlich gewachsene ökonomische Stellenwert der Biogasanlagen als Einnahmenquelle für die Landwirte. Gleichzeitig hat die ausgebrachte Menge an Rinderdünger um rund 17 Prozent auf 95 Millionen qm abgenommen und die Ausbringungen von Schweinegülle ist um 25 Prozent auf knapp 28 Millionen qm deutlich geschrumpft.

Was das Ranking bzw, den mengenmäßigen Anfall der unterschiedlichen Güllearten betrifft, so liegt die Rindergülle mit einem Anteil von 50 Prozent deutlich vor Schweinegülle mit knapp 15 Prozent und Biogasgärresten mit einem Drittel.  

Weiter sagen die Statistiker, dass die Ausbringung von Festmistdünger in den letzten 10 Jahren um etwa 16 Prozent auf reichlich 21 Millionen Tonnen zurückgegangen ist.

Ausbringungstechnik hat sich erheblich verändert

gülletechnik.

Deutlich verändert haben sich in den letzten 10 Jahren erwartungsgemäß auch die Ausbringungstechnologien: Die am weitesten verbreitete Ausbringungstechnik bei flüssigem Wirtschaftsdünger war im Jahr 2020 noch immer der Breitverteiler, bei dem Gülle breitflächig auf die Bodenoberfläche verteilt wird. Mehr als 60 Prozent der Betriebe nutzten diese Technologie noch, brachten damit jedoch nur etwa ein Drittel der gesamten Güllemenge aus.

Damit hat sich die mit dieser Technologie ausgebrachte absolute Güllemenge in den letzten 10 Jahren halbiert  - denn 2010 brachten die Bauern auf diese Weise noch 70 Prozent der gesamten Güllemenge aus.

Zweitwichtigste Ausbringungstechnik ist diejenige mit Schleppschlauch: Rund 30 Prozent der erfassten Landwirte nutzen diese Technik und bringen damit etwa ein Viertel der gesamten Güllemenge aus. Hier hat sich die Zahl der Landwirte diese Technik nutzen deutlich erhöht, nämlich um etwa ein Drittel - während die auf diese Art ausgebrachte Güllemenge nur moderat um etwa 15 Prozent auf 47 Millionen qm gewachsen ist.

Am stärksten zugenommen hat in den letzten 10 Jahren die Gülleausbringung mit dem so genannten Schleppschuh: Hier hat sich der Anteil der Landwirte die diese Technologie nutzten etwa verzehnfacht auf jetzt 27 Prozent aller Gülle ausbringenden Betriebe. Die auf diese Weise ausgebrachte Güllemenge hat sich ebenfalls verzehnfacht auf jetzt 47 Millionen qm bzw. ein Viertel der ingesamt ausgebrachten Güllemenge.

Ebenfalls beachtliche Zuwächse verzeichneten die Ausbringung mit dem Schlitzverfahren und mit dem Güllegrubber. Bei dem ersten Verfahren hat sich die ausgebrachte Menge auf rund 8 Millionen qm verdreifacht. Beim Güllegrubber haben die Statistiker eine knappe Verdopplung der auf diese Weise ausgebrachten Menge auf 19 Millionen qm festgesellt.

Schleppschlauch, Schleppschuh, Schlitzverfahren und Güllegrubber gelten im Vergleich zum Breitverteiler als umweltfreundlichere Verfahren, da sie Nährstoffverluste und gasförmige Emissionen deutlich reduzieren.

Am meisten Gülle gibt’s in Bayern und Niedersachsen

Gülle.

Zum Schluss noch ein Blick auf den Anfall und die Ausbringung der Gülle nach Bundesländern und je Betrieb: Hier ergibt sich ein eindeutiges Ranking entsprechend der vorhandenen Tierbestände – insbesondere der Rinderbestände, von denen etwa Hälfte der insgesamt anfallenden Gülle stammt.

Fast gleichauf liegen danach Bayern und Niedersachsen mit einer ausbrachten Güllemenge von 45,5 Millionen qm und 43 Millionen qm. In beiden Ländern stammt der Großteil der Gülle – nämlich zwei Drittel in Bayern und knapp 50 Prozent in Niedersachsen - aus der Rinderhaltung.

Deutlich hinter den beiden Spitzenreitern folgen dann Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein - mit 22 Millionen qm und 17,4 Millionen qm. Auch hier kommt der Großteil der Gülle aus der Rinderhaltung.

Am geringsten ist der Gülleanfall in den ostdeutsche Bundesländern sowie in Rheinland-Pfalz und Hessen, mit relativ geringen Tierbeständen.

Auf den ersten Blick überraschend ist vielleicht etwas anderes: Die pro Betrieb ausgebrachte Güllemenge ist im Osten deutlich größer als im Westen. Das hat natürlich zum einen mit der Größe der Betriebe zu tun und zum anderen wohl auch mit den größeren Tierbeständen je Betrieb – wenn dieser denn Tiere (etwa Milchkühe) hält. So werden Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg je Betrieb 6mal so viele Gülle ausgebracht wie in Bayern und 3mal so viel wie in Niedersachsen.   

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