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Insolvenz

Gülleaufbereitungsanlage im Münsterland pleite: 90 Landwirte bangen

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am Montag, 21.12.2020 - 11:20 (1 Kommentar)

Die Gülleaufbereitunganlage NDM Naturwertstoffe im münsterländischen Nordvelen ist pleite: Was mit der Millioneninvestition, den Beteiligungen der 90 Tierhalter und der Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen passiert, bleibt unklar.

So richtig funktioniert hat die Anlage anscheinend nie. Das behaupten jedenfalls Experten. Die Aufbereitungsanlage sollte Phosphor, Kali und weitere Wertstoffe aus überschüssiger Gülle abscheiden und aufbereiten. Jetzt ist die von Viehaltern beschickte Anlage pleite.

Mitte Dezember hatte die NDM Naturwertstoffe GmbH im münsterländischen Nordvelen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht in Münster gestellt. Nach Zeitungsberichten hatte die Anlage anscheinend immer wieder technische Schwierigkeiten. So sei die Gülleaufbereitung noch im Frühjahr 2020 nur mit gerade 60 Prozent Auslastung gefahren worden. Die Inbetriebnahme der gesamten Anlage hatte sich zuvor schon um Jahre verzögert.

Als „wesentlichen Grund“ für den Insolvenzantrag nannte die Geschäftsführerin der NDM, Doris Nienhaus, dass ein bereits bewilligter Zuschuss über 1,5 Mio. Euro vom Land Nordrhein-Westfalen (NRW) derzeit nicht freigegeben werde. Ungefähr 90 Landwirte aus dem Kreis Borken bangen seitdem als Kommanditisten um ihre Unternehmensanteile.

Darum bangen die 90 betroffenen Landwirte

Die 90 Viehhalter sind an der Gülleaufbereitungsanlage im westlichen Münsterland nach Zeitungsberichten mit rund 2,3 Mio. Euro Einlagen sowie 5 Mio. Euro Nachrangdarlehen beteiligt. In das technisch aufwändige Güllegroßprojekt waren neben zahlreichen Bankdarlehen auch über 1,5 Mio. Euro Fördermittel vom Bund geflossen. Sie kamen aus Mitteln des Zweckvermögens bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Zudem hatte das Land NRW eine millionenschwere Bürgschaft zugesichert. Insgesamt wurden nach Zeitungsberichten in Nordvelen rund 17 Mio. Euro investiert. Jährlich sollte die Anlage etwa 200.000 cbm Gülle aus den tierhaltenden Betrieben aufbereiten. Neben einer Biogasanlage gibt es im dortigen Industriegebiet technisch aufwändige Anlagen, um die Nährstoffe aus der Gülle zu lösen und marktfähig aufzubereiten.

Viele Fragen bleiben nach dem Insolvenzantrag offen

Warum der Zuschuss vom Land NRW nun nicht geflossen ist, bleibt bisher offen. Unklar ist bislang auch, ob das Land NRW nun wegen seiner Bürgschaft einspringen muss. Besonders hart ist das Scheitern der Gülleaufbereitungsanlage aber für die beteiligten Viehhalter und Veredelungsbetriebe. Wo sollen sie nun mit ihrer überschüssigen Gülle hin?

Die NDM wurde 2013 gegründet. Ihre Gesellschafter waren ausschließlich Tierhalter aus dem Kreis Borken. Die Anlage war darauf ausgelegt, etwa 200.000 cbm Gülle pro Jahr aufzubereiten und möglichst zu marktfähigen Wertstoffen zu machen. Die Betreibergesellschaft sollte so den Überschuss an Nährstoffen in der veredelungsstarken Region entlasten.

Für Konzepte zur Gülleaufbereitung waren im Kreis Borken schon vor einigen Jahren erhebliche Finanzmittel von damals beteiligten Betriebsleitern verloren gegangen. Der Grund: Lange konnten aufwändig erstellte Pläne nicht umgesetzt werden.

Ein harter Schlag: Das sagt der Landwirtschaftsverband

Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lipppischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), sagt: „Diese Entwicklung der NDM macht auch uns als WLV betroffen. Bei den Kommanditisten handelt es sich um Landwirte aus dem Kreis Borken, die auch Mitglieder im WLV sind. Dies ist ein schwerer Schlag, zumal in einer Zeit, die für unsere Betriebe auch in vielerlei anderer Hinsicht bedrückend ist."

Den grundsätzlichen Ansatz der Anlage hält der WLV weiter für richtig. Beringmeier: „Wir müssen als Landwirtschaft Lösungen entwickeln, um die Umweltauswirkungen unserer Tierhaltung zu verringern und dadurch deren Zukunftsfähigkeit verbessern. Die Insolvenz der NDM, die ein innovativer Teil zur Lösung dieser schwierigen Aufgaben sein sollte, ist daher zweifelsohne ein Rückschlag.“

In diese Kerbe schläge auch Ludger Schulze Beiering, Kreisverbandsvorsitzender des WLV in Borken. Er hat das Projekt von Anfang an begleitet. Er sagt: „Ich hoffe jetzt auf eine Fortführung des grundsätzlichen Ansatzes für ein verbessertes Nährstoff- und Immissionsmanagement in der Region.“ Schulze Beiering würde es begrüßen, wenn ein Investor „das bestehende Konzept weiterentwickeln und die Anlage unter geänderten Vorzeichen fortführen würde.“

Mit Material von WLV, Westfälische Nachrichten, Münsterische Volkszeitung

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