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Betriebsführung

Gute Aussichten für Investoren

am Donnerstag, 12.12.2019 - 11:53 (Jetzt kommentieren)

Kaum Zinsen, günstige Finanzierungen – das lädt ein, Kredite aufzunehmen. Landwirte bleiben aber vorsichtig, sagt Albrecht Schünemann von der Deutschen Kreditbank Berlin (DKB).

Schünemann Deutsche Kreditbank Berlin

Die wiederholte Senkung der Leitzinsen wird mit Sorgen beobachtet. Wie schätzen Sie die Situation für Landwirte ein?

Die niedrigen Zinsen treffen Sparer insbesondere bei den sicheren Geldanlagen. Sie decken meist nicht mal die Inflation und führen zu einem realen Wertverlust. Wer hingegen Kredite aufnehmen möchte, profitiert von der Situation.

Durch das anhaltend niedrige Niveau verliert der Zins jedoch seine Lenkungswirkung. Es besteht also die Gefahr, dass das „billige Geld“ zu Investitionen verführt, die sich unter „normalen Umständen“ nicht rentieren würden. In der Landwirtschaft sehen wir diese Entwicklung bisher aber nicht.

Warum nicht?

Landwirte investieren, unabhängig davon wie der Zinssatz steht, sehr überlegt und durchdacht. Hohe Eigenkapitalquoten prägen die Bilanzen, sodass der Zinsaufwand insgesamt kein allzu großer Hebel ist. Die Gefahr, dass sie sich von einem günstigen Zinssatz „verführen lassen“, sehe ich also nicht. Niedrige Zinsen allein sind zudem kein Grund für die DKB, Kredite zu vergeben. Das Konzept muss überzeugen und langfristig den Kapitaldienst decken. Da sollte die Kalkulation auch eine Zinsänderung in der Zukunft berücksichtigen. Landwirte investieren in die wirklich notwendigen Dinge, wie zum Beispiel die Sanierung von Gebäuden oder Ersatzinvestitionen. Für große Projekte wie einen Stallneubau sind den meisten Landwirten derzeit die Rahmenbedingungen zu unsicher.

An der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) folgt auf Mario Draghi jetzt Christine Lagarde. Wird sich mit ihr einiges ändern?

Mario Draghi hat das EZB-Mandat weit gefasst. Neben der Geldwertstabilität wurden Defizite der Wirtschafts- und Finanzpolitik und der Strukturreformen in den Mitgliedstaaten ausgeglichen. Dabei ging es um die Rettung der Gemeinschaftswährung. Jetzt schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab. Die Inflation verharrt auf niedrigem Niveau. Die Zentralbanken reagieren mit weiteren Zinssenkungen und beleben erneut die Anleihekäufe. Dies ist unter Experten umstritten. Wie Christine Lagarde mit diesen Herausforderungen umgeht, bleibt abzuwarten. Marktbeobachter gehen aber davon aus, dass sich in der nächsten Zeit das Zinsniveau nicht deutlich ändern wird. 

Beeinflussen die niedrigen Zinsen auch die Bodenpreise?

Ja, die Zinsen haben auch Einfluss auf den Bodenmarkt. Seit Ausbruch der Finanzkrise haben sich die Bodenpreise kontinuierlich erhöht. In welchem Ausmaß die niedrigen Zinsen den Bodenpreis beeinflussen, ist aber nur schwer messbar. Und natürlich stellen hohe Bodenpreise Landwirte vor Herausforderungen, wenn Flächen in ihrer Region zum Verkauf stehen und die Produktionsgrundlage gesichert werden soll. Umso wichtiger ist es, eine geordnete und solide Finanzierungsstruktur im Unternehmen zu schaffen und damit die Kreditwürdigkeit zu erhalten. Hinzu kommt die Bedeutung von aussagekräftigen Unterlagen, die der Bank für die Finanzierungs-entscheidung Transparenz bieten. 

Inwiefern die aktuellen weltweiten politischen Unwägbarkeiten die Zinsentwicklung beeinflussen und welche Tipps Albrecht Schünemann investitionsbereiten Landwirten gibt, erfahren Sie in der aktuellen Dezember-Ausgabe vom agrarheute-Magazin.

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