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Konjunkturbarometer Agrar

Gute Ernteprognosen können Stimmung unter Landwirten kaum aufhellen

Landwirt in einem Getreidefeld
am Dienstag, 13.07.2021 - 12:55 (Jetzt kommentieren)

Die vierteljährliche Umfrage unter deutschen Landwirten über ihre Einschätzung zur wirtschaftlichen Entwicklung spiegelte im Juni 2021 eine gedrückte Stimmungslage wider. So kann die voraussichtlich solide Ernte längst nicht alle Hindernisse aus dem Weg räumen.

Insbesondere stellte das Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar die politischen Rahmenbedingungen, eine fehlende Planungssicherheit und zum Teil hohe Preise für Betriebsmittel als Ursachen für die wenig vorhandene Zuversicht in der Landwirtschaft heraus.

Auftraggeber für das Konjunkturbarometer Agrar sind der Deutsche Bauernverband (DBV), der Fachverband Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sowie die Landwirtschaftliche Rentenbank. An der Befragung im Juni haben 851 Landwirte teilgenommen.

Kaum Optimismus – trotz besserer wirtschaftlicher Lage

Der ermittelte Indexwert, der zeigt, wie Landwirte die aktuelle und die künftige wirtschaftliche Lage einschätzen, hat sich im Vergleich zur letzten Befragung im März kaum verändert. Lag er im Frühjahr bei 14,2, erhöhte er sich im Juni nur minimal auf 14,7.

Dabei haben sich die Ernteaussichten gegenüber den Prognosen im März zum Positiven gewandelt. Trotzdem sehen Landwirte, wenn sie in die Zukunft blicken, eher Herausforderungen als Chancen – Grund ist der politische Kurs der Bundesregierung und der EU. „Die politischen Entscheidungen in der zu Ende gehenden Legislaturperiode haben erheblich zur aktuell schlechten Stimmungslage in der Landwirtschaft beigetragen“, fasst DBV-Präsident Joachim Rukwied zusammen. Als Beispiele nennt er das Insektenschutzpaket, die novellierte Düngeverordnung und die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Diese gesetzgeberischen Verschärfungen hätten für die Wirtschaftlichkeit der Betriebe schmerzhafte Einschnitte hinterlassen. Laut Rukwied müsse sich die Situation dringend wieder ändern – auch, um Verunsicherungen zu beseitigen.

Wirtschaftliche Lage wird kritisch beurteilt

Gegenüber der März-Befragung hat sich die Liquidität der Betriebe etwas verschlechtert. So berichteten im Juni 17 Prozent der Umfrageteilnehmer von einer angespannten oder sogar sehr angespannten Liquiditätslage. Besonders Futterbaubetriebe sorgen sich um ihre Zahlungsfähigkeit.

Auf der Notenskala von 1 (sehr günstig) bis 5 (sehr ungünstig) vergaben die befragten Landwirte für ihre aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt die Note 3,05. Wegen der höheren Ernteerwartungen hat sich dieses Ergebnis seit März etwas verbessert. Die Zukunftsaussichten benoteten die Landwirte mit 3,21.

Investitionen vor allem bei Wirtschaftsgebäuden geplant

Im Vergleich zur Befragung im Vorjahr stieg das für das nächste halbe Jahr geplante Investitionsvolumen für Wirtschaftsgebäude von 1,7 Mrd. Euro auf 2,2 Mrd. Euro. Ganz oben auf der Liste der Investitionsvorhaben von Landwirten stehen laut Pressemitteilung des DBV Maschinenhallen, Stallbauten für die Sauenhaltung sowie erhaltende Baumaßnahmen bei Milchviehställen.

Außerdem hätten durch das Investitions- und Zukunftsprogramm für die Landwirtschaft, die „Bauernmilliarde“, Investitionsvorhaben in umwelt- und klimaschonende Landtechnik zugenommen. Dabei weist der DBV darauf hin, dass der höhere Bedarf an Düngeausbringungs- und Pflanzenschutztechnik gleichzeitig einen Nachfragerückgang bei der Schlepper- und Transporttechnik bedeute.

Insgesamt hätten sich die für das nächste halbe Jahr geplanten Investitionen bei den Maschinen um 100 Mio. Euro auf 0,9 Mrd. Euro steigern können.

Rückläufig war das Volumen bei den erneuerbaren Energien, für die die befragten Landwirte nur noch 0,5 Mrd. Euro aufwenden wollten. Vor einem Jahr waren es noch 0,7 Mrd. Euro.

Werden die geplanten Investitionen in der Gesamtheit betrachtet, ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg um 0,4 Mrd. Euro auf 4,3 Mrd. Euro zu verzeichnen. Trotzdem wollen aber nur 29 Prozent der befragten Landwirte investieren. Dies ist laut DBV im langjährigen Vergleich immer noch ein sehr kleiner Anteil.

Positive Effekte aus Corona-Krise wieder verpufft

Zwar fühlten sich in der Juni-Umfrage nur sechs Prozent der Landwirte durch die Corona-Krise beeinträchtigt, trotzdem ist die Pandemie für 15 Prozent ein Grund dafür, Investitionen lieber noch aufzuschieben.

22 Prozent gaben an, wegen der Corona-Pandemie Umsatzverluste erlitten zu haben. Nur neun Prozent der Landwirte waren der Auffassung, dass die Krise ihnen neue Absatzchancen eröffnet hat.

Dass die Landwirtschaft durch die Pandemie in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen wird, dachten nur noch 19 Prozent der Teilnehmer. Vor einem Jahr waren es noch 30 Prozent. Stattdessen überwog mit 36 Prozent in der aktuellen Umfrage die Ansicht, dass die Probleme der landwirtschaftlichen Betriebe derzeit aus dem Blick geraten. Vor einem Jahr glaubten das allerdings noch 41 Prozent.

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