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Vegane Ernährung und Landwirtschaft

Heftiger Streit zwischen veganer Hafermilch-Firma und Milchbauern

Hafermilch in Tetrapacks und Glasflaschen in einem Supermarktregal
am Donnerstag, 21.01.2021 - 12:51 (9 Kommentare)

Ein heftiger Streit zwischen Landwirten und einer Hafermilchfirma erregt die Gemüter der britischen Farmer. Auslöser sind die Behauptungen der Firma über den viel zu hohen CO2-Ausstoß bei der Milchproduktion, im Rahmen einer Werbekampagne für Hafermilch.

Ein Glas mit Hafermilch  neben einem Tetrapack der Firma Oatly

Nach Angaben der britischen Landwirtschaftsverbände ist der CO2-Ausstoß der britischen Landwirtschaft jedoch erheblich kleiner als von der Firma behauptet. Die meisten Landwirte antworteten auf die Kampagne von Oatly mit harten Fakten. Das vegane Lebensmittel-Unternehmen Oatly kritisierte in seiner Kampagne die „schockierenden Fehlinformationen“ über den CO2-Ausstoß bei der Erzeugung von Milch und Fleisch.

Oatly, die vegane Lebensmittel- und Getränkefirma, hat eine heftige Gegenreaktion von britischen Landwirten in den sozialen Medien erhalten. Darüber berichten etliche britische Landwirtschaftsportale wie FarmingUK und farmersguide. Die Landwirte haben sich gegen die Behauptungen des pflanzlichen Getränkeherstellers gewehrt, der gesagt hatte, dass die Milch- und Fleischerzeugung mehr CO2 als der gesamte Transport-Sektor emittiere.

Ausgelöst hatte die schwedische Hafermilchfirma Oatly den Streit als sie ihre umstrittene "Help Dad"-Anzeige getwittert hatte. Dort heißt es: „Brauchen Sie Hilfe, um mit ihrem Dad über Milch zu sprechen? Gehen Sie zu oatly.com/helpdad", schrieb das Unternehmen am 16. Januar.

Oatly behauptet in der Anzeige: „Die Milch- und Fleischerzeugung stößt mehr CO2 aus als alle Flugzeuge, Züge, Autos, Boote usw. der Welt zusammen." Bisher ist die Anzeige über 45.000 Tausend mal aufgerufen worden – und sie wurde vielfach kommentiert.

Hafermilch: Falsche Behauptungen – aus Werbezwecken?

Haferpflanze auf einem Feld

Landwirte und Bauernverbände reagierten schnell auf den Tweet. Der britische Bauernverband NFU sagte, sie können Oatlys Behauptung nicht bestätigen. „Die britischen Zahlen für Emissionen aus der britischen Landwirtschaft liegen bei 10 Prozent im Vergleich zum britischen Verkehr mit 27 Prozent (Daten des britischen Landwirtschafts-Ministeriums Defra). "Wir erkennen die Daten und Statistiken nicht an", sagte die NFU.

Joe Stanley, ein ehemaliger Milchbauer aus Leicestershire, sagte, die Werbung von Oatlys sei eine „Falschinformation“. Als Landwirt, der jetzt tatsächlich Hafer anbaut und keine Milchkühe mehr melkt, ist diese Fehlinformation schockierend,“ sagte er auf Twitter.

„Der Verkehr macht 27 Prozent der britischen Emissionen aus. Alle Schafe und Rinder zusammen kommen gerade einmal auf 3,7 Prozent. Wie rechtfertigen Sie Ihre Behauptung?", fragte Stanley das Unternehmen.

Zahlreiche Social-Media-Nutzer forderten deshalb zur Überprüfung auf, ob Oatlys mit seiner Kampagne die Standards für Werbung überhaupt einhält.

Haferanbauer und Landwirte antworten mit Fakten

Milchkühe grasen auf einer Weise

Der Haferanbauer Frank Nixey aus Oxfordshire sagte in einem Schreiben an Oatly, sie sollen „die Konkurrenz nicht mit Lügen niederschlagen". Und weiter schreibt der Farmer: „Ich glaube nicht, dass sie gegen uns sind, da auf dem Markt genügend Platz für alle Arten von Milch ist, wenn die Leute dies wünschen. Mein Problem ist die Verbreitung von Lügen und Unwahrheiten über die Fleisch- und Milchindustrie.“

Und Nixey schlägt Oatlys vor: "Sicherlich wäre es für sie besser, den Kunden zu vermitteln, wie gut Ihr Produkt ist, und die Konkurrenz nicht mit Lügen niederzuschlagen“.  Einfach zu behaupten, dass die Fleisch- und Milchindustrie mehr CO2 ausstößt als die Flugzeuge, Züge, Autos, Boote usw. der Welt, ist äußerst ungenau, und außerdem nicht wahr und nicht sehr hilfreich", kritisiert Nixey.

Und er ergänzt: "Ja, Nutztiere emittieren zwar CO2, aber dies ist alles Teil des Kohlenstoffkreislaufs der Natur und gleicht sich wieder aus.“ Der Landwirt Ally Hunter Blair aus Herefordshire teilte außerdem Regierungszahlen mit, aus denen hervorgeht, dass der Transport-Sektor im Jahr 2019 im Vereinigten Königreich für 119 MtCO2 verantwortlich war, während der Ausstoß für die gesamte Landwirtschaft 5,6 MtCO2 betrug.

Wer im Glashaus sitzt....

Mann mit Milch vor geöffnetem Kühlschrank

Auch die „Country Land and Business Association“ (CLA) warf Oatly einen „schwerwiegenden Missbrauch von Statistiken“ vor. Präsident Mark Bridgeman sagte: „Wir haben kein Problem mit Hafergetränken – und ermutigen die Hersteller, britische Landwirte zu unterstützen. Wir haben jedoch ein Problem damit, Fehlinformationen und Halbwahrheiten zu verkaufen."

„Die Emissionen von britischem Rindfleisch liegen beispielsweise um 50 Prozent unter dem globalen Durchschnitt. Nur 3,7 Prozent der britischen Emissionen stammen von Rindern und Schafen, ein Bruchteil derjenigen des Verkehrssektors. Den britischen Verbrauchern zu sagen, dass ihre Milch- und Fleischindustrie die Umwelt irgendwie mehr schädigt als der Verkehr, ist ein schwerwiegender Missbrauch von Statistiken".

Bridgeman fügte hinzu: „Es ist überhaupt nicht hilfreich, Menschen gegeneinander auszuspielen. Landwirte und Lebensmittelmarken müssen zusammenarbeiten, um die Nachhaltigkeit zu verbessern, und Oatly sollte wirklich wissen, wie weit die britischen Landwirte gehen werden, um ihre Emissionen noch weiter zu senken". Weiter sagte Bridgeman: „Es gibt einen Platz für Hafergetränke auf dem Markt, aber Oatly sollte sich darauf konzentrieren, die Verbraucher von der Qualität ihres Produkts zu überzeugen, anstatt nur zu versuchen, die Konkurrenz zu unterdrücken."

Viele Twitter-Nutzer wiesen zudem auf die große Menge an importierten Zutaten der Hafermilch hin, die auf der Website von Oatly aufgeführt sind, darunter Hafer aus Schweden und Finnland, Rapsöl aus Schweden, Kalzium aus den USA, Salz aus Dänemark und Vitamine aus China, Frankreich und den USA.

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