Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Interview

Hofnachfolge oder Ehevertrag - lieber Schreiben statt Schweigen

Scheidung
am Donnerstag, 24.10.2019 - 10:25 (Jetzt kommentieren)

Gespräche über Hofnachfolge oder Ehevertrag können unangenehm sein. Planen Sie sie frühzeitig und nehmen Sie sich mit Ihrer Familie Zeit dafür.

Die Hofübergabe lässt sich lange im Voraus planen. Oft schieben Betriebsleiter und Hofnachfolger Gespräche darüber aber vor sich her. Am Tag der Entscheidung fallen sie dann aus allen Wolken. Diskussionen und Streit sind vorprogrammiert. Worauf Sie achten müssen, weiß Anne Dirksen, Leiterin der Arbeitsbereiche Sozioökonomische Beratung sowie Familie und Betrieb an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Anne Dirksen Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Woher rühren die Konflikte bei Hofübergaben in den meisten Fällen? 
Für viele sind Hofnachfolge und Verträge Tabuthemen und keine angenehmen Dinge, über die man sich mal eben so unterhält. Die Folge ist, dass die Familienmitglieder jahre-, mitunter jahrzehntelang nicht über die eigenen Wünsche reden. So entsteht eine stillschweigende Erwartungshaltung. Dabei sind die Wünsche oft völlig gegensätzlich.


Was heißt das konkret? 
Oft erwarten die Eltern von ihren Kindern, den Betrieb genauso weiterzuführen, wie sie es selbst schon lange tun. Es ist ja auch schwierig, sich von etwas zu trennen, in das man viel Arbeit, Zeit und Geld gesteckt hat. Nach dem Motto: Das Konzept funktioniert, also wird es das auch für die Kinder tun. Eltern trauen ihren Kindern oft zu wenig zu. Die Nachfolger haben aber häufig Ideen, die sie gern umsetzen würden.

Was ist die Herausforderung an neuen Betriebszweigen? 

Oftmals erfüllen sich gerade Mütter zum Beispiel mit einem hofeigenen Café einen lange gehegten Traum. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, wie notwendig es ist, diese große Investition nicht nur mit dem Partner, sondern auch mit der nachfolgenden Generation abzustimmen. Die Familie muss die Investition im Gesamtzusammenhang des Betriebs betrachten, genau wie die Aufnahme jedes anderen Betriebszweigs. Wenn es gut läuft und sich ein Kundenstamm entwickelt, wird der Gedanke “die Nachfolger geben es auf“ immer schwerer. 

Wie bereitet man sich am besten auf klärende Gespräche vor? 

Jeder sollte seinen Standpunkt aufschreiben oder eine Wunschliste dessen machen, was er gern ansprechen würde. Seine Gedanken zuzulassen und niederzuschreiben, erfordert zwar Mut. Das ist aber wichtig, um am Ende zu einer Einigung zu kommen und zufrieden aus der ganzen Sache herauszugehen. Oft zeigt der Berater Möglichkeiten auf, von denen beide Parteien vorher nichts ahnten.
 

Welche Gefahren drohen denn bei einer Scheidung nach der Hofübergabe? 

Da wäre zum einen das Wohnrecht. Darin enthalten sind ja auch viele Vergünstigungen, unter anderem Heiz- und Stromkosten bis hin zur Pflege im Alter. Grundsätzlich hat das Wohnrecht nur einer der beiden Eheleute, in den meisten Fällen läuft die Altersvorsorge auf den Namen des Manns. Salopp gesagt: Lässt man sich nach der Hofübergabe im hohen Alter scheiden, ohne einen Ehevertrag zu schließen, kann man auf der Straße sitzen. Doch auch die junge, einheiratende Frau ist gefährdet. Unter Umständen hat sie jahrelang auf dem Betrieb gearbeitet und steht nach einer Scheidung ohne alles da.

Wie lautet also Ihr Rat?

Ich rate in allen Fällen zu einem Ehevertrag, sonst geht die Frau bei einer Scheidung im schlimmsten Fall leer aus. Der Vertrag sollte außerdem gut durchdacht sein, denn so mancher Ehevertrag besteht die Fairnessprüfung nicht. Besser einmal unromantisch als später arm. Glücklicherweise machen Eheleute in Deutschland immer öfter einen Vertrag.
 

So geht Landwirtschaft in Finnland unter extremen Bedingungen

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...