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Ländliche Kriminalität

Illegale Müllentsorgung ist für Bauern ein Riesenproblem

Die Illegale Müllentsorgung nimmt zu.
am Freitag, 04.09.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Nicht nur in Deutschland haben die Bauern mit der illegalen Müllentsorgung auf Agrarland zu kämpfen. Auch für britische Bauern ist die Sache ein Riesen-Problem. Denn die Folgen sind hohe Kosten für die Entsorgung und erhebliche Umweltbelastungen.

IIllegale Müllentsorgung wird für die Landwirte in England (und wohl auch in Deutschland) zu einem immer größeren Problem. Das betrifft die hohen Kosten für die Beseitigung und häufig auch die Gesundheits- und Umweltrisiken, die von dem Müll ausgehen.

Landwirte und Verbände fordern deshalb schon seit langem: Härtere Maßnahmen zur Bewältigung der wachsenden Müll-Krise auf den landwirtschaftlichen Flächen in England. Verantwortlich sind nach Einschätzung der Behörden – zumindest teilweise – auch kriminelle Banden.

Erhebungen des Ministeriums für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (DEFRA) aus dem vorigen Jahr zeigen, dass die ländlichen Gemeinden mit mehr als einer Million Vorfällen von illegaler Müllentsorgung zu kämpfen hatten. Das war die höchste Zahl seit einem Jahrzehnt und ein weiterer Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dunkelziffer ist noch deutlich höher

Immer mehr Müll landet auf dem Acker.

Das Ministerium weist allerdings darauf hin, dass bestimmte Änderungen in der Art und Weise, in der Gemeinden die illegale Müllentsorgung erfassen, zusammen mit einer stärkeren Berichterstattung in der Öffentlichkeit, dazu beigetragen haben könnten, dass die Anzahl der Vorfälle höher als in den Vorjahren erscheint.

Dennoch gibt es bei vielen Institutionen und Beobachtern kaum Zweifel, dass der Umfang der illegalen Müllentsorgung geradezu explosionsartig zugenommen hat – insbesondere, wenn man die DEFRA-Zahlen zu Grunde legt. Diese beziehen sich nämlich lediglich auf Vorfälle, die auf öffentlichen Grundstücken wie Straßen stattfinden, während jedes Jahr eine wachsende Menge Müll auf privaten ländlichen Grundstücken bzw. auf Ackerland, Wiesen und Weiden entsorgt wird.

"Die offiziellen Statistiken spiegeln also die Realität nicht vollständig wider, da sehr viele Vorfälle auf privatem Land stattfinden", erklärt Sarah Hendry, Generaldirektorin der Country Land and Business Association (CLA). Und diese stehen nicht in der DEFRA-Statistik.

Situation außer Kontrolle - kriminelle Banden

Immer mehr Müll landet wir illegal entsorgt.

Illegale Müllkippen auf Farmland, berichtet Stuart Roberts von der National Farmers Union, sind immer häufiger geworden. „Die neuen Zahlen unterstreichen, dass die Situation außer Kontrolle gerät“, sagte er. Sie betreffen bereits zwei Drittel aller Landwirte, und sie werden mittlerweile immer häufiger von kriminellen Banden betrieben“.

Rebecca Davidson, ländliche Versicherungsspezialistin bei NFU Mutual sagt: „Die meisten Leute würden die illegale Müllentsorgung mit der seltsamen Matratzen oder dem Kühlschrank in Verbindung bringen, die auf dem Land abgeladen werden. Doch die ganze Sache hat sich zu einer großen organisierten Kriminalität entwickelt".

Davidson sagt weiter: „Auf den Feldern werden riesige Mengen Müll entsorgt. Außerdem gibt es falsche Müllunternehmen, die versuchen, landwirtschaftliche Gebäude oder Grundstücke zu mieten und Lastwagenladungen von Müll dort abzuladen." Die Entsorgung dieser Müllmengen wird dann sehr teuer für die Landwirte und Landbesitzer, die dort aufräumen müssen.

Hohe Kosten und Umweltprobleme

„Die Bereinigung eines Vorfalls kostet durchschnittlich 1.000 GBP. Da viele ländliche Unternehmen mehrere Vorfälle erleiden, kann sich dies schnell dramatisch auf das Betriebsergebnis auswirken“, stellt erklärt Sarah Hendry von CLA fest, die eine Gesetzesänderung begrüßen würde, um sicherzustellen, dass Landwirte nicht länger rechtlich haftbar sind, wenn Abfälle auf ihr Land geworfen werden.

Hendry fordert zudem finanzielle und logistische Unterstützung, um den Opfern zu helfen, Abfälle zu beseitigen, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben. "Schlimm ist auch, dass der Müll eine ernsthafte Gefahr für Gesundheit und Umwelt darstellt. Abgelagerte Müllberge erhöhen außerdem das Risiko von Bränden und Krankheiten.

Nicht selten werden durch die illegale Müllentsorgung auch Gewässer verschmutzt und Land kontaminiert.

Von Bauabfällen bis zu Chemikalien

Immer mehr Agrarland wird mit Müll belastet.

„Abfälle, die auf Agrarland entsorgt werden, reichen von Bauabfällen bis hin zu Chemikalien oder anderen Abfällen, die Tieren schaden können", sagt Frau Davidson von NFU Mutual. Maßnahmen, die die Landwirte ergriffen haben, um das Problem einzudämmen, wie die Installation von Toren, Absperrungen, Warnschildern, Sicherheitskameras und Beleuchtung, funktionieren laut Roberts häufig nicht gut.

"In einigen Fällen sind die Landwirte auch Einschüchterung, Gewalt und Bedrohungen durch kriminelle Banden ausgesetzt." Aus diesem Grund fordern die der Britische Bauernverband (NFU) und die Country Land and Business Association (CLA) eine härtere Strafverfolgung bei illegaler Müllentsorgung.

"Es ist vielen Leuten nicht bekannt, dass die Bußgelder für das Entsorgung von Müll niedriger sind als etwa die Kosten für die Anmietung eines Koffers", sagt Roberts. "Was wir brauchen, sind Strafgelder, die sicherzustellen, dass die Leute, die Müll entsorgen, Geldbußen nicht als irrelevant ansehen."

Es ist außerdem sehr wichtig, dass die Polizei des ländlichen Raums, die sich ändernde Natur dieses Verbrechens erkennt und entsprechend reagiert", argumentiert Roberts weiter.

Abfall-Kriminalität gezielt bekämpfen

Stuart Roberts von der National Farmers Union (NFU) möchte auch, dass Landwirte und Landbesitzer in die Arbeit der Abteilung für Abfallkriminalität einbezogen werden, die die britische Umweltbehörde jetzt einrichten will.

"Wenn wir zusammenarbeiten, können wir diese anhaltende Plage auf unserem Land bekämpfen und den Landwirten ermöglichen, sich auf das zu konzentrieren, was sie am besten können", sagt Roberts. Die NFU begrüßt deshalb die Pläne der Regierung, eine Abteilung für Abfallkriminalität einzurichten, da die jüngsten Statistiken das Ausmaß und die Folgen der Müll-Kriminalität für die Landwirte deutlich belegen.

Möglicherweise wäre das auch eine Idee für deutsche Behörden, die hierzulande offenbar ebenfalls spürbar zunehmende illegale Müllentsorgung auf landwirtschaftlichen Flächen besser zu bekämpfen. Anders als im Vereinigten Königreich gibt es in Deutschland allerdings bisher keine Statistiken über die illegale Müllentsorgung auf Agrarland. Das gilt im übrigen leider auch für den bandenmäßigen Diebstahl von Landmaschinen, GPS-Systemen oder Vieh – wie agrarheute schon vor einiger Zeit berichtete.

Lesen sie dazu auch: Ländliche Kriminalität bedroht Existenzen

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