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Betriebsführung

Insolvenz: Lage erkennen und richtig handeln

Johannes Dreer/Dr. Rudolph Dobmeier
am
25.08.2016

Wer rechtzeitig ein gezieltes Insolvenzverfahren einleitet, kann die wirtschaftliche Situation seines Unternehmens oft wieder bessern. Oder zumindest Teile des Vermögens retten.

Auf dem Weg in eine existenzielle Krise und sogar im laufenden Insolvenzverfahren besteht die Möglichkeit der Sanierung von Betrieben. Ein Insolvenzverfahren muss nicht zwingend zur sofortigen Betriebseinstellung und Geschäftsaufgabe führen. Wie Unternehmensberater Johannes Dreer und Dr. Rudolph Dobmeier, Fachanwalt für Insolvenzrecht, in BLW 26/2016 schreiben, spitzt sich die Lage in vergleichbaren Mustern zu:

  • Der Kreditrahmen auf dem Bankkonto wird ständig überzogen.
  • Zahlungsziele werden nicht mehr eingehalten. Skonti können nicht mehr in Anspruch genommen werden.
  • Teure Warenkredite (Lagerhaus, Lieferanten) werden in erheblichem Umfang in Anspruch genommen.
  • Es stauen sich weitere offene Posten an.
  • Pachtzahlungen stehen zum Teil noch aus.
  • Die nächste große Darlehensrate kann vermutlich nicht vollständig bezahlt werden.

2 Phasen in die Insolvenz

Wenn ein Landwirt seine fälligen Schulden auf eine Dauer von drei Wochen nicht zumindest zu 90 Prozent bezahlen kann, ist er zahlungsunfähig. Dann liegt ein Grund vor, dass ein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann. Der Weg in eine Insolvenz ist in der Landwirtschaft nicht anders als bei anderen Unternehmen:

  1. Phase: Wird das Geld knapp, nutzt man zunächst Zahlungsfristen vollständig aus. Als Nächstes lässt man sich (mehrfach) mahnen, bis man Zahlungen vornimmt. Parallel dazu wird versucht, über die Ausweitung von Kreditlinien frisches Geld zu besorgen.
  2. Phase: Die nächste Stufe sind dann Titulierungen der Gläubiger, da trotz Mahnung nicht bezahlt wird. Können die Titel nicht abgewehrt werden, beginnen die Gläubiger mit der Zwangsvollstreckung, z. B. Eintragungen von Zwangssicherungshypotheken in den landwirtschaftlichen Grund und Boden. Leasinggeber drohen damit, die geleasten Maschinen abzuholen, da die Raten nicht bezahlt wurden. Lieferanten liefern nur noch gegen Vorkasse.

Wird das landwirtschaftliche Unternehmen in der Form einer Kapitalgesellschaft (GmbH, GmbH & Co. KG, AG) geführt, tritt dann die Pflicht ein, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Diese Fragen gilt es zu klären

In solchen Situationen rücken Themen wie Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung – und damit Fragen der Insolvenz – mehr und mehr in den Fokus.

  1. Was ist für mich, meine Familie und mein Unternehmen der beste Weg?
  2. Welche Wege stehen (noch) offen?
  3. Ist eine Sanierung mit dem bestehenden Finanzierungspartner möglich? Gibt es einen neuen Finanzierungspartner?
  4. Wie sieht mein Fortführungskonzept aus?
  5. Welche Konsequenzen hätte die Insolvenz?

Nur dann, wenn ein Unternehmen nach Restrukturierung einen nachhaltig positiven Cashflow erwirtschaften kann, der abgezinst die Sanierungskosten deckt, lohnt sich eine Restrukturierung und Fortführung. Der rechtliche und operative Handlungsspielraum hängt dabei wesentlich davon ab, wie weit die Krise des Unternehmens fortgeschritten ist.

Vermeidung der Insolvenz

Je nach Situation ist die Vermeidung einer Insolvenz möglich. Ob die Vermeidung auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, oder ob es nicht besser wäre, in eine Insolvenz zu gehen, hängt vom Einzelfall ab. Sehr wichtig ist bei einer beabsichtigten Sanierung das Zusammenspiel mit Banken und Gläubigern. Es funktioniert nicht, einen Kompromiss und Vergleich mit Gläubigern zu schließen und gleichzeitig den Betrieb weiterzuführen wie bisher. Insbesondere der verantwortliche Betriebsleiter muss seinen Beitrag leisten.

Die Beschreitung dieser Wege ist natürlich oft unangenehm. Ohne das Zutun des Unternehmers und die Bereitschaft, auch unangenehme Schritte mitzugehen und zu vertreten, geht es aber nicht.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 26/2016 des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts.

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