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Klimaschutz

Klimaschutz: Höhere Düngersteuer bringt wenig

am
03.07.2019

Thünen-Wissenschaftler haben analysiert, welche Folgen eine CO2-Steuer für Landwirte hat. Aufpassen muss man vor Wettbewerbsverzerrungen.

Symbolisches Wanschild zur CO2-Steuer

Das Bepreisen von Treibhausgas-(THG)-Emissionen kann zur Emissionsminderung in der Landwirtschaft beitragen. Sie birgt allerdings das Risiko von Wettbewerbsverzerrungen. So lautet das Fazit einer Studie von Prof. Martin Banse und Dr. Victoriya Sturm vom Braunschweiger Thünen-Institut (TI) für Marktanalyse. Sie haben mit Unterstützung der Edmund-Rehwinkel-Stiftung der Landwirtschaftlichen Rentenbank die Folgen einer „CO2-Steuer“ für die Agrarwirtschaft untersucht.

Laut Banse und Sturm haben deutsche Landwirte einen vergleichsweise kleinen Anteil an den globalen Treibhausgasemissionen des Sektors. Dessen ungeachtet gehen die Braunschweiger Agrarökonomen davon aus, dass der heimische Agrarsektor auch wegen der Vorreiterrolle Deutschlands eine signifikante Rolle bei den hiesigen Klimaschutzbemühungen wird leisten müssen. Dabei seien die Bodennutzung und die Tierhaltung die wichtigsten Stellschrauben.

Landwirte bieten Kohlenstoffsenken

Mit Blick auf die aktuell hitzige politische Debatte um den Klimaschutz schließt Banse nicht aus, dass mittelfristig die Höhe des deutschen Nutztierbestandes in Frage gestellt werden könnte.

Nach seiner Auffassung muss beim Klimaschutz aber auch die Funktion der Landwirtschaft als Kohlenstoffsenke mehr Beachtung finden. Er plädiert dafür, diesen Aspekt stärker zu kommunizieren. Die Politik sollte ihm zufolge außerdem bessere Rahmenbedingungen für das Fixieren von Kohlenstoff im Boden oder in der Biomasse setzen.

Bei der Preissetzung für agrarrelevante Treibhausgas-Emissionen stellen Banse und Sturm fest, dass eine CO2-Steuer auf produktionsbedingte Emissionen, beispielsweise für synthetische Düngemittel oder Rindfleisch, zwar Steuerungseffekte zeigten, gleichzeitig aber Wettbewerbsnachteile für die heimische Landwirtschaft mit sich bringen. Die Fleischerzeugung könnte dadurch sogar sinken. Nur geringe Effekte werden hingegen bei der Pflanzenproduktion erwartet.

Steuer auf Endprodukte ist effektiver

Eine THG-Bepreisung auf der Verbraucherseite, also beim Endprodukt, würde laut Thünenexperten alle Agrarprodukte betreffen und damit eine Diskriminierung der heimischen Landwirte vermeiden. Auch ließen sich damit am besten Emissionen mindern. Problematisch sei allenfalls, dass diese wegen der ebenfalls betroffenen Importprodukte nicht unbedingt nur im Inland stattfinde.

Die Abschaffung der Mehrwertsteuervergünstigung auf tierische Produkte wäre laut den beiden Agrarökonomen eine weitere mögliche Variante, um THG-Emissionen zu senken. Sie sollte deshalb in die politischen Überlegungen mit einbezogen werden, so die Wissenschaftler.

Mit Material von AgE
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