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Konjunkturbarometer Agrar: Stimmung bleibt schlecht

Konjunkturbarometer Agrar September 2020
am Donnerstag, 08.10.2020 - 18:31 (Jetzt kommentieren)

Das Ergebnis des Konjunkturbarometers Agrar des Deutschen Bauernverbands für den September zeigt, dass die Rahmenbedingungen aus Wirtschaft und Politik, aber auch ASP und Corona die Lage für viele deutsche Landwirte weiter verschlechtern.

Schlechte Bedingungen durch Wirtschaft und Politik, dazu die Afrikanische Schweinepest (ASP): Die Stimmung der deutschen Landwirte ist weiterhin schlecht. Das ergab das DBV-Konjunkturbarometers Agrar durch eine repräsentativen Umfrage für den Monat September.

"Besorgniserregend" findet das Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes. "Corona, schlechte Ernteergebnisse und nun die Afrikanische Schweinepest sind eine sehr gefährliche Mischung für unsere Betriebe, die den Strukturwandel noch einmal deutlich beschleunigen könnte. Die seit langem anhaltende schlechte wirtschaftliche Situation in unseren Betrieben macht mir große Sorgen."

Indexwert sinkt wieder

Der Indexwert des Konjunkturbarometers Agrar fällt mit 12,3 sogar noch etwas schlechter aus als in der vorangegangenen Befragung vom Juni 2020 (15,8). Niedriger waren die Werte in den vergangenen zehn Jahren nur Anfang 2016 und Ende 2019.

Der Indexwert bildet die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ab. Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 3,12 bewertet (Vergleich Juni 2020: 3,03). Für die zukünftige Lage herrscht nur geringe Zuversicht mit einem Wert von 3,22 (Juni: 3,21).

Weniger Investitionen im nächsten halben Jahr

Für die kommenden sechs Monate plant knapp ein Drittel Landwirte Investitionen (31 Prozent). Insgesamt ist ein Investitionsvolumen von 5,0 Milliarden Euro geplant - das sind 0,1 Mrd. Euro weniger als zum Vorjahreszeitpunkt.

Rückläufig sind vor allem Investitionen in Ställe, Hof- und Stalltechnik. Dafür sind 2,3 Mrd. Euro an Investitionen vorgesehen, wiederum 0,3 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr.

"Dieser Befund muss ein Alarmsignal für die Politik sein", mahnt Rukwied. "Der vielbeschworene Umbau der Tierhaltung und vor allem mehr Tierwohl kann ohne Investitionen nicht gelingen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier weit auseinander." Dazu käme, dass neben einer bau- und genehmigungsrechtlichen Blockade auch das Vertrauen in verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Tierhaltung fehlten.

Liquidität der Landwirte unverändert

Die Liquidität der Betriebe hat sich seit Dezember 2019 kaum verändert. 15 Prozent der Betriebe gaben an, dass ihre Liquiditätslage angespannt oder sehr angespannt ist.

Besonders hoch ist dieser Anteil unter den Veredlungsbetrieben (20 Prozent) und in den Betrieben im Osten Deutschlands (27 Prozent) - genau dort also, wo sich die ASP aktuell besonders stark auswirkt. Die Zukunftserwartungen der Veredlungsbetriebe erreichen sogar einen bislang nicht gekannten Tiefpunkt.

Im Jahresvergleich fällt die Beurteilung der Schweinepreise erheblich schlechter aus. Die Milchpreise werden etwas schlechter beurteilt als im September 2019. Günstiger werden im Jahresvergleich die Preise für Getreide, Düngemittel und Treibstoffe bewertet. Die politischen Rahmenbedingungen haben weiterhin einen eher negativen Einfluss auf die Stimmungslage der Landwirte.

Auch Corona wirkt sich weiterhin aus

Die Corona-Krise hinterlässt ihre Spuren auch in der Landwirtschaft.

  • Aktuell fühlen sich 8 Prozent der repräsentativ befragten Landwirte von der Corona-Krise in ihrem Wirken eingeschränkt (März 11 Prozent)
  • 18 Prozent wollen ihre geplanten Investitionen deswegen auf unbestimmte Zeit verschieben (März 26 Prozent)
  • Nur noch 25 Prozent der Landwirte teilen die Einschätzung, dass mit der Corona-Situation die Landwirtschaft wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft bekommen wird. In der Märzerhebung waren es noch 46 Prozent.
  • 44 Prozent der Landwirte (März 47 Prozent) sind dagegen der Meinung, dass durch das Virus die Sorgen und Nöte der landwirtschaftlichen Betriebe aus dem Blick geraten könnten.

Das Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar wird vierteljährlich im Auftrag des DBV, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und der Landwirtschaftlichen Rentenbank in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Zur aktuellen Runde im September 2020 befragte das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt dazu 851 Landwirte in ganz Deutschland.

Mit Material von DBV
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