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Kommentar

"Das Konsumverhalten von morgen spielt Landwirten in die Karten"

© Dagmar Deutsch
von , am
29.09.2017

Vertrauen, Personalisierung und der Einfluss sozialer Medien: das Konsumverhalten der Kunden von morgen bietet Chancen für landwirtschaftliche Direktvermarkter. Ein Kommentar von Dagmar Deutsch, Redakteurin bei agrarheute.

Dagmar Deutsch, Redakteurin bei agrarheute
Ein Kommentar von Dagmar Deutsch, Redakteurin bei agrarheute © Foto: Strotmann

Landwirte können bei den Konsumenten von morgen punkten. Die internationale Unternehmensberatung A.T. Kearny hat für ihre Studie „Global Future Consumer“ weltweit mehr als 7.000 Personen zu ihren Präferenzen und ihrem Konsumverhalten befragt. 20 Prozent der Befragten gehören zur Generation Z. Das sind diejenigen, die zwischen 1998 und 2016 geboren wurden. Zu dieser Generation wird im Jahr 2027 mit 2,3 Milliarden ein Drittel der Menschheit gehören. Ihre Konsumpräferenzen sollten Sie als findiger Vermarkter von morgen also nicht außer Acht lassen. Und was die Kunden von morgen bewegt, haben wir für Sie aus der Studie zusammengefasst.

Direktvermarkter sind vertrauenswürdig, umweltbewusst und sozial

Vertrauen wird immer wichtiger für eine Geschäftsbeziehung – also für den Kauf. Bereits heute schon hat mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Deutschen nur wenig oder gar kein Vertrauen in große Unternehmen und Marken. Hinzu kommt, dass besonders junge Konsumenten künftig zu Marken greifen, die die Umwelt schützen und sich für soziale Belange einsetzen: Für frische Lebensmittel solcher Unternehmen würden 83 Prozent der Generation Z nach eigenen Aussagen mehr Geld ausgeben.

Für landwirtschaftliche Direktvermarkter ist das natürlich eine Steilvorlage. Als kleines Unternehmen fällt es Ihnen verhältnismäßig leicht, das Vertrauen der künftigen Konsumenten zu gewinnen. Für den Umweltschutz setzen Sie sich als Landwirt quasi automatisch ein und als Familienunternehmen sind Sie von vornherein sozialer eingestellt als Großkonzerne.

Kunden im Netz überzeugen

Die zweite Erkenntnis der A.T. Kearny-Studie ist, dass Blogger und Vlogger (Video-Blogger) die Kaufentscheidung von 54 Prozent der Generation Z beeinflussen. Wenn Sie also ein Händchen dafür haben, sich Online gut zu verkaufen, können Sie somit bereits die Hälfte der künftigen Konsumenten für sich gewinnen. Und gute Beispiele für Blogger aus der Landwirtschaft gibt’s heute schon.

Das A und O ist dabei die Personalisierung. Auch die wird künftigen Konsumenten immer wichtiger. Das bedeutet nicht nur, Ihrem Produkt ein Gesicht zu geben und die Produktion transparent zu machen. Bei der Generation Z können Sie mit Angeboten punkten, die genau auf diese Zielgruppe abgestimmt sind. Versetzen Sie sich Ihre künftige Kundschaft hinein und bieten Sie ihr das, was genau zu ihr passt. Ein Beispiel dafür sind Superfoods aus der Region. Superfoods liegen im Trend bei der gesundheitsbewussten jungen Generation, werden aber meist unter fragwürdigen Umweltaspekten im Ausland produziert und nach Deutschland gekarrt. Wenn Sie diesen in Ihrem Blog darstellen, den Kunden mit Ihrem regionalem, transparent hergestelltem Produkt gleichzeitig eine Alternative präsentieren und dann auch noch das passende Rezept für den Büro-Smoothie liefern, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Optimal ist, es wenn diese Information via Newsletter oder App direkt beim Verbraucher landet. Aber Vorsicht: Er möchte wirklich nur die Informationen, die auf seinen Lebensstil abgestimmt sind.

Authentizität und Qualität punkten bei Verbrauchern

Zum Schluss habe ich noch eine gute Nachricht für Sie:  Laut Dr. Mirko Warschun, Handels- und Konsumgüterexperte bei A.T. Kearny, machen künftig Nischenmarken, die für Authentizität und Werte stehen und das Social Influencer Marketing beherrschen, den großen Playern die Marktanteile streitig. Er empfiehlt: mehr Qualität als Quantität und ein eng definiertes Leistungsversprechen anstelle einer breiten Angebotspalette. Wer denkt dabei nicht sofort an landwirtschaftliche Direktvermarkter? Große Supermarktketten können Sie als Landwirt höchstwahrscheinlich nicht vom Markt verdrängen. Aber diese Entwicklung ist für Sie eine vielversprechende Chance, die Position Ihrer Marke in der Region zur stärken und voranzutreiben.

Milchtankstellen: Einstieg in die Direktvermarktung

Milchautomaten vereinen Kühlung, Milchbehälter, Rührwerk, Automat und Abfüllbereich in einem Gerät. So auch der Automat "R" von Risto. Die Höhe des Münzeinwurfs entscheidet über das Milchguthaben, die Abgabemenge kann zwischen 0,2 und 5 Litern frei gewählt werden. Wird keine weitere Milch benötigt, zahlt der Automat serienmäßig das Restgeld aus. © Risto Vending GmbH
Risto bietet seinen Automaten sowohl mit Touchscreen ("R-Touch"), als auch in der erweiterten Version mit einem zweiten Behälter an. So ist der Verkauf eines weiteren, zweiten Produkts (zum Beispiel Vanillemilch) im selben Automaten möglich. Alle Automaten sind MID-zertifiziert. © Risto Vending GmbH
Die brunimat GmbH bietet ebenfalls MID-zertifizierte Milchtankstellen an. Den Brunimat gibt es in der Ausführung "KS" und "Premium", wobei sich die Premium-Version nach Angaben des Herstellers vor allem für den Verkauf außerhalb des Hofes in Ballungsgebieten eignet. Neben der einfachen Ausführung mit einem Behälter (50-200 Liter)... © Brunimat GmbH
...ist die Version "Duo" mit zwei Behältern (100-400 Liter) erhältlich. Bei der Option "Duo" wird automatisch vom leeren auf den neuen, vollen Behälter gewechselt. So wird die Restmilch immer zuerst verkauft. Milchwechsel und Reinigung können so gleichzeitig durchgeführt werden, unabhängig von der Restmilchmenge. © Brunimat GmbH
Wie beim Risto-Automat erfolgt die Bezahlung beim brunimat serienmäßig über Münzeinwurf, allerdings nur optional mit Wechselgeldmünzer (blauer Kreis). Der Notenleser ist wie bei Risto optional erhältlich (gelber Kreis). Ebenso gibt es beim brunimat gegen Aufpreis eine automatische Reinigung des Abfüllbereichs nach jedem Abfüllvorgang (roter Kreis). © Brunimat GmbH
Die Milchautomaten der Milch Concept Automaten oHG sind laut Unternehmen speziell für den Vertrieb von Milch in Städten (zum Beispiel vor Supermärkten) konstruiert. Entsprechend größer sind die Fassungsvermögen der Automaten: Das kleinste Modell "S 200" fasst 200 Liter, der "M 400" 400 Liter und das größte Modell "L 600" 600 Liter pro Automat. © Milch Concept Automaten oHG
Neben dem serienmäßigen Münzwechsler sind optional Geldschein-, EC-Karten- und Kredikartenannahme erhältlich. Die Automaten lassen sich zudem kombinieren. So ist eine Absatzmenge von bis zu 1200 Liter pro Standort möglich. © Milch Concept Automaten oHG
Die verschiedenen Ausführungen der Concept-Automaten verfügen über ein bis drei Tanks à 200 Liter. Anders als bei den Automaten der anderen Hersteller bleiben beim Tankwechsel keine der milchführenden Komponenten (Rührwerk, Schläuche, Mengenmesser, Ausgabestutzen, Pumpen) im Automat, sondern sind fest mit dem Tank verbunden. So werden mit jedem frischen Tank alle mit Milch in Berührung kommenden Teile ausgetauscht, eine Reinigung am Tank ist daher nicht notwendig. © Milch Concept Automaten oHG
Sowohl der "S 200" als auch der "M 400" lassen sich optional mit einem Warenverkaufsautomat kombinieren (gelber Kreis). Dieser ist in verschiedenen Größen verfügbar und ermöglicht den Verkauf vieler weiterer Produkte (Joghurt, Eier etc.). Beim Modell "L 600" ist der Warenverkaufsautomat serienmäßig in die Einhausung integriert. Alle Concept-Milchautomaten sind MID-zertifiziert. © Milch Concept Automaten oHG
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